Tierische Therapie

Bei der Alzheimer Gesellschaft Main-Kinzig können Demenz-Kranke mit Kamelen kuscheln

Kamele kuscheln gerne und haben eine beruhigende Wirkung: Sozialpädagogin Daniela Stähr und Thomas Schmitt von der Alzheimer Gesellschaft Main-Kinzig zeigen, wie es geht.
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Kamele kuscheln gerne und haben eine beruhigende Wirkung: Sozialpädagogin Daniela Stähr und Thomas Schmitt von der Alzheimer Gesellschaft Main-Kinzig zeigen, wie es geht.

Jeden Freitagnachmittag treffen sich Senioren mit und ohne Demenz unter Leitung von Thomas Schmitt. Der Diplom-Sozialarbeiter und diplomierte Supervisor und Coach organisiert und betreut für die Alzheimer Gesellschaft Main-Kinzig eine Betreuungs- und Bewegungsgruppe.

Main-Kinzig-Kreis – „Wir kommen als feste Gruppe jeden Freitag zusammen, davon einmal im Monat in Gründau-Breitenborn, wo wir ein besonderes therapeutisches Angebot machen. Alle Teilnehmer werden dafür natürlich ausnahmslos auf Covid-19 getestet“, sagt Thomas Schmitt.

In Gründau-Breitenborn wird die Gruppe an diesem Freitag schon erwartet. Hier gehen Lamas, Alpakas und Kamele mit den Senioren spazieren und dürfen ausgiebig gestreichelt werden. Sie sind an Menschen gewöhnt und werden je nach Situation eingesetzt. „Die Tiere nehmen Menschen so an, wie sie sind, wertfrei. Dadurch können sie auf unterschiedliche Art impulsgebend sein“, erklärt Schmitt.

Sitz der Alzheimer Gesellschaft auf Burg Wonnecken in Nidderau

Melanie Jung, Leiterin der Alzheimer Gesellschaft mit Sitz auf Burg Wonnecken in Nidderau-Windecken, ist von dem neuen Angebot überzeugt: „Ich bin froh, dass wir dieses großartige Projekt nach über einem Jahr Vorbereitungszeit, die der Pandemie geschuldet ist, nun endlich starten konnten. Das Angebot ist ein Gewinn für Menschen mit demenziellen Erkrankungen.“

Das „Projekt Sultan“ ist ein Angebot von Beate Edel-mann und Daniela Stähr. Edelmann ist diplomierte Sportwissenschaftlerin. Sie arbeitet seit vielen Jahren in der sportlichen Jugendbildungsarbeit und als Trainerin im Bereich Erwachsenenbildung. Diplom-Sozialpädagogin Daniela Stähr besitzt langjährige Erfahrung in der Jugend- und Behindertenhilfe und in der Arbeit mit psychisch Erkrankten. In Gründau-Breitenborn arbeiten die beiden Frauen unter anderem mit verschiedenen soziotherapeutischen Einrichtungen zusammen.

Durch Tiere überwinden Erkrankte ihre Schwächen

Die Bewegungsgruppe der Alzheimer Gesellschaft läuft mit Alpakas oder Lamas. Ungefähr zwei Stunden dauert ein Spaziergang mit den Tieren, wobei jeweils zwei Personen mit einem Lama laufen. „Unter tiergestützter Förderung verstehen wir pädagogische und teilweise therapeutische Interventionen beim Menschen mithilfe von Tieren“, erläutert Stähr. Es geht unter anderem darum, durch wohlüberlegten Einsatz eines Tieres den Menschen bei der Überwindung beziehungsweise Kompensation vorhandener Schwächen und Beeinträchtigungen zu helfen.

Lamas brauchen Distanz und fordern einen respektvollen Umgang und eine Begegnung auf Augenhöhe ein.

Besonders beeindruckt war Melanie Jung von einem Lama, das ganz vorsichtig einer Klientin mehrmals die Wange „geküsst“ hat. „Lamas sind Distanz-Tiere“, erläutert Daniela Stähr die Besonderheit des Ereignisses. „Lamas wollen nicht gekuschelt werden, sondern fordern einen respektvollen Umgang und eine Begegnung auf Augenhöhe ein.“

Ganz anders dagegen Kamele oder Esel. Diese lassen sich gerne anfassen und streicheln. Vor allem Kamele haben eine faszinierende, beruhigende Wirkung. Bei Menschen mit Spastiken kann man sehen, wie die Hände sich lösen, sobald sie auf den Kamelen liegen.

Mensch und Tier verständigen sich über Körpersprache

Beim gemeinsamen Spaziergang lässt sich beobachten, wie Mensch und Tier sich allmählich über Körpersprache verständigen. Die an Demenz Erkrankten entwickeln ein Gefühl für das Tier und Empathie für den mitlaufenden Partner.

„Zu Beginn haben die Menschen manchmal die Leine über der Schulter und ziehen das Lama hinter sich her. Es dauert eine Weile, aber dann sieht man, wie Menschen und Tier im Gleichschritt laufen.“ Damit fördern die Lamas nicht nur die Bewegung, sondern auch das koordinierte Laufen mit einem Partner.

„Projekt Sultan“ im Rahmen der Betreuungs- und Bewegungsgruppe ist ein großer Gewinn für die Beteiligten. Thomas Schmitt denkt daher über den Aufbau einer zweiten Gruppe nach. Der Termin am Freitagnachmittag jedenfalls ist für die Alzheimer Gesellschaft Main-Kinzig bereits fest reserviert.

Weitere Informationen zum „Projekt Sultan“ geben Thomas Schmitt, 06187 2032523, E-Mail: thomas.schmitt@lebenswert-mkk.de oder die Alzheimer Gesellschaft Main-Kinzig e.V., „SOwieDAheim“, Schlossbergstraße 7, 61130 Nidderau

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