Hygiene- und Abstandsregelen

So bereiten sich die evangelischen Kirchengemeinden auf die Gottesdienste in Corona-Zeiten vor

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Gemeinden mit kleinen Gotteshäusern stehen vor der größten Herausforderung: In der Roßdorfer Michaelskirche finden unter Berücksichtigung der Abstandsregeln nur maximal 25 Besucher Platz.

Gottesdienste und religiöse Feiern dürfen in Hessen wieder stattfinden – allerdings mit Einschränkungen und Auflagen. „In allen Kirchengemeinden werden in den nächsten Tagen die Kirchenvorstände (KV) einberufen“, so Pfarrer Jens Heller, Mitglied des evangelischen Kirchenkreisvorstandes.

„Gottesdienste können nur mit einem Beschluss des KV wieder aufgenommen werden.“ In der evangelischen Gemeinde Bischofsheim werde bereits am 10. Mai ein „Ostergottesdienst“ gefeiert, so Pfarrer Heller, dies habe der KV schon seit Längerem so festgelegt.

Für den Gottesdienst am Sonntag gelten unter anderem Abstandsregeln und Hygienemaßnahmen sowie besondere Vorschriften beim Betreten und Verlassen der Kirche sowie für den Ablauf des Gottesdienstes. Über die „10 Corona-Regeln“ sowie Sitzordnung und Bewegungsplan informiert die Kirchengemeinde im Internet.

Landeskirche fordert sorgfältige Prüfung

In einer Rundverfügung an die Dekanate rät die Landeskirche Kurhessen-Waldeck zu einer sorgfältigen Prüfung. Es bestehe keine Verpflichtung zur Wiederaufnahme der Gottesdienste. Besucher, Pfarrerinnen und Pfarrer und die ehrenamtlichen Mitarbeiter müssten größtmöglichen Schutz vor einer Ansteckung mit Covid-19 erhalten.

In der Kirche dürfe niemand mit der Atemwegserkrankung, die durch das Coronavirus Sars 2 verursacht wird, infiziert werden. Die seit dem Lockdown sehr erfolgreich etablierten medialen Angebote könnten weiterhin bestehen bleiben. 

Begrenzte Teilnehmerzahl bei Gottesdiensten

Damit wolle man auch die Menschen nicht zurücklassen, die Gottesdienste noch nicht wieder besuchen können oder wollen. In Maintal, so Pfarrer Heller, werden am 10. Mai voraussichtlich in allen Gemeinden „analoge Gottesdienste“ gefeiert. In Bischofsheim findet am 8. Mai wieder die Orgelmusik zur Marktzeit statt; diese unterliegt den gleichen Bedingungen wie ein Gottesdienst.

Für Gottesdienste gelten ebenfalls Vorschriften zur Hygiene und zur Begrenzung der Teilnehmerzahl. Hierfür sind in den Kirchengemeinden umfangreiche Vorbereitungen zu treffen. Der Kirchenvorstand der Evangelischen Stadtkirchengemeinde werde – nach eingehender Beratung – den Empfehlungen der Landeskirche folgen und sich Zeit lassen, mit dem Vollzug von Gottesdiensten zu beginnen, so Pfarrerin Heike Mause, Vorsitzende des KV der Stadtkirchengemeinde, auf unsere Anfrage.

Die Kirche werde weiterhin in verschiedenen Aktionen, diakonischen Hilfsangeboten oder auch Angeboten im Internet präsent sein. Die Stadtkirchengemeinde werde genau prüfen, wie sich die verschiedenen Vorgaben, Vorschriften und derzeitigen Bedingungen in unseren Kirchräumen für Gottesdienste und Andachten umsetzen lassen.

Gottesdienst unter freiem Himmel geplant

Insgesamt möchte der Kirchenvorstand behutsam, angemessen und vor allen Dingen verantwortungsvoll mit der Öffnung der Kirchen in Zeiten der Corona-Pandemie umgehen. Der KV hat deshalb beschlossen, an Pfingsten 2020 wieder Gottesdienst(e) zu feiern, sofern die hygienischen Bedingungen vor Ort gut geregelt und umgesetzt sind.

„An Himmelfahrt freuen wir uns, sofern dies nach hygienischen Bedingungen möglich ist, mit der Friedenskirche in Kesselstadt zu kooperieren und nach Möglichkeit gemeinsam unter freiem Himmel Gottesdienst zu feiern. Näheres wird im Einzelnen noch bekannt gegeben. Änderungen behalten wir uns vor“, so Pfarrerin Mause.

Keine regelmäßigen Gottesdienste vor dem 1. August

Auch Pfarrer Dr. Merten Rabenau kann sich unter bestimmten Voraussetzungen einen gemeinsamen Gottesdienst in der Friedenskirche oder im Freien, auf dem Kirchplatz vorstellen. Zurzeit, so Rabenau, würde Termine vor Ort koordinieren, um zu bewerten, wie das Sicherheitskonzept umzusetzen sei. Eventuell könne man die Küche in der Friedenskirche als Durchgangsraum zur Handdesinfektion nutzen. Vor dem 1. August werden vermutlich keine regelmäßigen Gottesdienste stattfinden.

Doch die neuen Regelungen betreffen nicht nur die äußeren Rahmenbedingungen, sondern auch Ablauf und Inhalte der Gottesdienste. Das Wechselspiel der Lobpreisungen, das gemeinsame Singen werden nicht mehr stattfinden, so Rabenau, weshalb man über kürzere Formen für Gottesdienste nachdenken müsse. In Abstimmung mit den Eltern sei die Konfirmation auf frühestens Oktober verschoben, eventuell auf das nächste Jahr. Problematisch ist die Wiederaufnahme der Gottesdienste vor allem in den Kirchengemeinden mit kleinen Gotteshäusern.

Wegen Abstandsregel: 25 statt 150 Besucher

In Roßdorf hat der Kirchenvorstand bereits die Räumlichkeiten vermessen und festgestellt, dass höchstens 20 bis 25 Besucher einem Gottesdienst beiwohnen können, wenn man die geltende Abstandsregeln berücksichtigt. Normalerweise finden in der Michaelskirche maximal 150 Besucher Platz. „Wenn es das Wetter zulässt, wollen wir deshalb unter freiem Himmel unsere Gottesdienste abhalten“, teilte der Kirchenvorstand mit. Erste Gottesdienete sollen in Roßdorf am Himmelfahrtstag und am Pfingstsonntag wieder stattfinden. In Ostheim ist die Ausgangspositiuon ähnlich „Wir haben unsere Kirche mit dem Zollstock vermessen und Platz für etwa 24 Personen“, sagte Pfarrer Dr. Lukas Ohly. Praktisch ließe sich ein Gottesdienst organisieren, dennoch werde er es sehr besonnen angehen.

Ein Gottesdienst ohne Gesang, in dem der Pfarrer alles macht, sei nicht protestantisch. Er plädiere für eine Standortbestimmung, werde aber ergebnisoffen in die Gespräche mit dem KV gehen. Aus einer Umfrage per Telefon würden zwei Tendenzen deutlich: Viele Gemeindemitglieder vermissten die Gottesdienste, andere wagten noch nicht zu kommen. Eine kaum zumutbare Situation sei aufgrund der Hygienevorschriften für Trauernde und Trauerfeiern entstanden. Dennoch, so Pfarrer Ohly, halte er die Regelungen durch die Landeskirche für richtig, man habe da schließlich keinen großen Spielraum.

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