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150 Tonnen Hilfsgüter aus Bruchköbel

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Von: Holger Weber-Stoppacher

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Alles wurde genau sortiert: Nicht nur aus Bruchköbel kamen die Menschen, sondern aus der ganzen Region
Alles wurde genau sortiert: Nicht nur aus Bruchköbel kamen die Menschen, sondern aus der ganzen Region © Mike Bender

Bruchköbel – Das Paket ist als Baby- und Kindernahrung ausgezeichnet. Auf dem Karton ist eine Friedenstaube aufgeklebt und daneben steht zu lesen: „Unsere Gedanken und Gebete sind bei Euch.“ Oliver Blum, Bruchköbels Erster Stadtrat, hat die Botschaft auf dem Paket so berührt, dass er ein Foto davon gemacht hat, bevor es auf den Lkw verladen wurde. Blum hat sich als einer von rund 40 Helfern an diesem Morgen eingereiht, um die Hilfspakete auf dem Hof der Spedition Maintaler in Empfang zu nehmen, zu sortieren und zu verladen.

„Die Anteilnahme der Menschen ist überwältigend“, sagt er.

Markus Grenzer, der Chef der Spedition Maintaler, meint: „Die Reaktion der Menschen übertrifft alle unsere Erwartungen.“ Erst zwei Tage zuvor hatte das Unternehmen angekündigt, einen Hilfskonvoi für die vom Krieg betroffenen Ukrainer auf die Beine zu stellen und um Spenden gebeten (wir berichteten ausführlich)

Bis zum Mittag 300 Fahrzeuge

Bis zum Mittag hat Grenzer rund 300 Fahrzeuge gezählt. Der Andrang ist so groß gewesen, dass die Bruchköbeler Stadtpolizei kurzfristig eine Einbahnstraßenregelung eingeführt hat, damit der Verkehr im Industriegebiet Lohfeld nicht zusammenbricht.

Der Konvoi, der am heutigen Donnerstag auf Reisen geht, umfasst somit zehn Lkw. 150 Tonnen Hilfsgüter für die notleidenden Menschen in der Ukraine. „Mehr geht im Moment nicht“, sagt Grenzer. Durch den Erfolg seines Aufrufs sei er kurzfristig vor logistische Probleme gestellt worden, gibt er zu. Doch nun steht der Konvoi, nachdem sich auch Subunternehmer der Spedition solidarisch gezeigt und sich angeschlossen haben.

Vorwiegend Privatleute, aber auch Kunden der Spedition sind dem Aufruf gefolgt. Darunter auch die Mitarbeiter der Firma Bright, einem Maintaler Unternehmen für Veranstaltungstechnik. Beim Besuch unserer Zeitung sind sie gerade dabei, die Kisten aus dem Bulli zu laden. „Wir haben uns spontan entschieden, da mitzumachen“, sagt Philip Neyses. Am Morgen haben sie einen Supermarkt in Maintal aufgesucht und für 2000 Euro Produkte gekauft, je nach Bedarf sortiert und verpackt. „Viele von uns hatten frei oder waren in Homeoffice“, berichtet Neyses.

Mit Geldspenden wurden Medikamente besorgt

Dadurch, dass die Spender per Flyer vorher genaue Anweisungen erhalten hatten, wie sie ihre Pakete packen und kennzeichnen müssen, soll den Helfern vor Ort die Arbeit vereinfacht werden. Auch Geldspenden sind eingegangen. Davon wurden dann in Hanau vor allem Medikamente und Verbandsmaterial gekauft.

„Im Unternehmen packen alle mit an“, sagt Markus Grenzer. Einige sind sogar gekommen, obwohl sie Urlaub haben. Heute Abend wird sich der Chef auch selbst hinter das Steuer setzen und den Konvoi anführen. 1230 Kilometer sind es bis zum Zielort an der Grenze, der mit der Hilfsorganisation vereinbart worden ist. Die Kosten für den Transport bleiben zunächst an der Spedition hängen. Rund 700 Liter Sprit verbraucht ein Lkw für die Hin- und Rückfahrt. „Vielleicht finden sich da im Nachhinein noch ein paar Unterstützer“, hofft Grenzer.

Koordiniert wird die Hilfsaktion von der Organisation „Freunde helfen! Konvoi! gGmbH“ mit Sitz in St. Wendel. Die gemeinnützige Gesellschaft nutzt laut ihrem Geschäftsführer Florian Hell das Netzwerk, das sie sich für den Transport von medizinischem Material in die Ukraine in den vergangenen Jahren aufgebaut hat. Allein 2021 und 2022 habe man etwa 190 Tonnen in die Ukraine gebracht, denn die medizinische Versorgung sei auch vor dem Überfall der Russen bereits schlecht gewesen. „Wir stehen mit unseren Freunden vor Ort in engem Austausch“, so Hell. Dabei handele es sich vor allem um Service Clubs wie Round Table, Ladies Circle, Old Tablers und Tangent Club, die auf beiden Seiten der Grenzen agierten. Die Hilfstransporte werden jedoch nicht ins Kriegsgebiet direkt gebracht. „Unsere Freunde haben uns Übergabepunkte nahe der Grenze genannt, wo wir sicher entladen können“, sagt Hell.

Pfaffenbach: „Polen machen das gut“

Dass die Hilfe an der polnisch-ukrainischen Grenze in großen Mengen ankommt, bestätigt auch der Hanauer Reuters-Fotograf Kai Pfaffenbach, der seit einigen Tagen vor Ort ist. „Die Polen machen das gut, versorgen alle, auch die Logistik ist fix, die Leute müssen kaum warten“, berichtet er. Für die Flüchtlinge gebe es zudem enorm viele Möglichkeiten des Weitertransports, quasi nach ganz Europa, so Pfaffenbach. (Von Holger Weber)

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