Ganz besondere Tour

Abenteuer mit dem rotem Roller: Michael Schreier fährt von Bruchköbel nach Venedig

Bereit zur Abfahrt: Michael Schreier kurz vor dem Aufbruch gen Venedig.
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Bereit zur Abfahrt: Michael Schreier kurz vor dem Aufbruch gen Venedig.

Mit dem Auto kann jeder nach Italien fahren. Das hat sich Michael Schreier gedacht und seinen roten Roller aus der Garage geholt. Honda. Modell Bali. 100 Kubikzentimeter. Höchstgeschwindigkeit: 82 km/h. Mit dem guten Stück ist er gerade unterwegs. Ziel: Venedig. Der 61-Jährige erfüllt sich mit dieser Tour einen Traum, den er schon viele Jahre hat.

Bruchköbel/Venedig – „Eigentlich seitdem mein Schwiegervater davon erzählt hat, wie er als junger Mann mit dem Moped nach Marseille gefahren ist“, sagt Michael Schreier am Telefon und lacht. Für ihn war klar, dass es auch ans Mittelmeer gehen soll, aber eben nicht nach Marseille, sondern nach Venedig. Ganze sieben Jahre lang hat er die Tour geplant. „Es kam immer wieder irgendetwas dazwischen. Krankheit, Familiensachen, Vereinsarbeit, Politik“, erzählt der ehemalige SPD-Stadtverordnete und Vorsitzende des Schützenvereins Falke in Niederissigheim. „Jetzt hat’s endlich geklappt.“

Mit dem 8-PS-Roller von Bruchköbel nach Venedig

Wir erreichen Michael Schreier am Dienstagmorgen in Südtirol. Hier hat er übernachtet nach einem anstrengenden Tag mit Brenner-Überquerung. Gleich geht’s weiter auf der 8-PS-Maschine. Wenn alles gut läuft, kommt er bis zum Abend am Lido, den vor Venedig gelegenen Inseln, an. Hier ist ein Stopp geplant. Stadtrundgang inklusive. „Mindestens ein Tag“, sagt der Abenteurer, „weil der Hintern langsam brennt.“

Bevor es losgehen konnte, hat Schreier den Roller in die Motorradwerkstatt seines Freundes Markus Schräwer gebracht. Komme ich damit über die Alpen, wollte er wissen? Nach einem kurzen Check gab Schräwer sein Okay.

Bruchköbeler legt am ersten Tag 400 Kilometer zurück

Am Sonntag ist Schreier, der mit seinem Roller bis vor drei Jahren in die Arbeit nach Frankfurt gedüst ist und immer mal wieder Ausflüge Richtung Rhön und Spessart gemacht hat, von Bruchköbel aus gestartet. Zelt und Schlafsack hat der Frührentner dabei. Und einen Rucksack mit Wechselkleidung, Zahnbürste & Co. Und natürlich gute Laune und Durchhaltevermögen.

Am ersten Tag hat er 400 Kilometer geschafft. Alles Landstraße. Nach einer Übernachtung beim Onkel in München ging es weiter übers Voralpenland und den Brenner-Pass. Am zweiten Tag standen weitere 300 Kilometer auf dem Tacho. Immer abends meldet er sich bei seiner Frau Carmen und seinen beiden Söhnen. Freunde und Bekannte hält er via WhatsApp auf dem Laufenden.

An der Europa-Brücke am Brenner-Pass hat Michael Schreier seinem roten Flitzer und sich mal eine Pause gegönnt.

„Bis Venedig sind es noch 250 Kilometer. Wenn nichts dazwischen kommt, dürfte ich das heute schaffen“, zeigt sich der 61-Jährige am Dienstagmorgen am Telefon optimistisch. Nach den Alpen kommt nur noch Flachland. „Da kann ich mich bis Venedig rollen lassen.“ Das Wetter sei bisher super, die Menschen freundlich, und beim Landstraße fahren sehe man einfach viel mehr.

Abenteurer muss auf gutes Wetter hoffen

Zurückgehen soll’s über Meran, aber nur bei trockenem Wetter. Wenn es regnet, will Schreier seinen Roller lieber stehenlassen – zu rutschig und damit zu gefährlich sei es mit den schmalen Reifen. „Sonst muss ich halt doch noch Zelt und Schlafsack benutzen“, sagt er. Läuft alles nach Plan, hofft der 61-Jährige Anfang kommender Woche zurück nach Bruchköbel. Hier werden sie ihm sicher einen großen Bahnhof bereiten.

Das nächste Abenteuer, Schreier nennt es „seinen allergrößten Traum“, hat er übrigens schon in Planung: Mit einem Floß oder Kanu vom Krebsbach in Bruchköbel über Kinzig und Main zur Nordsee. „Vielleicht klappt das ja auch noch.“

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