Um das Risiko einer Ansteckung mit Corona zu verringern

Änderungsschneiderei verschenkt selbstgenähte Masken in Bruchköbel - Viele weitere Nähaktionen in der Region

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Fleißig an der Maschine: Dimitrios Aberiadis näht in seiner Änderungsschneiderei in Bruchköbel Schutzmasken, die er anschließend verschenkt.

 „Wir ändern alles“, steht an den Fenstern der Änderungsschneiderei Aberiadis in Bruchköbel. Das Motto gilt auch in der Corona-Krise. Denn obwohl das Geschäft von Dimitrios Aberiadis und seiner Frau Sotiria  vorerst schließen musste, stehen die Nähmaschinen der beiden derzeit nicht still.

Seit knapp einer Woche näht das Paar hier wiederverwendbaren Mundschutz, den sie an Bruchköbeler verschenken möchten. Damit wollen sie einen Beitrag dazu leisten, dass sich die Ansteckungsrate mit dem Coronavirus weiter verlangsamt: „Da nicht jeder sicher sein kann, ob er die Infektion schon in sich trägt, wird eine mögliche Infektion durch das Tragen der Masken zumindest nicht an andere weitergegeben“, heißt es in dem Facebook-Post, mit dem die Familie Aberiadis ihre Hilfsaktion ankündigt.

Die Idee dazu hatte der gemeinsame Sohn der Inhaber, Stavros: „Ich hab in den Nachrichten überall auf der Welt viele Menschen gesehen, die Mundschutz tragen, nur hier bei uns in Deutschland nicht. Da dachte ich, vielleicht könnte man doch einen Beitrag dazu leisten, das Infektionsrisiko zu senken.“

Professionelle Mundschutze sind Mangelware - Privatpersonen nähen selbst

Der Mundschutz ist derzeit weltweit stark gefragt. Vor allem niedergelassenen Ärzten und Pflegekräften mangelt es an Schutzausrüstung. Daher formieren sich derzeit bundesweit wie auch im Main-Kinzig-Kreis zahlreiche Initiativen, die den Behelfs-Mundschutz für unterschiedliche Personengruppen nähen. Da der professionelle Mundschutz derzeit größtenteils ausverkauft und im Internet teils nur zu horrenden Preisen zu erwerben ist, schlug auch Stavros seinen Eltern vor, einen einfachen Mundschutz selbst zu nähen

 „Auch wenn unsere Masken nicht zertifiziert sind und nicht hundertprozentig vor Krankheiten schützen, dachte ich mir, ein Mundschutz ist besser als kein Mundschutz.“ Mittags erzählte er seinen Eltern von der Idee und noch am gleichen Tag begannen sie mit der Produktion: „Meine Eltern waren zunächst skeptisch, aber der Gedanke ließ sie nicht los. Daher bin ich am vorvergangenen Sonntag mit meinem Vater in die Schneiderei gefahren und er hat einfach mal ausprobiert, wie das funktionieren könnte“, erzählt Stavros. „Kaum hatte er die erste Maske fertig, war er Feuer und Flamme.“

Masken garantieren keinen Schutz, verringern aber das Risiko

Seitdem nähen Dimitrios und Sotiria beinahe täglich: Am Freitagnachmittag hatten sie bereits 200 Masken hergestellt. Am Freitag hatte auch der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhard, die Bevölkerung dazu aufgerufen, im öffentlichen Raum einen einfachen Mundschutz zu tragen.

Trotz angeordneter Ladenschließung näht der 74-jährige Inhaber Mundschutze zum Verschenken

„Diese Masken garantieren keinen Schutz vor Ansteckung“, sagte er gegenüber der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. „Aber sie können ein wenig helfen, das Risiko zu verringern, andere anzustecken oder selbst angesteckt zu werden." Dabei geht es vor allem darum, die Ansteckungsgefahr über die Tröpfcheninfektion zu verringern. Auch wenn die infizierte Person keine Symptome aufweise.

Weltgesundheitsorganisation warnt vor falschem Sicherheitsgefühl

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt allerdings davor, dass durch das Tragen von Nase-Mund-Schutzmasken ein falsches Sicherheitsgefühl entstehen könnte. Die angeratenen Hygienemaßnahmen wie gründliches Händewaschen, eine Husten- und Niesetikette sowie ausreichend Abstand zu anderen sollten weiterhin eingehalten werden.

Bei der Änderungsschneiderei Aberiadis ist die Produktion und Verteilung zu einem Projekt für die ganze Familie geworden: „Meine Eltern nähen den Mundschutz, ich hole ihn dann ab und nehme bei Facebook mit meiner Freundin nach Feierabend die Anfragen entgegen“, sagt Stavros. „Bei uns zu Hause verpacken wir den Mundschutz dann für die jeweiligen Haushalte und mein 15-jähriger Sohn fährt sie mit einem Kumpel in Bruchköbel aus.“

Masken werden verschenkt, Spenden sind willkommen

Das alles bieten sie kostenlos an. „Wir werden die Masken grundsätzlich verschenken. Wer möchte, kann aber einen kleinen Obolus nach Erhalt spenden, damit wir die Unkosten einigermaßen decken und den Ausfall des Ladengeschäftes ein Stück weit kompensieren können“, sagt Stavros. Dabei achten sie darauf, dass sowohl die Spendenübergabe als auch die Auslieferung ohne direkten Kontakt erfolgen.

Weit über 200 Masken hat die Familie bereits genäht.

Die Hilfsbereitschaft der Familie hat bereits über die Stadtgrenzen hinaus große Wellen geschlagen. „Die Resonanz ist gigantisch. Innerhalb von 24 Stunden hatten wir 500 Bestellungen und sogar Firmen fragen uns an“, sagt Stavros. Aus Limeshain, Wittenberg, Hanau und Schöneck seien Anfragen gekommen. „Das ist aber alles viel zu viel. Das könnten wir nicht leisten. Daher beschränken wir uns auf alle Stadtteile von Bruchköbel, Mittelbuchen und Erlensee.“ 

So können Sie Mundschutze bestellen

Wer einen Behelfs-Mundschutz der Familie Aberiadis erhalten möchte, kann diesen auf der Facebook-Seite der Änderungsschneiderei über eine private Nachricht an Stavros Aberiadis bestellen. Dabei sollten die Kunden Name, Adresse und gewünschte Stückzahl angeben. Die Familie bittet darum, nur die wirklich benötigte Menge an Masken zu bestellen, damit möglichst viele Menschen von dem Angebot profitieren können. Um ein Infektionsrisiko zu vermeiden, bleibt der Laden weiterhin geschlossen.

In Hanau wurde die Öffentlichkeit vom Oberbürgermeister dazu aufgerufen, Schutzmasken zu tragen. In Nidderau nähen die Windecker Landfrauen und die Flüchtlingshilfe ebenfalls eigene Schutzmasken.

Quelle: Hanauer Anzeiger

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