Kommunikation

Amateurfunker in Bruchköbel haben Kontakte in die ganze Welt

Mit seinem Funkgerät nimmt Michael Jedlitschka, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Amateurfunk Bruchköbel, Kontakt zu Menschen in der ganzen Welt auf. Sogar mit dem spanischen König hat er bereits gesprochen.
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Mit seinem Funkgerät nimmt Michael Jedlitschka, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Amateurfunk Bruchköbel, Kontakt zu Menschen in der ganzen Welt auf. Sogar mit dem spanischen König hat er bereits gesprochen.

Wenn Michael Jedlitschka sich an den Schreibtisch setzt und seinen Sendeempfänger anschaltet, begibt er sich per Funk auf eine Weltreise: Neuseeland, Kolumbien, St. Helena (die einsame Insel, auf die Napoleon Bonaparte verbannt wurde) oder sogar eine antarktische Polarstation. Der Funkamateur aus Bruchköbel hat dank seines Hobbys bereits all diese weit entfernten Orte „besucht“ und Gespräche mit Menschen jeglicher Nationen und Kulturen geführt.

Bruchköbel – Mittels Amateurfunk konnte Jedlitschka, der zudem der Vorsitzende der Interessengemeinschaft Amateurfunk (IGA) Bruchköbel ist, beispielsweise auch mit Juan Carlos I., dem ehemaligen König Spaniens, Kontakt aufnehmen. Der Bruchköbeler gab zwar nur eine kurze Empfangsbestätigung durch, da in einem solchen Augenblick hundert andere Funkamateure schon auf die Möglichkeit einer königlichen „Funk-Audienz“ warten, und doch ist dies eines der Erlebnisse, die ihm noch lange in Erinnerung bleiben werden.

Die Chance zur Kommunikation über sämtliche Ländergrenzen hinweg ist auch heute, zu Zeiten der Digitalisierung, nicht selbstverständlich. Der Amateurfunk schafft es, Menschen aus der ganzen Welt, ganz gleich wo sie sich gerade befinden, miteinander zu verbinden. Einsteigern soll es nun auch durch einen Lizenzkurs der Klasse E der IGA Bruchköbel ermöglicht werden, sich auszutauschen.

Bereits im Kindesalter interessierte sich Jedlitschka für Technik und entdeckte aus diesem Grund im Jahre 1976 den Amateurfunk für sich. Im darauffolgenden Jahr absolvierte er die Lizenzprüfung und durfte sich von diesem Moment an offiziell „Funkamateur“ nennen. 1977 war ein Telegrafie-Test noch Teil dieser Prüfung, bei dem man seine Fähigkeiten im Morsen unter Beweis stellen musste, dies ist heute nicht mehr nötig.

Auch Priscilla Presley und Friedrich Merz funken

Ende 2020 wurden in Deutschland laut Bundesnetzagentur 62 711 Amateurfunkzulassungen erteilt. Weltweit üben knapp drei Millionen Menschen dieses Hobby aus. In Bruchköbel gibt es derzeit 24 Funkamateure mit Lizenz, eine relativ hohe Zahl, gemessen an den Einwohnern des Ortes. „Der Amateurfunk galt eine Zeit lang als ‘alte Männer-Hobb’’, das stimmt aber nicht. Die Zahlen sagen, dass sich auch immer mehr junge Leute für das Funken interessieren“, erzählt Jedlitschka. Auch Frauen sind beim Amateurfunk vertreten, als ein prominentes Beispiel nennt er an dieser Stelle Priscilla Presley, die mit Elvis Presley verheiratet war. Sie ist auch heute noch aktiv „auf Sendung“. Weitere Promis, die sich dem Amateurfunk verschrieben haben, sind zum Beispiel der amerikanische Schauspieler Tim Allen („Hör mal wer da hämmert“) sowie der Jurist und Politiker Friedrich Merz, um nur zwei zu nennen.

Mit Menschen in Kontakt zu treten, völlig unabhängig von dem Land, in dem sie leben, welcher Kultur sie angehören oder welchen Beruf sie ausüben, macht dieses Hobby für seine Anhänger so reizvoll. Zur Bestätigung einer Funkverbindung werden häufig sogenannte „QSL-Karten“ versendet. Sie dienen, ähnlich wie klassische Postkarten, als Erinnerungsstücke und zeigen, woher die Person kommt, zu der man Funkkontakt aufgebaut hat und wie ihr individuelles Rufzeichen lautet. Häufig ist darauf ein Foto des Funkamateurs zu sehen, manchmal auch die Flagge oder Landschaft seines Heimatlandes. Auf einer QSL-Karte, die Jedlitschka zugeschickt wurde, hat ein Japaner sogar seinen geliebten Hund verewigt.

Funkkontakte auf alle sieben Kontinente

Der leidenschaftliche Funkamateur aus Bruchköbel berichtet davon, dass er im letzten Jahr ganze 5000 QSL-Karten von verschiedensten Funkkontakten erhalten hat. Darunter waren beispielsweise Erinnerungsstücke aus Südamerika, Australien und von den Malediven. Seine persönliche QSL-Karte hat er von einem befreundeten Künstler aus Amerika liebevoll zeichnen lassen. Darauf zu sehen ist er mit markanter Brille vor seiner Funkausstattung, auf dem Schreibtisch steht ein Bild seiner Frau.

Im Raum neben seinem Funkzimmer hängen Urkunden, die Jedlitschka unter anderem dafür bekommen hat, dass er per Funk mit Menschen aus 500 US-Countys in Kontakt getreten ist oder zum Beispiel alle sieben Kontinente erreicht hat. Er hat sein Hobby zwar über zehn Jahre, in denen er in Berlin wohnte, nicht ausgeübt, fand aber wieder zurück zu seiner Leidenschaft. „So geht es ganz vielen Funkamateuren, die sich in jungen Jahren diesem Hobby verschrieben haben. Sie entdecken ihr Interesse und den Spaß am Amateurfunk nach einer längeren Pause wieder neu und finden zurück.“

Schon einfache Ausrüstung bietet viele Möglichkeiten

Um Kommunikation mit Menschen in entfernten Ländern zu ermöglichen, brauche es laut Jedlitschka keine hoch komplizierte technische Ausstattung, auch mit kleinen Antennen seien diese Erlebnisse möglich: „Mittlerweile gibt es viele Bausätze, mit denen man ohne viel Aufwand seine eigene Ausstattung fertigen kann und so dann schon die Chance auf regen Funkkontakt bekommt.“ Ebenso nutzen viele Funkamateure noch einen weiteren Weg, um Verbindungen aufzubauen. Sie fahren beispielsweise mit dem Fahrrad in die Natur, stellen auf einer Erhöhung eine Antenne auf und können auf diese Weise die gewünschten Frequenzen empfangen. Im Katastrophenfall konnten dank Funkamateuren beispielsweise schon Medikamentenlieferungen geordert werden, wo andere Kommunikationsmittel versagten, da die Funkverbindung unabhängig von Telefonnetz und Internet funktioniert.

Seine ganz persönliche Notfunk-Erfahrung hatte Michael Jedlitschka 1977, als er auf einer Landstraße unterwegs war und mitbekam, wie ein Auto zu schnell um eine Kurve fuhr und von der Straße abkam. „Damals gab es ja noch keine Handys und auf der Landstraße natürlich auch kein Telefon weit und breit. Ich hatte meinen Funkkoffer dabei und konnte einen anderen Funkamateur erreichen, der dann den Rettungsdienst und die Polizei alarmiert hat.“ Die Verunfallten hatten Glück im Unglück, sie trugen nur einige Schürfwunden davon.

Neue Relaisfunkstelle soll zusätzliche Reichweiten ermöglichen

Dank der neuen Relaisfunkstelle, die noch einen Standort in Bruchköbel oder Umgebung sucht, kann man sogar per Handfunkgerät mit Menschen, die sich am anderen Ende der Welt befinden, ins Gespräch kommen. „Man kann über das neue Relais theoretisch beim Einkaufen mit Tim Allen oder Alexander Gerst, der ebenfalls Funkamateur ist, plaudern“, so Jedlitschka. Bei genügend Interessenten soll im Herbst 2021 der Lizenzkurs stattfinden, für den keine Vorkenntnisse nötig sind.

Weitere Informationen zum Relais findet man im Internet unter www.db0brk.de. Die persönliche Website von Michael Jedlitschka ist unter der Adresse www.DK5SV.de zu finden. (Paula Schäfer)

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