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In Butterstadt auf der Zielgeraden

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Von: Holger Weber-Stoppacher

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Ein Areal von zehn Hektar steht zur Expansion zur Verfügung: In fünf Jahren soll der Umzug bewältigt sein, sagt Lukas Odenwäller.
Ein Areal von zehn Hektar steht zur Expansion zur Verfügung: In fünf Jahren soll der Umzug bewältigt sein, sagt Lukas Odenwäller. © Holger Weber
Die beiden Baugebiete, die auf dem Betriebsgelände entstehen werden: Sie sind jetzt kleiner als ursprünglich geplant.
Die beiden Baugebiete, die auf dem Betriebsgelände entstehen werden: Sie sind jetzt kleiner als ursprünglich geplant. © PM

Bruchköbel – Lukas Odenwäller sieht sich auf der Zielgerade, wenn gleich die Linie noch ein gutes Stück entfernt ist. In fünf Jahren, so glaubt der Unternehmer, wird die Aussiedlung des familieneigenen Gartenbaubetriebs in Butterstadt endgültig Realität sein – nach vielen Jahren der Ungewissheit und nach einigen Rückschlägen, die nicht nur Nerven, sondern dem Unternehmen auch viel Geld gekostet haben.

Heute Abend wird er das Projekt der Familie im Bauausschuss der Stadt Bruchköbel präsentieren und in dem Plenum zweifellos auf großes Wohlwollen stoßen, denn auch die Bruchköbeler Politik hat ein Interesse daran, dass es in Butterstadt nun geordnete Verhältnisse gibt. Und neuen Wohnraum für rund 170 Menschen in zwei Baugebieten, die auf dem Betriebsgelände der Firma Odenwäller entstehen sollen. Das wäre nahezu eine Verdopplung der Einwohnerzahl in Bruchköbels kleinstem Stadtteil.

Umsiedlung auch ein Aspekt der Sicherheit

Bei der Führung über das Betriebsgelände in Butterstadt trägt der Geschäftsführer eine neongelbe Jacke. Das ist auch eine Frage der Sicherheit, denn in den schmalen Wegen des Materiallagers ist an diesem Morgen einiges los. Bagger, Lieferwagen, Gabelstapler sind dort unterwegs. Da kann es nicht schaden, wenn ein Fußgänger sichtbar ist. Und in der Tat habe die Aussiedlung des Unternehmens auch einen Sicherheitsaspekt, sagt Lukas Odenwäller. Denn wenn morgens die Flotte von Sprintern und Lkw zu den Baustellen ausschwärmt – insgesamt ist der Fuhrpark rund 100 Fahrzeuge groß – kann es auf den Wegen schon mal ganz schön eng und unübersichtlich werden.

Seit der Gründung des Betriebs durch Michael Odenwäller im Jahr 1980 ist die Firma rasant gewachsen und heute mit rund 160 Mitarbeitern, davon 150 am Stammsitz in Butterstadt, einer der größten Arbeitgeber der Stadt. Jeden Morgen schwärmen die Mitarbeiter ins gesamte Rhein-Main-Gebiet und auch über die Landesgrenze nach Bayern aus. „Wir sind etwa in einem Radius von 60 Kilometern unterwegs“, sagt Lukas Odenwäller. Und weil der Garten- und Landschaftsbau ein Wachstumsmarkt ist, will auch Odenwäller mit dem Unternehmen weiter wachsen. Deshalb sei die Expansion alternativlos, meint er. Man habe in den vergangenen Jahren eine Reihe von Angeboten von Kommunen bekommen, die dem Betrieb ausreichend Entwicklungsfläche geben wollten. Doch für die Odenwällers kam dies nicht infrage. „Wir sind hier in Butterstadt verwurzelt.“ Und wenn Lukas Odenwäller sagt „wir“, dann meint er neben seinen Eltern auch die Geschwister Thekla Odenwäller-Brune, die mit ihm gemeinsam in der Geschäftsführung tätig ist, sowie seinen Bruder Philipp, der ebenfalls im Betrieb arbeitet. Alle leben sie mit ihren Familien im Ort. Für die Odenwällers ist Butterstadt deshalb nicht nur der Firmensitz, es ist vor allem ein Familiensitz. Lukas Odenwäller kennt jeden im Ort und zu jedem Haus eine Geschichte. „Schon weil wir selbst hier leben, dürfen sich alle sicher sein, dass wir für den Ort nur das Beste wollen“, sagt er

Zukunft auf der Bergkuppe Richtung Hammersbach

Oben auf der Bergkuppe Richtung Hammersbach liegt die Zukunft des Unternehmens. Auf zehn Hektar Land breitet sich das künftige Firmengelände aus, einige Hallen stehen schon. Auch hier wird Material gelagert. Es türmen sich Berge mit aufbereitetem hochwertigen Boden auf. Irgendwann sollen hier auch ein neues Bürogebäude, eine neue Werkstatt sowie neue Lagerflächen entstehen.

Der Weg dahin hat sich für die Odenwällers bisher jedoch als holprig erwiesen. Die Aussiedlung hätte schon vollzogen sein können. Doch nachdem der erste Bebauungsplan für die Baugebiete Ost und West fertiggestellt war, sprang einer der beteiligten Eigentümer der Flächen ab. Der ganze Planungsprozess musste noch einmal von vorne beginnen. „Das hat uns einen sechsstelligen Betrag gekostet“, sagt Odenwäller. Doch wer meint, dass da Groll in seiner Stimme mitschwingt, der täuscht sich. „Was würde das ändern?“ Für Streitigkeiten ist ein Ort wie Butterstadt einfach zu klein. Die Odenwällers haben es hingenommen und neu geplant. Jetzt dürfte dem Vorhaben nichts mehr im Wege stehen, denn die Familie ist im Eigentum aller notwendigen Flächen. Einerseits bedeute die Verkleinerung des Geltungsbereichs, dass so Entwicklungsmöglichkeiten und neue Bauplätze wegfielen, sagt Lukas Odenwäller. Andererseits werde sich Butterstadt dadurch deutlich weniger stark vergrößern als ursprünglich geplant. Vielleicht nimmt Letzteres auch einigen im Ort die Angst vor zu viel Veränderung. Die Verzögerung des ganzen Bauvorhabens hat nach Ansicht des Geschäftsführers auch einen Vorteil gehabt. Angesichts zunehmender Diskussionen um Klimawandel und energieeffizientes Bauen sind die Pläne um eine wichtige Komponente erweitert worden. Die künftigen knapp 30 neuen Häuser werden alle CO2-neutral beheizt werden. Dafür baut die Firma auf einem Feld eine Hackschnitzelheizung. So wird der Wärmebedarf in den Neubaugebieten über ein Nahwärmenetz gedeckt. Die Anlage soll umpflanzt und somit als Biotop zahlreichen Tieren und Vögeln eine Heimat geben.

Wohnungen für die Mitarbeiter

Und auch für die bestehenden Büros im Ortszentrum hat Odenwäller einen Plan. Weil es sich dabei um Wohnungen handelt, die wegen stetig steigendem Platzbedarf umgewidmet worden waren, sei auch schon klar, was aus den Räumlichkeiten wird, wenn das Betriebsgelände komplett auf den Berg umgezogen ist: „Wohnungen“, sagt Lukas Odenwäller. Der Bedarf ist groß. Allein für die eigenen Mitarbeiter. (Von Holger Weber)

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