„Frausein“

Autorin aus Bruchköbel schreibt Buch über Frauen - Erlös wird gespendet

Autorin aus Bruchköbel präsentiert Buch
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Im selbst verlegten Buch von Uschi Wagner geht es um Gleichberechtigung, die nach Wagners Ansicht zunehmend in Schieflage gerät.

Bruchköbel – Uschi Wagner aus Bruchköbel hat im Herbst letzten Jahres ihr Erstlingswerk „Frausein“ auf den Markt gebracht. Den Erlös für die ersten 200 verkauften Exemplare spendete sie kürzlich dem Frauenhaus in Hanau.

„Ein Buch zu schreiben, war ein jahrzehntelang gehegter Wunsch von mir. Aber es fehlte mir immer an Zeit. Daher sammelte ich erst einmal viele Ideen. Als ich dann 2018 in Rente ging, wollte die viele Freizeit sinnvoll gefüllt werden. Also setzte ich mich hin und begann“, erzählt Uschi Wagner aus Bruchköbel.

Thema für Buch von Bruchköbeler Autorin stand von Beginn an fest

Doch sich „einfach so hinzusetzen“, war ebenfalls ein Reifeprozess, an dessen Ende schließlich ihr Buch mit knapp 200 Seiten herauskam. „Das Thema stand von Anfang an fest: Ich wollte etwas über Frauen schreiben, zumal in dem Jahr auch 100 Jahre Frauenrechte gefeiert wurden. Klar war zudem, wie ich es schreiben würde, den Stil meine ich. Denn Schreiben ist wie Sprechen ohne Unterbrechung. Also schrieb ich auch nicht erzählerisch, sondern ‘straight’, auf den Punkt gebracht“, fährt sie fort.

In Wagners Buch geht es um vier junge Frauen, Mitte 30, die sich noch aus der Schulzeit kennen und beschließen, gemeinsam auf eine Reise zu gehen. „Wie sie sich entwickelt haben, wie sie ausgebildet wurden und wie sie vom Elternhaus und schließlich auch von ihren Partnern geprägt wurden und werden, beschreibe ich im ersten Teil des Buches“, fährt die Autorin fort.

Bruchköbel: Zweiter Teil von Buch behandelt Frauenbewegung

„Der zweite Teil handelt von der Reise, ihren Erlebnissen und ihrem Treffen mit einer älteren Frau, mit der sie ins Gespräch kommen. Hier wird besonders deutlich, dass die Frauen zwar die Errungenschaften der Frauenbewegung gern für sich in Anspruch nehmen, sich aber nach wie vor immer wieder zurücknehmen zum Wohle ihrer Liebsten.“ Erst die kürzlich erschienene Bertelsmann-Studie habe es wieder gezeigt: Kinder bestimmen den Lebensweg: Mütter verdienen fast 70 Prozent weniger als kinderlose Frauen.

In ihrem Buch geht es um Gleichberechtigung, die nach Wagners Ansicht zunehmend in Schieflage gerät. Ihr Buch sei aber keine Schimpftirade, betont sie, wohl aber eine kritische Beleuchtung der gesellschaftlichen Situation. Verarbeitet habe sie eigene Erfahrungen und Beobachtungen. Auch viel Uschi Wagner stecke in den Protagonisten, vor allem in der älteren Frau, aber auch in drei der vier jüngeren Frauen. Exakt diese Reise nach Frankreich habe sie zudem vor vielen Jahren gemacht.

Buch von Autorin aus Bruchköbel komplett in Eigenregie herausgebracht

„Ich habe ‘Frausein’ in Eigenregie herausgebracht. Heißt, ich hatte keinen Verlag und keinen Lektor. Bekannte hatten sich bereit erklärt, die Seiten Korrektur zu lesen. Von ihnen bekam ich sehr gutes Feedback, zum Beispiel, dass ich den Spannungsbogen bis zum Ende durchgehalten habe. Aber es gab auch Kritik. So fand jemand, dass zwischen den zwei Teilen ein großer Bruch sei. Erst der beschauliche Lebensweg der Frauen und dann ‘die Keule’, welche die Lebenswege auseinandernimmt. Aber diesen Bruch habe ich tatsächlich gewollt“, verrät sie.

Daher sei sie in diesem Punkt letztlich „beratungsresistent“ geblieben. Ebenso die Kritik einer Buchhändlerin, die sich zunächst interessiert zeigte und Wagner aufforderte, das Buch auf 250 Seiten zu bringen. „Das wollte ich nicht, ich wollte es nicht künstlich aufblähen. Aus meiner Sicht war alles gesagt.“

Bruchköbel: Autorin schreibt elf Monate lang

Elf Monate saß die Autorin an ihrem Werk, wenn auch mit einigen Unterbrechungen, weil es Zeiten gab, die kein Weiterschreiben erlaubten, zum Beispiel um Weihnachten herum. „Ich bin Autodidaktin“, sagt sie. Allerdings wisse sie durch ihr Studium der Germanistik und durch ihre jahrzehntelange Lehrtätigkeit an einer Schule, wie man einen guten Text schreibe.

So hätte sie für ihre Protagonisten vorab Lebensläufe entwickelt, damit es nicht zu Unstimmigkeiten komme. „Und ich lese selbst sehr viel. Lesen ist meine große Leidenschaft“, verrät sie.

200 Exemplare von Buch erscheinen

Mit 200 Exemplaren ist „Frausein“ erschienen. Davon hat Wagner selbst 100 Exemplare gekauft, um die erste Spende für das Frauenhaus zu generieren. „Über 600 Euro sind so zusammengekommen.“ Weil sie auf ihr Buch viel positive Resonanz erhält, kommen auch private Spenden zugunsten des Hanauer Frauenhauses zusammen. „Von einer Frau erhielt ich eine Mail, in der stand, dass ihr durch mein Buch vieles bewusster geworden sei.

Dass ich ihr Bewusstsein quasi geschärft hätte. So etwas freut mich sehr“, sagt Wagner noch zum Schluss. Ideen für ein zweites Buch sammelt sie bereits. Doch weil es eine Fortsetzung werden soll, muss sie die gesellschaftliche Entwicklung erst einmal weiterverfolgen. „Es wird also noch eine Weile dauern.“

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