1. Startseite
  2. Region
  3. Main-Kinzig-Kreis
  4. Bruchköbel

Autozulieferer eröffnet Europa-Hauptquartier in Bruchköbel

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

2014 erwarb das Unternehmen das Grundstück im Lohfeld, 2015 begannen die Bauarbeiten. Am Freitagabend wurde die Niederlassung nun offziell eröffnet. Foto: Paul
2014 erwarb das Unternehmen das Grundstück im Lohfeld, 2015 begannen die Bauarbeiten. Am Freitagabend wurde die Niederlassung nun offziell eröffnet. Foto: Paul

Bruchköbel. Die Samvardhana Motherson Group, ein weltweit tätiges Unternehmen der Automobilbranche, hat am Freitagabend ihren Hauptsitz für Europa sowie Nord- und Südamerika in Bruchköbel offiziell eröffnet. Von hier aus sollen in Zukunft wichtige strategische Entscheidungen getroffen werden.

Von Holger WeberSeit Juli dieses Jahres steuert das Unternehmen vom Industriegebiet Lohfeld aus einen Großteil der 180 Werke in 26 Ländern. Insgesamt beschäftigt die Gruppe weltweit rund 80 000 Menschen und erzielt einen Jahresumsatz von 7,2 Milliarden US-Dollar.

Bruchköbels Bürgermeister Günter Maibach freute sich in seiner Begrüßungsansprache über einen „großartigen Tag“ für die Stadt. Ein Unternehmen von der Dimension der Samvardhana Motherson Group sei ein Glücksfall für Bruchköbel.Lage, Verkehrsanbindung und Flughafen als wichtige KriterienDie optimale Verkehrsanbindung durch Autobahn und den nahegelegenen Frankfurter Airport seien wichtige Kriterien bei der Standortwahl gewesen, sagte der Head of Chairman’s Office Europe und Americas, Andreas Heuser.

Doch gab es für das indische Unternehmen einen weiteren triftigen Grund, sein Headquarter von Gelnhausen ins Industriegebiet Lohfeld zu verlegen: die Lage des Grundstücks, die dem Global Player erlaubte, das Verwaltungsgebäude und ein nebenliegendes Gästehaus nach der Vastu-Philosophie auszurichten. Die indische Architekturlehre ist vergleichbar mit dem chinesischen Feng Shui (siehe Hintergrund).

Investitionen von zehn Millionen EuroZwei Jahre habe man gebraucht, bis man den richtigen Standort für den Hauptsitz des Unternehmens gefunden hatte, erklärte Management-Mitglied Jens Cordes bei einer Führung, an der neben den Bruchköbeler Stadtverordneten auch Vertreter der heimischen Wirtschaft teilnahmen.

Rund zehn Millionen Euro hat das Unternehmen auf dem etwa 10 000 Quadratmeter großen Areal im Lohfeld investiert. Entstanden ist ein 2200 Quadratmeter großer Verwaltungstrakt auf drei Ebenen sowie ein für 23 Personen ausgelegtes und auf 600 Quadratmeter konzipiertes Gästehaus mit Fitnessstudio und einem großen Küchenbereich. Bei den Gästen handelt es sich um Angehörige des Unternehmens, die zu Schulungen und Tagungen nach Bruchköbel kommen.7,2 Milliarden Dollar Umsatz pro JahrDie Samvardhana Motherson Group wurde 1975 vom indischen Unternehmer Vivek Chaand Seghal und dessen Mutter gegründet, daher auch der Name „Motherson“. Heute rangiert das Unternehmen mit einem Umsatz von 7,2 Milliarden Dollar auf Rang 31 der größten Automobilzulieferer der Welt. In den 180 Werken werden beispielsweise Stoßfänger, Cockpits, Türverkleidungen und Außenspiegel hergestellt.

Unter anderem für die E-Klasse von Mercedes, den A8, A7 und A6 von Audi oder den 911er Porsche. Im Segment der Außenspiegel weist das Unternehmen in Europa nach eigenen Angaben einen Marktanteil von 43 Prozent und weltweit eine Quote von 25 Prozent auf. Nicht umsonst heißt es in einem der Werbevideos der Gruppe sinngemäß: Unsere Marke kennt kaum jemand, unsere Produkte hingegen fast jeder.Rasante EntwicklungDas Unternehmen hat in den vergangenen Jahren laut Heuser mit Wachstumsraten von 40 Prozent pro Jahr eine rasante Entwicklung genommen. Bereits 2020 peilt die Gruppe einen Umsatz von etwa 18 Milliarden US-Dollar an. Das enorme Wachstum liegt vor allem in Zukäufen von insolventen Unternehmen begründet.

Anders als reine Finanzinvestoren habe man die Firmen aber nicht zerschlagen, sondern stabilisiert und erfolgreich auf den Markt zurückgeführt, betonte Heuser. Als Beispiel nannte er den Spiegelhersteller SMR, der 2009 von dem Unternehmen übernommen wurde und dessen Umsatz sich in von seinerzeit 500 Millionen Dollar auf mittlerweile 1,4 Milliarden Dollar verdreifacht habe.Aufsichtsfunktion für Werke in Europa und AmerikaSolche Entscheidungen über Firmenaufkäufe sollen künftig auch in Bruchköbel getroffen werden. Der Hauptsitz wird auch eine Aufsichtsfunktion über die Werke in Europa sowie dem amerikanischen Kontinent haben. „Von hier aus greifen wir ein, wenn sich die Geschäfte nicht zu unseren Gunsten entwickeln sollten“, so Heuser. Ansonsten befindet sich im Lohfeld unter anderem die Rechtsabteilung sowie das Personalmanagement.

Derzeit arbeiten in Bruchköbel 45 Personen, doch will man am Standort weiter wachsen. Die dritte Ebene ist noch nicht fertiggestellt und soll erst bei Bedarf bezogen werden. Im Haus befindet sich sogar ein eigenes Reisebüro, in dem die weltweiten Trips der Belegschaft organisiert werden. Bruchköbel ist nun ein gutes Stück internationaler geworden.

Auch interessant

Kommentare