Ältere Menschen im Alltag unterstützen

Betreuungsangebot „SOwieDAheim“ aus Bruchköbel ist für den hessischen Demografie-Preis nominiert

Melanie Jung, Geschäftsführerin der Alzheimer Gesellschaft Main-Kinzig, begrüßt die Gäste im Haus Beeser, darunter Staatssekretär Axel Wintermeyer.
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Melanie Jung, Geschäftsführerin der Alzheimer Gesellschaft Main-Kinzig (Vierte von links), begrüßt die Gäste im Haus Beeser, darunter Staatssekretär Axel Wintermeyer (Mitte).

Bruchköbel – Die diesjährige Sommerreise führte Staatsminister Axel Wintermeyer nach Bruchköbel. Dort war der Chef der Hessischen Staatskanzlei und Demografie-Beauftragter der Landesregierung zu Gast bei Familie Beeser, um sich über das Projekt „SOwieDAheim“ zu informieren.

„SOwieDAheim“, das Betreuungsangebot für Menschen mit und ohne Demenz der Alzheimer Gesellschaft Main-Kinzig e.V., wurde unter 115 Bewerbungen für den hessischen Demografie-Preis nominiert. Bereits diese Nominierung sei Auszeichnung und Ansporn, so Melanie Jung, Geschäftsführerin der Alzheimer Gesellschaft Main-Kinzig.

Modellprojekt wurde 2006 ins Leben gerufen

Jung und Projektleiterin Gabriele Karadeniz erläuterten Staatsminister Wintermeyer, Max Schad (MdL, CDU) und Stadträtin Ingrid Cammerzell (Bruchköbel) die drei verschiedenen Modelle des Betreuungsangebots „SOwieDaheim“, das 2006 als Modellprojekt im Main-Kinzig-Kreis initiiert wurde.

Was damals als eine tollkühne Idee erschien, private Haushalte als Gastgeber für die soziale Betreuung älterer Menschen gewinnen zu wollen, hat sich inzwischen erfolgreich etabliert.

Betreuungsangebot für mehr Teilhabe von älteren Menschen im Alltag

„Es handelt sich nie um Pflege“, so Geschäftsführerin Jung, „sondern um Versorgung zur Teilhabe älterer Menschen im Alltag, damit diese möglichst lange zu Hause wohnen können.“

„SOwieDAheim“ basiert auf drei Säulen, die alle ehrenamtlich getragen werden: Gasthaushalte begleiten über fünf Stunden durch einen strukturierten Tagesablauf, Bewegungsangebote finden in kommunalen Räumen statt oder Menschen werden stundenweise einzeln betreut.

Einzelbetreuung an 53 Standorten im Main-Kinzig-Kreis

Im Main-Kinzig-Kreis findet an 53 Standorten Einzelbetreuung statt, es gibt aktuell 13 Gasthaushalte und neun Betreuungs- und Bewegungsgruppen. Staatsminister Wintermeyer, der die sechs nominierten Initiativen besuchen wird, sah in „SOwieDAheim“ ein zukunftsweisendes Angebot: „Ich hoffe, dass die Alzheimer Gesellschaft noch weitere Mitstreiterinnen und Mitstreiter für ihre wichtige Aufgabe findet. Ihr Engagement ist unverzichtbar für unsere Gesellschaft, denn wo Gemeinschaft ist, da ist auch Zukunft.“

Seit über 14 Jahren gehören Helga und Hans Ludwig Beeser zu den ehrenamtlichen Mitstreitern, die sich nach einer Fortbildung entschlossen haben, ihr Haus für Gäste zu öffnen. Helga Beeser wollte sich im Ruhestand noch engagieren, gebraucht werden und etwas mit Hingabe tun. „Ich mache es gerne. Die Freude der anderen ist auch meine Freude und Entschädigung. Was man mit Liebe und Spaß macht, ist keine Belastung“, antwortet Helga Beeser auf die Fragen von Staatsminister Wintermeyer.

Ehepaar in Bruchköbel hat mehrere Gäste in der Woche

Zwischen drei und fünf Gästen empfängt das Bruchköbeler Ehepaar im geräumigen Eigenheim einmal pro Woche. Der Tag beginnt morgens um 10 Uhr mit Sitzgymnastik. „Das tut mir selbst auch gut“, sagt die Gastgeberin, „und ich habe sportliche Gäste. Wir werfen uns den Ball zu oder dehnen das Theraband.“

Zwischen sportlichen Aktivitäten und Gedächtnis- oder Kartenspielen wird der Tagesablauf durch Ruhepausen und gemeinsame Mahlzeiten strukturiert. Im privaten Umfeld fühlen sich die Gäste „so wie daheim“, ehe sie gegen 15.30 Uhr vom Hausherrn nach Hause gefahren werden.

Angebot ist große Entlastung für pflegende Familienmitglieder

Wie wertvoll diese ehrenamtliche Betreuung für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen ist, wird im Austausch mit Staatsminister Wintermeyer sehr deutlich. Diese Stunden bei SOwieDAheim seien eine große Entlastung für die pflegenden Familienmitglieder, die ja über eine lange Strecke durchhalten müssten, so Frau Viel.

Sie selbst pflegt ihren Ehemann, der regelmäßig zu Gast bei Familie Beeser ist, zu Hause und ist für die freien Stunden überaus dankbar. Die Heimsituation wäre für ihren an Parkinson erkrankten Partner die schlechtere Variante, ist sie sich sicher. Fritz Schüßler, in Doppelfunktion als Kreisbeigeordneter und Angehöriger mit dem Thema vertraut, fügt hinzu, dass seine Ehefrau nach den Stunden in vertrauter Gemeinschaft oft locker und gelöst nach Hause käme. Die stundenweise soziale Betreuung ist nicht nur für alle direkt Beteiligten ein großer Gewinn, sondern auch in Zukunft eine wichtige Gemeinschaftaufgabe in einer älter werdenden Gesellschaft.

Bedarf an Betreuung wächst immer weiter

Der Bedarf an Betreuung wächst, die Nachfrage ist weiterhin riesig. Das sieht auch der Demografie-Beauftragte Wintermeyer: „Der demografische Wandel ist eine Herausforderung für unsere Gesellschaft, die Auswirkungen auf nahezu alle Bereiche unseres Lebens hat. In zehn Jahren wird voraussichtlich jeder Vierte in unserem Land 65 Jahre und älter sein. In einer älter werdenden Gesellschaft sind Gesundheit und Pflege zentrale Aspekte, die wir angehen und gestalten müssen.“

„Dafür brauchen wir Akteure vor Ort wie die Mitglieder der Alzheimer Gesellschaft, die sich mit großem persönlichen Engagement einbringen. Die Ehrenamtlichen öffnen ihre Wohnungstüren und damit ihre Herzen. Sie helfen mit, dass ältere Menschen nicht vereinsamen, entlasten die pflegenden Angehörigen und tragen dazu bei, dass aus unserer Gesellschaft eine Gemeinschaft wird. Dafür danke ich Ihnen sehr.“

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