In der Stadt hat sich die politische Landschaft durch die Kommunalwahl grundlegend verändert

Neue Machtverhältnisse in Bruchköbel

Die beiden derzeit beliebtesten Politiker Bruchköbels: Katja Lauterbach (FDP) und Uwe Ringel (Bündnis 90/Die Grünen) haben mit 4408 beziehungsweise 4161 die meisten Einzelstimmen bekommen.
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Die beiden derzeit beliebtesten Politiker Bruchköbels: Katja Lauterbach (FDP) und Uwe Ringel (Bündnis 90/Die Grünen) haben mit 4408 beziehungsweise 4161 die meisten Einzelstimmen bekommen.

Bruchköbel – Es war ein Krimi. Erst bei der Auszählung des letzten Wahlbezirks fiel die Entscheidung zugunsten der CDU, die am Ende 0,16 Prozent, dies entsprach 470 Stimmen, vor der FDP lag und somit weiterhin stärkste Partei im Bruchköbeler Stadtparlament bleibt. Für die Christdemokraten, über Jahrzehnte die Hausmacht in der Stadt, war es jedoch nicht mehr als eine Gesichtswahrung.

Denn im Vergleich zu 2016 büßte die Partei rund 13 Prozent der Stimmen ein. Sie gehört somit zu den großen Verlierern dieser Wahl.

Ganz anders dagegen die FDP, deren Mitglieder zusammen mit den Grünen allen Grund zum Strahlen hatten. Die Liberalen verdreifachten ihr Ergebnis von 2016 und haben mit neun Sitzen nun genauso viele Mandate im Parlament wie die CDU. Die Grünen legten im Vergleich zu 2016 um zehn Prozent zu und sind mit acht Sitzen dritte Kraft.

BBB und SPD mit Verlusten

Zu den Verlierern der Wahl gehören die SPD, die drei Prozent gegenüber 2016 einbüßte, und der Bruchköbeler Bürgerbund (BBB), der mit einem Stimmenanteil von nur 14 Prozent von der zweitstärksten Fraktion zur kleinsten im Parlament schrumpfen wird.

„Es ist jetzt nicht der Moment für Euphorie“, sagte Karina Reul, Spitzenkandidatin und Stadtverbandsvorsitzende der CDU. Zwar wolle man erst in den kommenden Tagen das Ergebnis in aller Ruhe analysieren, doch eines sei offensichtlich: Der Absturz ihrer Partei sei zweifellos auch eine Folge der Bürgermeisterwahl 2019, bei der sich die CDU nicht gerade mit Ruhm bekleckert habe. Damals waren aus dem Dunstkreis der CDU mit Thomas Sliwka und Dietmar Hußing gleich zwei unabhängige Kandidaten neben dem offiziellen Kandidaten Daniel Weber angetreten. Dies hatte innerhalb der Partei für eine Spaltung gesorgt, die von den Wählern zunächst bei der Bürgermeisterwahl selbst und nun scheinbar auch bei den Kommunalwahlen quittiert worden ist. Die Wahl sei für die CDU zu früh gekommen, sagt Reul, die nach dem Debakel bei der Bürgermeisterwahl das Ruder von Thomas Sliwka übernommen hatte. „Wir befinden uns noch mitten im Erneuerungsprozess“, sagt Reul. Das starke FDP-Ergebnis führt sie vor allem auf den Bürgermeisterinnen-Bonus zurück. Die FDP habe ihre Wahl-Kampagne ganz auf die Bürgermeisterin und zugeschnitten und sei damit gut gefahren.

Lauterbach: Wähler belohnen die Arbeit unserer Bürgermeisterin

Dies sieht freilich auch ihre Schwester, Katja Lauterbach, so, die Fraktionsvorsitzende der FDP, die das Ergebnis gestern noch gar nicht richtig fassen konnte. „Mit einem Zuwachs von sechs oder sieben Prozent hätten wir gerechnet, damit aber sicherlich nicht“, sagte sie überglücklich. „Mit der Wahl haben die Wähler in allererster Linie die ausgezeichnete Arbeit unserer Bürgermeisterin belohnt.“ Aber auch das Team dahinter könne eigentlich nichts falsch gemacht haben, ergänzte sie. Sie selbst fuhr mit 4408 Stimmen das beste Einzelergebnis überhaupt ein. Auf Platz zwei folgte in der Einzelbewertung übrigens Uwe Ringel (4161), der Fraktionschef der Grünen, der das Ergebnis seiner Partei von knapp 23 Prozent in die Kategorie „historisch“einordnete. „Wenn alle Parteien sich grüne Inhalte ins Programm schreiben, dann wollen viele Wähler eben am Ende das Original“, so die Kurzanalyse des ehemaligen Ersten Stadtrats.

Bei der SPD hielt sich die Enttäuschung trotz der Einbußen in Grenzen. „Wir haben schließlich einen personellen Neuanfang gewagt. Auf unser Ergebnis kann man jetzt durchaus aufbauen“, sagte Patrick Woschek, der gemeinsam mit Birgit Glade die Doppelspitze in der Partei bildet. Das Resultat spiegele auch wider, dass die Wähler mit der Arbeit der Großen Koalition nicht zufrieden gewesen seien. Gleich gestern Abend wollten sich die Sozialdemokraten zusammensetzen und das Ergebnis analysieren.

Katzenjammer beim BBB

Katzenjammer herrschte hingegen beim Bruchköbeler Bürgerbund (BBB). „Wir sind natürlich sehr enttäuscht“, lautete die erste Reaktion von Harald Hormel, dem Vorsitzenden der Wählergemeinschaft. Eine Ursachenforschung wolle man jetzt gemeinsam betreiben. Unverständlich sei für ihn, dass ausgerechnet die Parteien stark

zugelegt hätten, die in den Haushaltsberatungen keinerlei Anträge eingebracht hätten.

Und wie geht’s jetzt weiter: Nach einer kurzen Findungsphase wollen sich die Parteien zusammensetzen und über Koalitionen und Kooperationen sprechen. Dabei scheinen viele Kombinationen möglich: Von Kenia (schwarz-rot-grün) bis Jamaika (schwarz-grün-gelb) bis zur Ampel (grün-gelb-rot) scheint alles möglich zu sein. Nur eine Koalition mit dem Bruchköbeler Bürgerbund schließen alle anderen Parteien im Parlament aus. Gut möglich sind jedoch auch wechselnde Mehrheiten. Bis zur konstituierenden Sitzung des neuen Parlaments am 20. April wird man mehr wissen.(Von Holger Weber)

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