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Bruchköbel gedenkt der Explosionsopfer

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Von: Holger Weber-Stoppacher

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Haben die Gedenkfeier vorbereitet: Jasmin Laibacher vom Stadtmarketing und Manfred Nitschke.
Haben die Gedenkfeier vorbereitet: Jasmin Laibacher vom Stadtmarketing und Manfred Nitschke. © -

Bruchköbel – Es war nach dem Krieg zweifellos die größte Katastrophe in Bruchköbel: Bei der Explosion der Firma Reinelt am 9. Februar 1982 starben drei Menschen und viele weitere wurden zum Teil schwer verletzt.

Es war genau 6.33 Uhr, als sich an jenem Morgen in einer der Hallen ein Gas entzündete, das zuvor offensichtlich durch das Leck eines Tanks ausgeströmt war. In der Firma Reinelt wurden Kosmetika, Parfums und auch Haarsprays hergestellt. Die Detonation war viele Kilometer weit zu spüren und zu hören. An umliegenden Gebäuden, Straßen und Autos entstanden Schäden in Millionenhöhe. Dazu zählten abgedeckte Dächer sowie zerborstene Fenster und Türen. Bei den Betroffenen, Angehörigen, Einsatzkräften, Helfern und auch vielen Bruchköblern, die den Tag miterlebten, haben die schrecklichen Ereignisse tiefe Spuren hinterlassen.

Hilfe aus den Nachbarkommunen

Neben den Feuerwehren der Stadt Bruchköbel wurden die Einsatzkräfte aus Hanau, Erlensee, Nidderau, das Deutsche Rote Kreuz, örtliche Ärzte, Technisches Hilfswerk, Bundeswehr, US-Army, Polizei, Militärpolizei, Mitarbeiter des städtischen Bauhofes und der Verwaltung, Hundestaffeln, Hubschrauber und Privatfirmen eingesetzt. Die Zahl der eingesetzten Kräfte lag bei etwa 560 Personen.

Zu den Zeitzeugen zählt auch Manfred Nitschke, der damals beim Rasieren vor dem Spiegel stand, als plötzlich die Fenster seiner Wohnung zerborsten. Seitdem hat ihn das Unglück niemals richtig losgelassen. Laut Berechnungen der Hessischen Brandkasse hat der Schaden damals bei rund 58 Millionen D-Mark gelegen. „Würde man die heutigen Werte zugrunde legen, käme man auf eine Summe von mehr als 150 Millionen Euro“, glaubt Nitschke, der bei der Brandkasse in leitender Position war. Er gehört zu den Organisatoren, die jetzt die Gedenkfeier zum Jahrestag des Unglücks organisiert haben.

Gedenkgottesdienst in Bruchköbel

Das Gedenken findet am 9. Februar um 14 Uhr in der Jakobuskirche statt. Bei der Feier soll es Zeit zum Nachdenken, Erinnern und zur Anteilnahme geben. Aufgrund der aktuellen Corona-Beschränkungen wird es allerdings keine öffentlich zugängliche Veranstaltung sein, sondern eine Live-Übertragung über den YouTube-Kanal „Jakobuskirche Bruchköbel“ geben. Der Kanal ist zu erreichen unter: https://kurzelinks.de/armk. Sprechen werden bei der Veranstaltung Bruchköbels Bürgermeisterin Sylvia Braun, der Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde, Dr. Martin Abraham, sowie Manfred Nitschke für die Angehörigen der Opfer.

Auch die Bruchköbeler Feuerwehr gedenkt dem größten Einsatz ihrer Geschichte auf eine besondere Weise. Am Jahrestag zeichnen die Bruchköbeler den Verlauf des Einsatzes auf Twitter in Echtzeit nach.

Einsatzkräfte sieben Tage im Einsatz

Sieben Tage waren die Einsatzkräfte damals in Schichten im Einsatz, um die Unglücksstelle auszuleuchten, abzusichern und schließlich auch aufzuräumen. Die Ermittlungen des Landeskriminalamtes dauerten sechs Monate. Flüssiges Propan-Butan-Gemisch, das als Treibmittel in Spraydosen gedrückt wurde, war demnach durch ein kleines Leck in der Abfüllanlage ausgetreten. Scheinbar schon seit dem Vorabend der verheerenden Explosion. Die etwa 100 Kilogramm Gas hatten sich in der Produktionshalle sowie im Abfüllraum verteilt. Was die Explosion letztlich auslöste, konnte laut Bericht der Feuerwehr nie geklärt werden. Für den Reinelt-Standort mit rund 70 Beschäftigten bedeutete die Explosion das Ende.  (how)

Ein Bilder Verwüstung: Das Firmengelände war nach der Detonation nur noch ein Trümmerfeld.
Ein Bilder Verwüstung: Das Firmengelände war nach der Detonation nur noch ein Trümmerfeld. © Hessische Brandkasse (PM)/Holger Weber-Stoppacher

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