Bruchköbel setzt auf Prävention

Mit dem KOMPASS-Programm soll das Sicherheitsgefühl der Bürger gestärkt werden

Jetzt kann es losgehen: Das Starterkitt für das Präventionsprogramm bekam Bürgermeisterin Sylvia Braun gestern von Polizeipräsident Eberhard Möller.
+
Jetzt kann es losgehen: Das Starterkitt für das Präventionsprogramm bekam Bürgermeisterin Sylvia Braun gestern von Polizeipräsident Eberhard Möller.

Legt man nur die Zahlen der Statistik zugrunde, hat die Stadt Bruchköbel kein Sicherheitsproblem. Doch die subjektive Wahrnehmung sei bei den Menschen halt eben oftmals anders. Auch deshalb habe man sich dazu entschieden, an dem KOMPASS-Programm des Hessischen Innenministeriums teilzunehmen, berichtete Bürgermeisterin Sylvia Braun (FDP) am Mittwoch im Interimsrathaus auf dem Fliegerhorst.

Bruchköbel – Dort nahm sie vom Präsidenten des Polizeipräsidiums Südosthessen, Eberhard Möller, das Starterkit für das Präventionsprogramm entgegen. Bruchköbel weiß sich in guter Gesellschaft von elf weiteren Kommunen im Main-Kinzig-Kreis, die das sogenannte Kommunalprogramm Sicherheitssiegel (KOMPASS) entweder schon bekommen haben oder noch anstreben. 17 Kommunen sind es insgesamt im Beritt des Polizeipräsidiums Südosthessen. Das sei ein großer Erfolg und zeige die Akzeptanz des Programms, meinte Möller.

Für das Siegel muss die Kommune mindestens drei Präventionsmaßnahmen umsetzen, die in einem gemeinsamen Dialog von ehrenamtlichen Bürgern, der Polizei sowie der Stadtverwaltung erarbeitet worden sind. Dem voraus geht eine Sicherheitsanalyse, mit der schon bald begonnen werden soll. Im Fokus steht weniger die Schwerstkriminalität, die es in Bruchköbel so gut wie gar nicht gebe. Es sind mehr die Banalitäten des Alltags, die bei den Bürgern dennoch für Verärgerung und teilweise auch für Verunsicherung sorgten. Als Beispiele nannte Braun illegale Müllablagerungen, Raser auf den Straßen. Für all diese Probleme gelte es nun passgenaue Lösungen zu finden, ergänzte der Polizeipräsident, der mit Braun bekanntlich eine ehemalige Kollegin vor sich hatte. Bruchköbels Bürgermeisterin war bis zu ihrem Amtsantritt im vergangenen Jahr Hauptkommissarin und unter anderem mit der Aufklärung von Betrugsdelikten befasst. Möller musste bei der Verwaltungschefin deshalb auch keine Überzeugungsarbeit leisten.

Zahl der Delikte geht zurück

Insgesamt sei Bruchköbel eine sehr sichere Kommune, meinte der Polizeipräsident und untermauerte seine These mit Zahlen aus der Polizeistatistik der vergangenen Jahre. In der Liste der Häufigkeitsmeldungen, in denen alle Delikte registriert werden, die bei der Polizei zur Anzeige gebracht würden, liege die Stadt mit knapp 3000 weit unter dem hessischen Durchschnitt von etwas mehr als 6000 Fällen. Zum Vergleich: Die Stadt Hanau liegt mit 7000 Fällen leicht über dem Schnitt. Allerdings spiegelten die Zahlen nur einen Teil der Kriminalitätswirklichkeit wider, wie Möller einräumte. Denn während auf der einen Seite auch Banales wie Passvergehen in der Statistik aufgeführt würden, gebe es auf der anderen Seite auch eine hohe Dunkelziffer von Delikten, die in keiner polizeilichen Statistik erfasst würden.

Insgesamt ging die Zahl der Delikte im Beritt des Polizeipräsidiums zurück. Habe man 2018 noch rund 45 000 Delikte gezählt, seien 2019 nur noch 42 000 gezählt worden. Und für 2020 werde man noch bessere Werte verkünden können, warf Möller schon einmal einen Blick voraus. Die jährliche Kriminalitätsstatistik präsentiert die Polizei für gewöhnlich im Februar oder März.

Dass bei der Suche nach Problemfeldern der Verkehr in den Fokus geraten könnte, legen die Unfallzahlen dar, die Möller präsentierte. Etwa 200-mal hat es im Stadtgebiet im vergangenen Jahr gekracht, dabei gab es insgesamt 50 Verletzte, einige wenige davon auch mit schweren Verletzungen. Als wichtiges Element des KOMPASS-Programmes nannten sowohl Braun als auch Möller die Einbeziehung der Bürger. „Ihre Erfahrungen, ihr Befinden sowie ihre Ängste“ sollen maßgeblich sein bei der Suche nach Lösungen. Manchmal helfe schon eine Laterne, die eine dunkle Ecke ausleuchte. Aus den Gesprächen mit den Bürgern habe sie bereits eine Reihe von Erkenntnissen gewinnen können, so die Verwaltungschefin, die betonte, dass man in Sachen Sicherheit in Bruchköbel schon einiges getan habe. Die Zahl der Stadtpolizisten wurde auf vier aufgestockt. Zudem sei im künftigen Stadthaus ein Wachposten geplant.

Das Präventionsprogramm erfordere auch finanzielle Mittel, die die Kommune bereitstellen müsse. „Doch die Erfahrung zeigt, dass sich Prävention langfristig auszahlt“, so der Polizeipräsident. (Von Holger Weber-Stoppacher)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare