Bruchköbel

Bruchköbeler Koalitionäre gehen beim Heringsessen getrennte Wege

Ralf Spachowsky (von links) und Volker Schadeberg haben gestern Morgen bereits bei Ewald Lind in Oberissigheim rund 75 Kilogramm Kartoffeln abgeholt. Foto: Weber

Bruchköbel. Die Koalition aus SPD und CDU im Bruchköbeler Stadtparlament ist sich in vielen Dingen einig. Nur in einer Grundsatzfrage gehen die Meinungen der beiden Lager weit auseinander: Pellen oder schälen?

Von Holger Weber

Während die Arbeiterpartei ihren Mitgliedern und Sympathisanten die Kartoffeln am Mittwochabend beim Heringsessen quasi unbearbeitet auf den Tisch stellt, wird bei der CDU zuvor die Pelle von der Knolle gezogen. So will es die Tradition.

Das könnte auch einer der Gründe sein, warum das Heringsessen, das beide Parteien in Bruchköbel schon seit rund 30 Jahren parallel am Aschermittwoch zelebrieren, in den Koalitionsvereinbarungen außen vor geblieben ist. „So weit geht die Liebe dann doch nicht, dass wir da auch noch gemeinsame Sache machen. Irgendwo muss es ja auch Grenzen geben“, sagt CDU-Grande Volker Schadeberg augenzwinkernd.

Gewisse ParallelenEs ist Dienstagmorgen, Schadeberg und Parteifreund Ralf Spachovsky stehen in Oberissigheim im Hof von Landwirt Ewald Lind, um die Kartoffeln zu holen. 75 Kilogramm sind es dieses Mal. „Festkochend, damit sie nicht aufplatzen“, erklärt der Fachmann, der seit jeher die Kartoffeln stiftet, die heute Abend traditionell im Bürgerhaus in Oberissigheim kredenzt werden.

In Sachen Sponsoring gibt es übrigens eine Parallele zu den Sozialdemokraten. Denn auch die SPD hat mit Helmut Vulpius, dem Roßdorfer Kartoffelkönig, einen treuen Gönner, der ebenfalls am Dienstag etwa die gleiche Menge an Erdäpfeln zur Roßdorfer Mehrzweckhalle geliefert hat. Beide Parteien erwarten heute rund 100 Gäste. Heringsfans ohne Parteibuch, die noch nicht wissen, in welchem Lager sie heute Abend aufschlagen sollen, sei übrigens gesagt, dass die Rezepturen beider Heringssoßen nicht weit auseinander liegen. Zwiebeln (bei der CDU nur die roten), Gurken, Salz und Pfeffer bilden in beiden Parteiküchen die Grundessenz.

UnterschiedeDie Sozialdemokraten erweisen sich ein wenig linienbewusster und mischen statt Schmand die weniger fetthaltige saure Sahne unter die Heringe. Ein weiterer Unterschied: Bei der SPD bekommt die Heringssoße einen Tag länger Zeit, um ihren ganzen Geschmack zu entfalten. Bei der CDU muss es dagegen schnell gehen.

„Was nicht heißen soll, dass unsere Soße weniger gut schmeckt“, ist Schadeberg sicher, dass in der Kürze auch die Würze liegen kann. Doch verhehlt er nicht, dass die Christdemokraten nicht nur in der Bundespolitik mit Personalproblemen zu kämpfen haben, sondern auch in der Heringsküche. „Es wird immer schwieriger, die Leute zusammenzubekommen, um das traditionelle Aschermittwochsessen vorzubereiten.“

Regionaler Charakter bleibtVoraussichtlich werde es das letzte Mal sein, dass die Heringssoße aus der eigenen Herstellung kommt, befürchtet der Cheforganisator. Im kommenden Jahr werde man sich den Hering vom Bruchköbeler Fischhändler Augustin kommen lassen. Immerhin habe das Aschermittwochsessen dann immer noch einen regionalen Charakter.

Quelle: Hanauer Anzeiger

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