Multitasking ohne Pause

Die Corona-Krise aus Sicht. . . einer Mutter – Zwischen Kochen, Spielplatz und dem ganz normalen Wahnsinn

+
Die Abstandsregeln auf dem Spielplatz – wie hier in Bruchköbel – sind kaum einzuhalten.

Die durch das Coronavirus ausgelöste Krise betrifft uns alle. Aber ihre Auswirkungen auf unseren Alltag, unseren Beruf, unser Leben fallen zum Teil ganz unterschiedlich aus. In unserer neuen Reihe „Die Corona-Krise aus Sicht von . . .“ erzählen Menschen, wie sie die Krise wahrnehmen.

Coronafrei, das hörte sich für unsere Familie und wahrscheinlich auch für viele andere Familien ganz gut an – anfangs. Keinen Stress am Morgen, damit die Kinder pünktlich in die Schule und in die Kita kommen. Kein alltägliches Kutschieren zu Freunden oder zum Vereinssport. Entschleunigung und Familienzeit waren die Worte der Stunde. Doch was als Abenteuer begann, wurde im Laufe der Wochen zur großen Geduldsprobe. Unser jüngster Spross war gerade zwei Monate alt, als Deutschland sich in den Tiefschlaf versetzt hat, um den Kampf mit der Pandemie aufzunehmen. Seitdem ist er ständig von seinem fünfjährigen Bruder und seiner siebenjährigen Schwester umringt. 

Er wird gestillt, während ich den Zahlenstrahl bis 20 beim Homeschooling erkläre, gewickelt, während ich verbale Pokémon-Kämpfe fechte und in der Wippe mit dem Fuß geschaukelt, während ich das Essen zubereite. Multitasking ohne eine Pause und ein immer wieder erklingendes „Mamaaaaa“ in den Ohren. Die beste Lösung in einer nervlich immer angespannteren Situation: Raus. Einmal ordentlich austoben, bitte. Doch das, noch vor Corona eingerichtete Angebot im Garten wurde schnell langweilig. Ein Blick auf die Homepage eines großen Online-Händlers zeigte, dass es wohl vielen Familien so ging. Manch Rutsche, Wippe, Balancebalken und Co. waren fast restlos ausverkauft. 

Nach über acht Wochen wieder auf dem Spielplatz

Die Gärten wurden zu kleinen Spielplätzen. Denn diese waren bekanntlich geschlossen. Bei jeder Fahrradtour oder jedem Spaziergang in den nahe gelegenen Wald warfen unsere Kinder einen sehnsuchtsvollen Blick auf dieses großflächige, wundervoll vielfältige Areal des Spielplatzes. „Wann ist Corona endlich vorbei, Mama? Wann dürfen wir wieder mit unseren Freunden hier spielen?“ Denn das war, und ist es, was sie am allermeisten vermissen, ihre Freunde und das gemeinsame Spielen. Ein Stück weit haben sie das mit der Spielplatzöffnung wieder zurückbekommen. 

Auch wir sind nach über acht Wochen wieder auf dem Spielplatz. Ich blicke mich um. Kinder wie Eltern freuen sich offensichtlich, endlich wieder von Menschen umgeben zu sein. Ich sehe Kinder nebeneinander im Sand sitzen, ohne den gebotenen Abstand, und kann ich es ihnen nicht verdenken. Natürlich muss man auf sie achten und die Vorsicht immer ins Gedächtnis rufen. Aber man sollte auch Verständnis haben und ihnen so viel Normalität wie nur eben möglich einräumen. Denn inwiefern die geschlossenen Schulen, Kitas, Vereine, das Social Distancing sowie das Kontaktverbot unsere Kinder in diesen Wochen geprägt haben und noch prägen werden, wird sich erst mit der Zeit zeigen.

Information: Patricia Reich ist Redakteurin beim HANAUER ANZEIGER und befindet sich in Elternzeit.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare