Oliver Blum übernimmt als Erster Stadtrat Verantwortung

Bruchköbels stellvertretender Bürgermeister

Hat im Rathaus ein eigenes Büro: Oliver Blum (Bündnis 90/Die Grünen) ist seit einigen Wochen ehrenamtlicher Erster Stadtrat in Bruchköbel.
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Hat im Rathaus ein eigenes Büro: Oliver Blum (Bündnis 90/Die Grünen) ist seit einigen Wochen ehrenamtlicher Erster Stadtrat in Bruchköbel.

Bruchköbel – Ein Urlaub im Rathaus. Ob sich Oliver Blum dabei erholt hat, ist zu bezweifeln. Gelernt habe er in den zurückliegenden Tagen jedoch einiges, sagt der 54-Jährige nach einer Hospitanz in der Bruchköbeler Interimsverwaltung auf dem Fliegerhorst. Dafür hat er immerhin vier Tage seines Jahresurlaubs geopfert. Seit einigen Wochen ist er ehrenamtlicher Erster Stadtrat der Stadt Bruchköbel, stellvertretender Bürgermeister, wenn man so will.

Dass er einmal dieses Amt übernehmen werde, habe er vor ein paar Monaten auch noch nicht gedacht, sagt der Grüne. Doch nach dem Erfolg bei der Kommunalwahl im März ist die Ökopartei im Stadtparlament mit acht Sitzen fast gleichauf mit FDP und CDU (je 9). Weil man mit den Liberalen eine – zumindest offiziell – unverbindliche Kooperation eingegangen ist, habe es eigentlich nahegelegen, dass man den Posten besetzt, sagt Blum. Er habe sich für die Aufgabe auf Anhieb begeistern können. Auch weil er seiner Heimatstadt etwas zurückgeben wolle und im Leben bisher so viel Glück gehabt habe, sagt der Betriebswirt, der bei der Lufthansa Cargo eine leitende Position bekleidet.

Er hat einen grünen Daumen

Seine Eltern betreiben im Bruchköbeler Gewerbegebiet Galgengarten ein Blumen- und Gartencenter, seine Frau Silke in Bruchköbel ein Büro für Landschaftsarchitektur und die drei Kinder (23, 21 und 17) sind im Schulzentrum Nord ausgebildet worden, in dem die Blums viele Jahre lang die Geschicke als Elternbeiratsvorsitzende mitbestimmt haben. Der neue Erste Stadtrat ist also in der Stadt tief verwurzelt.

An diesem sonnigen Tag sitzt er in seinem Büro im Interimsrathaus. Ein bisschen karg ist der Raum noch, recht spartanisch eingerichtet, mit Computer, Telefon und ein paar Utensilien, die man halt so braucht. Auch im neuen Stadthaus wird Blum ein Büro neben der Bürgermeisterin beziehen. Eine ständige Repräsentanz gehört zum Job. Und Oliver Blum will in den fünf bis zehn Stunden, die er wöchentlich als Erster Stadtrat unterwegs sein wird, mehr tun als Vereinsfeste eröffnen und Bierfässer anstechen. Nicht, dass er dagegen etwas hätte, nein, auf diese Aufgaben freue er sich auch, sagt er. Aber darüber hinaus hat er mit den Wirtschaftlichen Betrieben bereits einen Bereich für sich entdeckt, den er mit seiner beruflichen Erfahrung und seinem Wissen voranbringen möchte. Blum hat sich vorgenommen, den Campingplatz Bärensee, einstmals eine der wenigen Geldquellen der Stadt, wieder zum Sprudeln zu bringen.

15000 Tonnen Rosen aus Kenia

Mit der Sanierung maroder Betriebe habe er während seiner beruflichen Laufbahn bereits Erfahrung gesammelt, sagt der studierte Betriebswirt. Bei Lufthansa Cargo ist er für die Logistik der Perishables (Frischware) verantwortlich. Unter anderem sorgt er dafür, dass die Flieger mit dem Kranich-Emblem Jahr für Jahr rund 15 000 Tonnen Rosen aus Kenia nach Frankfurt transportieren und die Pflanzen bei dem Transport ideale Bedingungen vorfinden, damit sie in den Vasen der Kunden möglichst lange frisch bleiben. Mit Blumen und Pflanzen kennt sich der gelernte Gärtner aus. Doch den elterlichen Betrieb, den er eigentlich übernehmen wollte, verließ er wieder, weil er feststellte, dass seine Welt eher die der Zahlen ist. Nach einer Ausbildung beim Airline Catering der skandinavischen Fluglinie SAS und dem Studium, das er nebenher absolvierte, blieb er der Branche treu. Er jettete viele Jahre lang durch die Welt, um Catering-Betriebe aufzubauen oder zu optimieren.

Ein Vielflieger bei den Grünen? Oliver Blum wird mit dem vermeintlichen Widerspruch häufiger konfrontiert und hat sich seine Argumentation zurechtgelegt. Mit Bezug auf seinen aktuellen Job sagt er: „Wenn man die Rosen statt in Kenia in europäischen Glashäusern produzieren würde, dann wäre der ökologische Fußabdruck noch größer.“ In seinem Job könne er zu einer besseren Klimabilanz beitragen, indem er die Logistik so gut wie möglich optimiere.

Um 4.30 Uhr klingelt bei ihm der Wecker

Optimiert hat der Frühaufsteher, der bereits um 4.30 Uhr die ersten E-Mails bearbeitet, auch die Klimabilanz seines Eigenheims. Die alte Heizung musste einer Wärmepumpe weichen. Und den Strom für seinen Tesla, mit dem er zweimal in der Woche nach Frankfurt fährt, den produziert er mit seiner Fotovoltaikanlage auf dem Dach selbst. (Holger Weber)

Die Chemie scheint zu stimmen: Bürgermeisterin Sylvia Braun mit ihrem Vize Oliver Blum.

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