Kooperation zwischen FDP, Grünen und SPD

Die CDU ist in Bruchköbel nur noch zweite Wahl

Eine „Ampel“ für Bruchköbel: FDP, Grüne und SPD sind sich einig.
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Eine „Ampel“ für Bruchköbel: FDP, Grüne und SPD sind sich einig.

Bruchköbel – Damit hätten die Christdemokraten wohl nicht gerechnet: In Bruchköbel, wo sie seit Jahrzehnten den Ton angegeben haben, sind sie in Zukunft voraussichtlich nur noch zweite Wahl, wenn es darum geht, Entscheidungen im Parlament mehrheitsfähig zu machen. Wie unsere Zeitung jetzt erfahren hat, wollen im Stadtparlament künftig die FDP, Bündnis 90/Die Grünen sowie die SPD enger zusammenarbeiten.

Um eine klassische „Ampel“ handelt es sich jedoch nicht. Denn statt einer Koalition soll es nur eine engere Kooperation geben. Dies hatte Bürgermeisterin Sylvia Braun (FDP) ja bereits im Interview mit unserer Zeitung vor Ostern angekündigt. Einige Parlamentarier, die bei den Sondierungsgesprächen dabei waren, sprechen von einer Neusortierung der Mehrheitsverhältnisse im Stadtparlament.

CDU minus sechs Mandate

Für die CDU ist der „Abstieg“ in die zweite Reihe besonders schmerzlich, weil die Partei bei der Kommunalwahl trotz erheblicher Verluste (minus sechs Mandate) mit hauchdünnem Vorsprung vor der FDP und den Grünen immer noch die Partei mit den meisten Stimmen war. Liberale und Grüne waren die eigentlichen Sieger der Wahl. Nun bleibt der CDU voraussichtlich nur noch die Position des Stadtverordnetenvorstehers, die weiterhin Guido Rötzler bekleiden wird. Von allen anderen Funktionen habe man die CDU verdrängt, bilanzierte gestern Reiner Ochs, der neue Fraktionsvorsitzende der Christdemokraten. Den Posten des ehrenamtlichen Ersten Stadtrats, bisher mit Ingrid Cammerzell besetzt, wird künftig Oliver Blum (Bündnis 90/Die Grünen) bekleiden. Auch der Vorsitz des Bauausschusses geht an die Grünen, der Vorsitz des Haupt- und Finanzausschusses wandert von der CDU zur FDP. „Für uns ist das natürlich nicht so prickelnd“, sagt Ochs, der für die Ausbootung vor allem die Grünen verantwortlich macht. „Wir haben das Gefühl, da war noch eine Rechnung offen. Wir sind für die Arroganz früherer Zeiten abgestraft worden“, so Ochs.

Inhaltlich nah beieinander

Allerdings sieht er in der neuen Konstellation für die Christdemokraten auch kein Drama. Inhaltlich sei man in vielen Punkten nah beieinander. Und neu erfinden könne das neue Trio aus FDP, Grünen und SPD das Rad in der Bruchköbeler Politik ohnehin nicht. „Dafür lassen vor allem die finanziellen Rahmenbedingungen nur wenig Spielraum“, so der CDU-Fraktionschef.

Inhaltlich ist sich das neue Führungstrio nach Informationen unserer Zeitung einig: Ideologische Debatten sollen nicht Gegenstand der Bruchköbeler Politik sein. Vielmehr wolle man die besten Entscheidungen für Bruchköbel abwägen. Vorwiegend gehe es um die Weiterentwicklung der Stadt in den Bereichen Wohnen und Gewerbe, Familienfreundlichkeit und Handel sowie den Klimaschutz. Konkrete Maßnahmen werden noch nicht genannt. Damit soll die Flexibilität und Offenheit der Diskussion erhalten bleiben, heißt es. Offenbar wollen die Parteien am kommenden Wochenende ihre Kooperation besiegeln. Am 27. April findet im Bürgerhaus die konstituierende Sitzung des neuen Stadtparlaments statt. (Holger Weber)

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