Edith Köppel geht nach 14 Jahren als Rektorin der Brückenschule in Pension

Die Unerschrockene

Wachwechsel an der Brückenschule: Nach mehr als 40 Dienstjahren ist Rektorin Edith Köppel (links) offiziell in den Ruhestand verabschiedet worden. Die bisherige Konrektorin Melanie Neumann tritt ihre Nachfolge an, zunächst in Form einer Beauftragung seitens des Schulamtes.
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Wachwechsel an der Brückenschule: Nach mehr als 40 Dienstjahren ist Rektorin Edith Köppel (links) offiziell in den Ruhestand verabschiedet worden. Die bisherige Konrektorin Melanie Neumann tritt ihre Nachfolge an, zunächst in Form einer Beauftragung seitens des Schulamtes.

Ein bisschen hat sich Edith Köppel vor ihrem letzten Tag im Schuldienst gefürchtet. Und das heißt schon was, gilt die Noch-Rektorin der Brückenschule doch als in vielen Dingen unerschrocken. Aber der Abschied von ihrer Schule fällt ihr schwer. „Ich werde die Kinder und das Kollegium sicher vermissen“, sagt die resolute 66-Jährige beim Gespräch in ihrem Büro, wo sich drei Tage vor Ferienbeginn die Arbeit immer noch stapelt. Lediglich Corona mache ihr den Abschied etwas leichter, gesteht sie.

Bruchköbel – 14 Jahre lang war Köppel Schulleiterin an der Brückenschule, insgesamt blickt sie auf 43 Jahre im Schuldienst zurück. Ein Rückblick voller Freude und Dankbarkeit. Am 31. Juli wird ihr letzter Arbeitstag sein, aber bis dahin ist sie noch mit Leib und Seele Rektorin. „Ich helfe noch mit, das neue Schuljahr vorzubereiten und unterstütze meine Nachfolgerin Melanie Neumann“, sagt sie und zeigt auf die Papierstapel auf den Tischen.

Bürokratie hat Überhand genommen

Denn auch wenn sie jeden Tag gerne zur Arbeit gekommen und ihrem Beruf mit Herzblut nachgegangen ist – die Bürokratie im Bildungssystem, die vor allem in den vergangenen Jahren überhand genommen habe, werde sie nicht vermissen, die sei auch nicht gut für die Schulen, sagt sie geradeheraus.

Edith Köppel war schon immer eine Frau klarer Worte, mit ihrer pragmatischen Art, die immer die beste und schnellste Lösung im Sinne ihrer Schützlinge im Blick hatte, ist sie oft bei Politikern und Verantwortlichen in der Verwaltung angeeckt. Aber ausgestattet mit einem dicken Fell, hat sie unbeirrt und mit langem Atem immer an Verbesserungen für die Brückenschule gearbeitet – und das mit viel Erfolg.

„Die vergangenen 14 Jahre sind die schönste Zeit, die ich an einer Schule verbracht habe“, betont sie darum. Besonders wichtig während dieser Jahre: das Kollegium der kleinen dreizügigen Schule. „Dieses Kollegium ist ein großer Schatz, es hat mich immer getragen, stand hinter mir. Dieses Miteinander ist etwas Besonderes.“

Hat nun viel Zeit zum Lesen, Wandern und für die Familie: Edith Köppel, langjährige Schulleiterin der Brückenschule, geht in Pension.

Skelett auf dem Beifahrersitz

Sie erinnert sich gerne, wie sie an die Brückenschule nach Roßdorf kam, die damals lange keine kontinuierliche Schulleitung hatte und kommissarisch geführt wurde. Damals hielt das Kollegium die Schule am Laufen, organisierte sich quasi selbst. Nach ihrer Versetzung von der Grundschule Heldenbergen, wo sie elf Jahre Lehrerin gewesen war, wurde sie nach einer Schulleitungsprüfung („Ich habe ja nicht den üblichen Weg eines Schulleiters genommen“) 2008 zur Rektorin in Roßdorf ernannt.

Und schreckte auch vor großen Zielen nicht zurück. Denn die damalige Zweiteilung der Schule, die neben dem Gelände an der Blochbachstraße noch Räume am Schulstandort Nord (Heinrich-Böll-Schule) hatte, führte immer wieder zu großen Problemen in der ganzen Schulgemeinschaft. Auch wenn aus dieser Zeit eine ihrer lustigsten Erinnerungen stammt, ist Edith Köppel froh und auch ein bisschen stolz, dass es ihr gelungen ist, die Brückenschule auf den Standort Blochbachstraße zu konzentrieren.

„Der Hausmeister musste damals immer das Skelett hin und her fahren. Der hat das dann auf dem Beifahrersitz festgeschnallt, das war vielleicht ein Bild“, erzählt sie und lacht laut und herzlich.

Gebürtige Heldenbergerin

Sie wusste schon früh, dass sie Lehrerin werden möchte, hat mit ihren Puppen Schule gespielt. „Die waren die Schüler und haben auch mal eine Sechs bekommen“, schmunzelt die gebürtige Heldenbergerin, geborene Staaf. Mit 19 Jahren, direkt nach dem Abitur an der Lioba-Schule in Bad Nauheim, beginnt sie in Gießen ihr Lehramtsstudium.

Aber nach einem Semester zieht es sie nach München, wo Köppel ihr 1. Staatsexamen macht. „Damals hieß das noch Volksschullehrerin.“ Mit ihrem Notendurchschnitt gehörte sie zu den besten 15 Absolventen in ganz Bayern und leistete 1978 ihren Beamteneid. „Dafür bin ich mit Bus und Bahn quer durch die Stadt nach München-Ost gefahren.“

Für ihre Referendariatszeit kehrt sie in heimatliche Gefilde zurück, absolviert die praktische Ausbildung in Dettingen, Großostheim und Alzenau. „Damals wurde man noch ins kalte Wasser geworfen und musste sofort eine Klassenleitung übernehmen.“ Nach dem 2. Staatsexamen hat sie Glück, bekommt im bayrischen Johannesberg ihre erste feste Stelle. Denn in Hessen wurden damals keine neuen Lehrer eingestellt. Sie bekommt ihre zwei Töchter, kehrt aber immer schnell in ihren Beruf zurück.

Schließlich lässt sie sich an die Grundschule in Heldenbergen versetzen, wo sie elf Jahre mehr als eine Lehrerin für die Kinder ist. Sie besorgt Weihnachtsgeschenke für Jungen und Mädchen aus prekären Verhältnissen, besucht die Familien.

Wegen Corona blieb vieles auf der Strecke

Was sie besonders an ihrer Arbeit gemocht hat? „Das Tun mit und für die Kinder. Und dass ich den jungen Menschen etwas beibringen und mitgeben kann.“ In ihrer neu gewonnenen Zeit als Pensionärin will Edith Köppel vorerst nichts planen. Denn insbesondere in der Corona-Zeit sei ihr Terminkalender sehr fremdbestimmt gewesen. „Wir waren ständig in Habacht-Stellung, mussten ständig flexibel auf neue Bedingungen reagieren, um die Schule über Wasser zu halten.“

Wegen der Pandemie hat Köppel zu ihrem Bedauern vieles nicht so weit zu Ende bringen können, wie sie gewollt hat. „Die pädagogische Weiterentwicklung ist auf der Strecke geblieben.“ Auch die Entwicklung des Ganztages musste vernachlässigt werden.

Sie will nun ihre freie Zeit mit der Familie genießen. „Meine jüngere Tochter heiratet nächstes Jahr, ich freue mich darauf mit ihr zusammen das Brautkleid auszusuchen“, blickt sie voraus. „Und ich freue mich darauf viel zu schlafen und zu lesen.“ Denn die Pandemie hat der engagierten Rektorin viele schlaflose Nächte gebracht und ein großer Stapel ungelesener Bücher – Biografien und zeitgeschichtliche Romane – wartet auf sie.

Aber irgendwann wird sie wieder eine Aufgabe finden, das weiß sie. „Mal schauen, wo mich die Reise hintreibt.“ Sie wird improvisieren. „Das kann ich gut“, lacht sie. Und überhaupt Reisen: Ans Meer will sie mit ihrem Mann wieder fahren und in die Berge zum Wandern und Skifahren. Denn auch dem Alter ist Edith Köppel unerschrocken entgegengetreten, ist fit und voller Elan geblieben. Gute Voraussetzungen für den Unruhestand.

(Von Monica Bielesch)

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