Hochzeitspaare pflanzen neue Streuobstwiese in Butterstadt

Ein Baum als Zeichen der Liebe und Verbundenheit

Geschafft! Die Champagner-Renette kann wachsen. Michael und Irina Andree freuen sich.
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Geschafft! Die Champagner-Renette kann wachsen. Michael und Irina Andree freuen sich.

„Mir gefällt der Gedanke, den Baum beim Wachsen zu beobachten,“ sagt Michelle Lewis aus Oberissigheim. Sie wird mit Ehemann Alonso immer wieder mal ihren Apfelbaum besuchen. Luca Trimhold ergänzt: „Ich finde die Hochzeitspflanzung eine gute Idee, das gemeinsame Pflanzen hat ja hier schon eine lange Geschichte. Und die Bürgermeisterin ist auch da.

Bruchköbel – Das ist das i-Tüpfelchen unserer Hochzeit.“ Wie andere Paare auch, wollen sogar Eva und Gonzalo Joel Garcia, die extra aus Regensburg angereist sind, um ihren „Hochzeitsbaum“ zu pflanzen, immer wieder mal vorbeischauen und sagen können: „Ach guck, da habe ich mitgearbeitet.“ Das, so Bürgermeisterin Sylvia Braun, habe sie schon oft im Zusammenhang mit städtischen Baumpflanzungen gehört.

Die Ehepaare, die Braun und Rebekka Lederer, die Umweltberaterin des Umweltbüros, kürzlich am Ortsrand von Butterstadt mit Familie und Freunden begrüßen konnten, hatten sich alle 2020 oder 2021 im Standesamt Bruchköbel trauen lassen. Die meisten Trauungen fanden unter Corona-Auflagen statt, wie die Hochzeit von Sabrina und Ettore Lignelli. Das Paar erzählt: „Wir haben am 28. April spontan geheiratet, mit Maske. Genau 14 Minuten hat die Trauung gedauert. Wir haben per Zoom die Familie in Italien zugeschaltet und alles aufgenommen, falls es mit der Übertragung nicht klappen sollte. Im September werden wir in Italien ein Hochzeitsfest feiern, mit freier Trauung und allem, was man zu einem Hochzeitsfest gehört. Vor fünf Jahren sind wir nach Bruchköbel gekommen, der Obstbaum hier soll symbolisch für unseren gemeinsamen Weg stehen.“

Hochzeits-Streuobstwiese soll wachsen

Da selbst Hochzeiten im Familienkreis nicht möglich waren, hat für einige Paare die gemeinsame Baumpflanzung mit anschließendem Imbiss dieses Mal eine besondere Bedeutung. „Wir waren überrascht über die Einladung und haben uns sehr gefreut“, sagen Uwe Timmermann und Gisela Vogel aus Roßdorf. „Eine tolle Idee, das Angebot etwas für die Natur zu tun.“

Mit Unterstützung der Mitarbeiter des städtischen Bauhofs gelang es den Paaren innerhalb kurzer Zeit, eine „Hochzeits-Streuobstwiese“ mit alten Baumsorten zu pflanzen.

Rebekka Lederer hatte verschiedene Sorten Äpfel, Birnen, Zwetschgen und einen Speierling ausgewählt. Die Streuobstwiesen gehören seit Jahrhunderten zur Kulturlandschaft in der Region. Mehrere Faktoren wie beispielsweise Siedlungstätigkeiten, Trendwende zu Obstbaumplantagen, Billigimporte von Obst führten dazu, dass sie nicht mehr bewirtschaftet werden und mehr und mehr aus der Landschaft verschwinden. Mit den Obstbaumwiesen gehen viele Vogel- und Insektenarten verloren. „Kaufen Sie die alten Apfelsorten, sie sind viel schmackhafter als ein importierter Apfel aus Australien“, empfiehlt Lederer, die sich über die große Beteiligung sehr freute.

In 40 Jahren haben 1200 Paare rund 1400 Bäume gepflanzt

Die Umweltberaterin des Umweltbüros fügte hinzu, dass Bruchköbel eine der wenigen Städte im Kreis sei, die seit 40 Jahren die Tradition der Hochzeitsbäume hochhalte. 1200 Paare hätten inzwischen rund 1400 Bäume und Sträucher gepflanzt und damit auch ihre Verbundenheit mit Bruchköbel zum Ausdruck gebracht.

Zu den ersten Paaren, die vor 40 Jahren eine Birke pflanzten, gehörte das Ehepaar Schneider. Marcel Schneider, Mitarbeiter im Bauhof und Personalratsvorsitzender in Bruchköbel erinnert sich. Bürgermeister Udo Müller und der Erste Stadtrat Siegfried Sümmchen brachten die Idee der Hochzeitspflanzungen ins Rollen. „Tut was für die Natur“, wurden die Gärtner der Stadt aufgefordert. Zunächst war ein Hochzeitswald im Gespräch doch die Umsetzung erwies sich als schwierig. Schließlich wurde als erstes die Hochzeitsallee verwirklicht. Entlang des Radweges zum Schwimmbad wurden Birken gepflanzt. Wir haben als erste Idee die Birkenallee am Krebsbach umgesetzt. Später dann wurden Hochzeitsbäume entlang des Krebsbaches gepflanzt, dann wurden artenreiche Feldhecken als Vogelschutzgehölze gepflanzt. Jetzt bereichern alte Obstbaumsorten als Streuobstwiesen die Kulturlandschaft.“ Die Idee kam sehr gut an, so Schneider, die Paare schauen nach ihren Bäumen, sie haben einen ganz anderen Bezug zur Natur.“ Schneider, der als Bauhof-Mitarbeiter auch für die Pflege der Hochzeitspflanzungen zuständig ist, er musste nach 38 Jahren „seine Birke“ eigenhändig fällen, die trockenen Sommer hatten dem Baum arg zugesetzt. Schneider nimmt es mit Humor: „Es hat meiner Ehe nicht geschadet, ich bin immer noch verheiratet.“

Bürgermeisterin Braun sagte, sie freue sich, zum 40-jährigen Jubiläum die Paare persönlich begrüßen und sprechen zu können. Die Bäume stehen symbolisch für das „Wurzel schlagen“ und den Willen, einen Weg gemeinsam zu gehen. Für die Streuobstwiese wurde eine sehr schöne Stelle mit Aussicht gewählt, ein Ort, der zum Spaziergehen und Verweilen einlädt. Apfelbäume und Zwetschgen können 80 bis 100 Jahre alt werden, Speierlinge schaffen 400 Jahre und mehr.

(Von Ulrike Pongratz)

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