So tickt die neue Fraktionsvorsitzende

Stefanie Zorbach will Bruchköbeler Bürgerbund verändern

Gerne sportlich unterwegs: Mit Stefanie Zorbach führt nun eine ausgewiesene Verwaltungsfachfrau die Wählergemeinschaft.
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Gerne sportlich unterwegs: Mit Stefanie Zorbach führt nun eine ausgewiesene Verwaltungsfachfrau die Wählergemeinschaft.

Bruchköbel – Stefanie Zorbach ist Beginn der neuen Legislaturperiode im Bruchköbeler Stadtparlament die Fraktionsvorsitzendes des Bruchköbeler Bürgerbunds. Mit ihr soll sich beim BBB einiges ändern.

Man ist schon ein Stück des Weges durch den Bruchköbeler Wald gegangen, als beim Thema Stadtumbau der Satz fällt, den man im Selbstverständnis des Bruchköbeler Bürgerbundes als eine Zäsur betrachten könnte: „Dieses Stadthaus in seiner jetzigen Form ist das Ergebnis eines demokratischen Beschlusses, es bringt uns doch keinen Zentimeter weiter, ständig nach hinten zu blicken.

Wir müssen jetzt damit leben“, sagt Stefanie Zorbach, die neue Fraktionsvorsitzende des BBB, beim Spaziergang mit dem HA-Reporter.

Sie will keinen Konfrontationskurs

Um die Tragweite dieser Aussage zu verstehen, muss man wissen, dass der BBB in den vergangenen Jahren jedem städtischen Haushalt seine Zustimmung verweigert hat. Aus Protest gegen das nach seiner bisherigen Lesart maßlos überteuerte Stadthaus, das  gerade im Herzen der Stadt entsteht und die Bürger mehr als 40 Millionen Euro kosten wird. Es ist offensichtlich: Die neue Fraktionschefin hat die Frage nach ihrer Position zum Stadtumbau sicherlich erwartet. Und sie hat diesen Punkt ganz bewusst gesetzt. Es soll deutlich werden, dass sich der BBB unter ihrer Führung verändern soll. Und auch das ist klar: Indem die Mitglieder der Wählergemeinschaft sie zur Nachfolgerin von Alexander Rabold bestimmt haben, haben sie auch gleichzeitig ihr Einverständnis zu einem Kurswechsel gegeben. „Es ist nicht so, dass ich diese Ansicht erst seit meinem Wechsel an die Fraktionsspitze vertrete“, bestätigt Zorbach die These indirekt.

Sie trete in große Fußstapfen, sagt Zorbach ehrfurchtsvoll mit Blick auf ihren Vorgänger, den rhetorisch beschlagenen langjährigen Fraktionschef Alexander Rabold, der als Richter am Verwaltungsgericht vor allem in Sachen Baurecht viel Wissen, aber auch oft Schärfe in die Parlamentsdebatten brachte. Den Konfrontationskurs will sie nicht gehen: „Es geht doch um die Sache.“ Und der Sache seien Tritte vors Schienbein selten dienlich, glaubt sie.

Verwaltung von der Pike auf gelernt

Mit ihrem Lebenslauf braucht sich die Neue nicht zu verstecken. Als stellvertretende Amtsleiterin für Finanz- und Rechnungswesen verantwortet sie das Sachgebiet Haushalt und Controlling in der Verwaltung des Main-Kinzig-Kreises. Zorbach hat das Verwaltungsgeschäft von der Pike auf gelernt. Nach dem Abitur an der Karl-Rehbein-Schule hat sie ihre Verwaltungsausbildung beim Kreis absolviert, war dort auch lange in der Jugendhilfeplanung tätig, 2015 bekam sie dann die Chance, in der Gemeinde Freigericht die Leitung der Finanzabteilung zu übernehmen. In der im Vergleich zum Kreis kleinen Amtsstube habe sie viel gelernt, sagt sie rückblickend. Links saßen die Kollegen vom Ordnungsamt, rechts die vom Bauamt. Da habe man von allen Verwaltungsbereichen viel mitbekommen. Vor allem aber: „Man war sehr nah dran an den Bürgern und deren konkreten Sorgen.“

Seit vergangenem Juli ist die ehemalige Auszubildende nun wieder zurück in Gelnhausen, diesmal in verantwortlicher Position. „Ja“, sagt sie, „die Karriere ist mir wichtig.“ Dass sie mit ihrer beruflichen Erfahrung in Bruchköbel als Bürgermeisterkandidatin gehandelt wurde, liegt auf der Hand. Angebote zur Kandidatur habe sie 2018 nicht nur vom Bruchköbeler Bürgerbund erhalten. Familiäre Gründe hätten gegen die Kandidatur gesprochen, so die Mutter einer 17-jährigen Tochter und eines neunjährigen Sohnes. „Maximilian war mir damals noch zu klein, als dass ich mich auf den Job einer Bürgermeisterin hätte einlassen wollen.“

Kandidaturfrage stellt sich für sie noch nicht

Die Frage, ob sie beim nächsten Mal ihren Hut in den Ring werfen würde, stellt sich für sie nicht. Zumindest noch nicht. „Mein Job beim Kreis macht mir Spaß“, sagt sie. Aber sie sagt auch: „In fünf Jahren kann viel passieren.“ Vor der Arbeit der amtierenden Bürgermeisterin Sylvia Braun hat sie Respekt. „Ich finde, sie macht ihre Arbeit clever. Sie ist um Transparenz bemüht und sie versteht es, die Leute mitzunehmen.“ Wie Braun halte auch sie nichts von einem Regierungs- und Oppositionsdenken innerhalb des Parlaments. Deshalb will sie es auch nicht als eine Kritik der Opposition verstanden wissen, wenn sie Entscheidungen der Bürgermeisterin hinterfragt. Verstanden habe sie beispielsweise nicht, warum die Wirtschaftlichen Betriebe jetzt für viel Geld, der Bau von Büroräumen kostet rund 200 000 Euro, an den Bärensee verlegt werden, wo doch im neuen Stadthaus eigens Büroflächen für die Verwaltung geschaffen würden.

Der Bruchköbeler Bürgerbund ist einst aus einer Protesthaltung gegen den ehemaligen Bürgermeister Günter Maibach aus der CDU heraus entstanden. Mit dem Abtritt Maibachs ist die Gruppierung in eine Phase eingetreten, in der sie sich neu erfinden muss. Stefanie Zorbach stößt, wenn man so will, in ein Vakuum, das sie jetzt füllen kann und auch möchte. Womit? Mit einer Politik, die nahe am Bürger sei, die von Pragmatismus und nicht von Ideologien geprägt werde. Diese Sicht auf die Politik ist auch der Grund, warum die gebürtige Niederrodenbacherin, die seit 2001 in Bruchköbel lebt, 2008 dem Bürgerbund beigetreten ist. „Für uns werden weiterhin die Instandhaltung der Straßen und Gehwege sowie bezahlbarer Wohnraum die Themen sein, die wir besetzen wollen.“ Zumindest dahingehend wird sich der BBB also nicht verändern. (Holger Weber)

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