Imkerei

Erst schleudern, dann schlecken: Holger Kleiß und Inken Schwarz sind Hobby-Imker mit Leib und Seele

Der Honig, den Holger Kleiß und Inken Schwarz von ihren Bienen ernten, kommt von Bruchköbeler Blumen und Blüten. Regionaler geht´s nicht.
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Der Honig, den Holger Kleiß und Inken Schwarz von ihren Bienen ernten, kommt von Bruchköbeler Blumen und Blüten. Regionaler geht´s nicht.

„Ihre Vollkommenheit“, lautet die spontane Antwort von Holger Kleiß auf die Frage, was ihn an Bienen besonders fasziniert. „In einer Nacht haben sie die durchs Honigschleudern zerstörte Waben wieder repariert“, sagt der Hobby-Imker und zeigt fast stolz ein Foto mit perfekt geformten Bienenwaben.

Bruchköbel – Eigentlich ist Kleiß Elektroinstallateur in der Planungsabteilung einer Firma, aber seit er vor vier Jahren die Imkerei als Hobby für sich entdeckt hat, geht er darin auf. „Es ist fast ein bisschen wie eine Sucht“, schmunzelt er. Gut, dass auch seine Lebensgefährtin Inken Schwarz begeistert von den schwarz-gelben Insekten ist. Mittlerweile sind beide Hobby-Imker mit Leib und Seele, betreuen 21 Bienenvölker und haben jetzt den Bruchköbeler Wald-, Wiesen- und Blüten-Honig erfunden.

Alles fing damit an, dass Kleiß vor vier Jahren Mitglied im Hanauer Imkerverein wurde. „Ich habe ein ganzes Jahr in das Thema reingeschnuppert“, erinnert sich der 55-Jährige beim Gespräch im Hof seines Hauses in der Friedrich-Ebert-Straße. Nach einem Jahr hat er schließlich mit ein paar eigenen Ablegern selbst das Imkern angefangen. „Das sind noch junge Völker, die zu Wirtschaftsvölkern heranwachsen.“

Mittlerweile erntet er von 16 Völkern rund 725 Kilogramm Honig. Ein Bienenstock besteht aus 30 000 bis 40 000 Bienen. „Das ist viel Arbeit, wir sind tagelang in der Küche am Honig schleudern“, lacht Inken Schwarz. Und Kleiß zeigt Fotos, wie sie den Honig in großen 25-Kilo-Eimern rühren. Auch die Kinder der Patchwork-Familie helfen mit. Der Sohn von Schwarz hilft beim Schleudern und die Tochter von Kleiß hat die Etiketten der Honiggläser entworfen und gezeichnet. In einer Bleistiftzeichnung ist der Kirchturm der Jakobuskirche umrankt von Blumenblüten zu sehen. Und weil sie auch Völker in Roßdorf stehen haben, ziert das historische Roßdorfer Backhaus das Etikett des Honigs aus Roßdorf.

Hobbyimker haben ihre Völker in allen Ortsteilen von Bruchköbel stehen

„Wir haben unsere Völker in allen Ortsteilen stehen“, berichtet Kleiß. Die genauen Standorte sollen nicht genannt werden, zu viele seiner Imker-Kollegen haben schon böse Erfahrungen mit Bienen-Dieben machen müssen, die ganze Völker über Nacht gestohlen haben.

Kleiß ist gebürtiger Bruchköbeler, darum sei es keine Frage für ihn gewesen, wie er den Honig seiner Bienen nennt. „Schließlich fliegen die Bienen im Umkreis von drei Kilometern um ihren Standort herum“, erzählt Inken Schwarz. Beide freuen sich, dass sie mit dem Honig zum gelebten Umweltschutz beitragen können. „Es ist ein absolut regionales Produkt.“

In diesem Jahr war die Sommerschleuderung aufgrund der Wetterbedingungen schon früh. „Das bedeutet, dass wir den Völkern früher Zuckerwasser zufüttern müssen.“ Beide betonen, dass Imkern ein verantwortungsvolles Hobby sei und zeit- sowie arbeitsintensiv. Sie halten nichts davon, sich Utensilien im Internet zu bestellen oder ein Bienenvolk auf dem Balkon zu halten.

Bruchköbel: Urlaubsplanungen der Hobbyimker richten sich nach den Bienen

„Wir müssen auf die Natur schauen und sie respektieren“, so Kleiß. Ihre Urlaubsplanung beispielsweise richtet sich nach den Bienen. Denn wenn der Raps verblüht ist, sollte der Honig aus den Waben geschleudert werden. „Dann haben wir sehr viel zu tun“, erzählt Kleiß und Inken Schwarz ergänzt „Imkern ist eben ein Stück Landwirtschaft.“

Liebevoll gezeichnete Etiketten zieren die Honig-Gläser des Bruchköbeler Honigs.

Sie beziehen ihr Imker-Equipment wie beispielsweise die Gläser für den Honig aus regionalen Bienenzubehör-Geschäften in Butzbach oder Aschaffenburg. Und im Imkerverein tauschen sie sich mit Gleichgesinnten aus.

Auf den Honig ihrer Bienen sind die Hobby-Imker stolz. Es gibt einen hellen, etwas zähflüssigeren Honig. „Das ist ein Rapshonig, der ist sehr mild“, so Schwarz, die von Beruf Coaching und Mentaltraining anbietet. Die dunklere Sorte ist flüssiger und kräftiger im Geschmack. „Den hellen kann man sich dicker aufs Brot schmieren“, lacht Schwarz.

Verkauf der Produkte auf „Honig aus Bruchköbel“

Noch verkaufen sie ihren Honig von zuhause aus. Auf ihrer Facebook-Seite „Honig aus Bruchköbel“ stehen die Kontaktdaten. Gerne wollen sie ihre Produkte in regionale Verkaufstellen anbieten. Denn Inken Schwarz hat jetzt auch angefangen, Wachstücher aus dem Bienenwachs zu produzieren.

Einen passenden Vertriebsweg haben sie aber noch nicht gefunden. Ob sie einen Tipp für Interessierte haben, die es auch mit der Imkerei probieren wollen? „Man sollte es sich nicht zu einfach machen, Imkern ist eine große Verantwortung. Am besten man tritt erst mal in einen Imkerverein ein und schaut zu“, findet Holger Kleiß.

Kontakt

Holger Kleiß, Freidrich-Ebert-Straße 28, Telefon: 0157/83604323

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