Ehrenamtliche Aktion

Erster Einsatz in Bruchköbel: Ehrenamtliche reinigen Kriegsgräber und Denkmäler

Ehrenamtlich im Einsatz: René Graf (von links), Mathias Möller, André Kempel (vorne) und Benjamin Schäfer.
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Ehrenamtlich im Einsatz: René Graf (von links), Mathias Möller, André Kempel (vorne) und Benjamin Schäfer.

Was war denn am Samstag auf den Friedhöfen in Bruchköbel, Roßdorf und Niederissigheim los? Die Wagen der Freiwilligen Feuerwehren waren deutlich sichtbar im Einsatz und es herrschte eine ungewöhnliche Betriebsamkeit. Auch Landrat Thorsten Stolz (SPD) war am Samstagvormittag auf dem Hauptfriedhof zu sehen. Der Politiker kam mit den elf freiwilligen Helfern der Reservisten Hanau, der Marinekameradschaft und der Freiwilligen Feuerwehren ins Gespräch.

Bruchköbel - Der Anlass: Zum ersten Mal wurden in der Region in einer gemeinsamen Aktion Kriegsgräber und Denkmäler gereinigt. Bruchköbel machte den Anfang.

Angestoßen und geplant hatte die ehrenamtliche Aktion der Gefreite im Ruhestand (i.R.) André Kempel. Der Reservistenverband Kreisgruppe Südhessen hatte im letzten Jahr die Stelle des Kreisbeauftragten für Kriegsgräber neu eingerichtet. Und als erster Beauftragter für Kriegsgräber wurde André Kempel ernannt. Kempel ist Vorsitzender der Hanauer Reservisten im Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr e.V. und engagiert sich seit Jahren für Pflege und Erhalt der Kriegsgräber. „Durch Corona waren uns allen die Hände gebunden“, so Kempel. „Die Sammlungen für den Volksbund deutscher Kriegsgräberfürsorge fiel genau so aus wie internationale Arbeitseinsätze beispielsweise in Italien oder Frankreich.“

Diese Grabsteine gefallener Soldaten sollen neu beschriftet werden, die Farbe spendet Steinmetz Mathias Möller.

Gefreiter i.R. Kempel sah sich genauer auf den Friedhöfen im Gebiet der Kreisgruppe Südhessen um und stellte fest, dass auch hier durchaus Handlungsbedarf bestehen würde. Bei Bruchköbels Bürgermeisterin Sylvia Braun (FDP) stieß Kempel mit seinem Anliegen auf offene Ohren. Die Planung für eine kostenlose ehrenamtliche Reinigung der Kriegsgräber und Denkmale konkretisierte sich.

Unterstützt wurde die neu gegründete Reservistenarbeitsgruppe (RAG) von den Freiwilligen Feuerwehren in Bruchköbel, Roßdorf und Niederissigheim, die Strom und Wasser für die Aktion bereitstellten und der Marinekameradschaft aus Hanau, die ebenfalls die Arbeit des Volksbundes unterstützt. Die Grabsteine wurden in Handarbeit mit einem Hochdruckreiniger, mit Besen und Bürste von Moos, Flechten und Schmutz befreit. „Wir wollen mit unserer Aktion auf die Gräber aufmerksam machen.“ Das sinnlose Sterben vieler junger Männer in zwei Weltkriegen soll nicht vergessen werden. Nicht nur am Volkstrauertag sollten die Gräber Beachtung finden. „Es erfüllt uns mit Stolz, einen Beitrag leisten zu können, damit diese Stätten wieder einen ehrenvollen Anblick genießen“, sagt Kempel.

Auf dem Friedhof in Roßdorf müssen die ehrenamtlichen Grabreiniger zwei Blumenschalen vor dem harten Wasserstrahl retten, ehe sie das große Ehrenmal reinigen. „Wir machen das sehr gerne“, sagt René Graf von der RAG. Benjamin Schäfer und Mathias Möller von der FFW Roßdorf stimmen sofort zu. Auch in Roßdorf gehen die Erinnerungen allmählich verloren.

Mit einem Hochdruckreiniger säubert Gefreiter im Ruhestand André Kempel das Kriegsenkmal auf dem Friedhof in Roßdorf.

Steinmetz Mathias Möller hat vor einigen Jahren vier Grabsteine von gefallenen Soldaten versetzt. Drei der darin bestatteten jungen Männer sind bei einem Flugzeugabsturz gestorben. Man erzählt, sie seien vom Fliegerhorst Dieburg zu einem Aufklärungsflug gestartet. Tief seien sie geflogen, bei schlechter Sicht und viel Nebel. Nicht weit vom Dorf ist der Flieger abgestürzt. Einige Menschen aus Roßdorf seien zur Unglücksstelle geeilt, konnten aber nicht mehr helfen.

Für diese vier Grabsteine wird der Steinmetz kostenlos Farbe zur Verfügung stellen, damit Kempel an einem der nächsten Samstage die Schrift wieder nachziehen kann. Das große Denkmal aus Muschelkalk jedenfalls kann sich wieder sehen lassen. „Ein wenig Patina soll bleiben“, meinen die vier Männer.

Erst in ein paar Jahren wird die RAG wieder in Bruchköbel gebraucht. Vorher aber würden sie gerne in anderen Gemeinden aktiv werden, Landrat Stolz habe seine Unterstützung zugesagt. Außerdem geht Kempel davon aus, dass die Reservisten wieder von Haus zu Haus gehen und um Spenden bitten können. „Mit dieser Sammlung unterstützen wir die Arbeit des Volksbundes. Der Volksbund kümmert sich bundesweit und international um die Klärung von Vermisstenschicksalen und die Pflege der Soldatenfriedhöfe.“ (Von Ulrike Pongratz)

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