Regierung in Nepal mit harten Maßnahmen gegen Corona

Jannik Hoffmann engagiert sich mit seiner Familie in Nepal - Ein befreundeter Arzt hält sie in der Corona-Krise auf dem Laufenden

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Nepal ist für sie ein zweites Zuhause: Die Familie Hoffmann rund um SGB-Kreisläufer Jannik (Mitte) engagiert sich seit 18 Jahren für eine Schule in der Hauptstadt Kathmandu. Mit dem ehemaligen Schüler Mingmar Sherpa (dritter von rechts) haben sie eine Gesundheitsstation aufgebaut.Das Bild entstand vor Ausbruch der Corona-Epidemie.

Corona hat die Menschen auch im höchsten Gebirge der Welt, im Himalaya, fest im Griff. Die Familie von SGB-Handballer Jannik Hoffmann engagiert sich seit fast zwei Jahrzehnten in Nepal, indem sie in der Hauptstadt Kathmandu eine Schule für Kinder aus ärmsten Familien aus dem Umland unterstützt.

Daher steht die Familie in engem Kontakt zur dortigen Bevölkerung und beobachtet die Lage dort sorgenvoll aus der Ferne: „Normalerweise muss man sich Kathmandu wie einen Ameisenhaufen vorstellen“, sagt Jannik. „Überall ist Leben, überall bewegt sich etwas, überall wird gearbeitet. Und im Moment sind die Straßen komplett leergefegt. Auf Videos, die wir von Freunden geschickt bekommen, wirkt die Millionenmetropole geisterhaft.“

Einheimische berichten von der Lage in Nepal

Über seinen Freund Wangchuk, der selbst als Kind auf die Shree Mangal Dvip Boarding School (SMD) ging, die Janniks Familie seit 18 Jahren unterstützt, wird Jannik über die aktuelle Lage in Nepal informiert. Der 29-jährige Wangchuk ist derzeit nämlich einer der wenigen, die sich in Nepal frei bewegen dürfen.

Er ist dort mittlerweile Arzt geworden, behandelt in sogenannten Gesundheitscamps in entlegenen Dörfern mit schlechter Infrastruktur kostenlos die Bevölkerung und hilft den Hoffmanns seit mehreren Jahren, zwei Gesundheitsstationen in Nepal aufzubauen.

Gesundheitssystem in Nepal nicht gut ausgebaut - Regierung mit harten Maßnahmen

„In Nepal gilt derzeit eine strikte Ausgangssperre, weil das Gesundheitssystem nicht so gut ausgebaut ist und enorm überfordert wäre, wenn sich die Covid-19-Krankheit dort in weiten Teilen ausbreitet“, sagt Jannik. „Deshalb hat die Regierung relativ schnell und sehr hart durchgegriffen. Die Leute dürfen ihre Häuser so gut wie gar nicht mehr verlassen und das ist für die Bevölkerung wirklich etwas ganz anderes als bei uns in Deutschland, da Nepalis auf engstem Raum mit vielen Menschen zusammenwohnen.“

Polizei greift hart durch

Höchstens zum Einkaufen oder für den Gang zur Apotheke dürften die Menschen kurz das Haus verlassen. Andernfalls müssten sie mit Festnahmen rechnen, erzählt Jannik: „Wenn man rausgeht, greift die Polizei hart durch. Die Polizisten haben ungefähr zwei Meter lange Stäbe mit einer Art Zange vorne dran, mit denen sie die Leute einfangen und ins Polizeiauto abführen. Das sind ganz komische Bilder aus Nepal, die zeigen, dass die Ausgangssperre einen hohen Stellenwert hat.“

Darf sich während Ausgangssperre frei bewegen: Arzt Wangchuk desinfiziert die Räumlichkeiten der Schule.

Über diese Einfangvorrichtung, mit der unter normalen Umständen beispielsweise Leichen aus Flüssen geborgen werden, soll der nötige Sicherheitsabstand eingehalten werden. Über diese Maßnahmen würden uneinsichtige Menschen laut dpa-Berichten über die Ausgangsperre aufgeklärt und anschließend wieder freigelassen werden. Die Ausgangssperre sei jedoch für den Großteil der Bevölkerung existenzbedrohend: „Generell ist das so, dass die Menschen, anders als bei uns, meist keine Ersparnisse haben und von Tag zu Tag sehen müssen, wie sie sich ernähren können“, sagt Jannik. „Wie das jetzt sozial und wirtschaftlich aufgefangen werden soll, ist mir ein Rätsel.“

Viele Existenzen bedroht: Tourismus ist die Haupteinnahmequelle

Auch dass der Tourismus als Haupteinnahmequelle ausbleibe, treffe das Land schwer. „Viele Menschen ziehen aus Kathmandu auf die Dörfer, weil dort eher noch Nahrung vorhanden ist und nicht so viele Menschen aufeinandertreffen wie in der Großstadt.“

Die Ausgangssperre führt in den sonst vollen Straßen von Nepal zu gespenstischer Leere

In Kathmandu leben derzeit knapp eine Million Menschen, weitere 1,3 Millionen in dem darum liegenden Ballungsraum. Wie alle Schulen in der nepalesischen Hauptstadt ist auch die SMD-Schule vorrübergehend geschlossen. Die Kinder wurden zu ihren Familien geschickt und die Räumlichkeiten werden momentan von Mönchen genutzt, die im Kloster zu wenig Platz zur Einhaltung der Abstandsregeln hätten. Wangchuk ist auch ein buddhistischer Mönch und desinfiziert regelmäßig das Schulgelände.

Schüler kommen aus abgelegenen Dörfern

„Auf der Schule sind vor allem Kinder, deren Familien in abgelegenen Dörfern leben und die eigentlich keine schulische Ausbildung bekommen könnten, weil es dort entweder keine Schulen gibt oder die Gebühren für die Familien zu teuer wären“, sagt Jannik. „Wenn die Kinder zu ihrer Familie fahren wollen, ist es oft so, dass sie ein bis zwei Tage mit dem Bus unterwegs sind und dann noch fünf Tage dorthin laufen müssen.“

Daher leistet die Schule wichtige Entwicklungsarbeit für diese Regionen. Das Internat ist an ein buddistisches Kloster angeschlossen und wird durch Spenden finanziert, die es den Kindern ermöglichen, kostenlos zur Schule zu gehen. 

Hoffmanns Vater startete Engagement für die Schule

„Mein Vater ist eigentlich per Zufall im Urlaub auf die Schule aufmerksam geworden. Da wollte er den Menschen, die ihn so gastfreundlich und aufgeschlossen behandelt haben, etwas zurückgeben“, berichtet Jannik. „Die Schule wird von einer Kanadierin geleitet, die sich entschlossen hat, in Nepal zu leben. Das ist eigentlich ziemlich genial, weil so in Bezug auf die schulische Ausbildung auch nach westlichen Standarts eine sehr hohe Qualität gewährleistet werden kann.“

Kinder wurdenzu ihren Familien in Bergdörfer geschickt: Schüler und Mönche teilten sich die Klassenzimmer bevor sie wegen Corona-Epidemie geschlossen wurde.

Über die Jahre haben Janniks Vater Günther, seine Mutter Renate und sein Bruder Malte in enger Zusammenarbeit mit der Schulleiterin die verschiedensten Projekte umgesetzt. So wurden Solarzellen auf dem Dach angebracht, um eine bessere Stromversorgung zu gewährleisten, die Duschräume für Mädchen neu gestaltet und Wasseraufbereitungsanlagen gesponsort. Das Geld dafür sammelt Janniks Vater, der in Mühlheim als Bäckermeister arbeitet, meist über Diavorträge, in denen er von dem Engagement der Familie erzählt.

Jannik Hofmanns Bruder lebte ein halbes Jahr in Kathmandu

Mittlerweile übernehmen die Vorträge auch Jannik und sein Bruder Malte, der ein halbes Jahr in Kathmandu lebte. „Wir erzählen dann, welche Projekte wir in Nepal realisieren konnten und zeigen Fotos, sodass die Leute, die gespendet haben, auch sehen, wo das Geld eingesetzt wurde. Wir sind kein Verein und dementsprechend läuft das alles auf Vertrauensbasis und die einzige Quittung, die wir den Leuten geben können, sind die Bilder auf denen zu sehen ist, dass das Geld ankommt.“ 

Doch auch das Helfen in der Krise sei derzeit schwierig. „Die Diavorträge können jetzt in der Corona-Krise nicht stattfinden“, sagt Jannik. „Und wir müssen schauen, wie hoch die Spendenbereitschaft ist, weil die Krise natürlich für viele auch in Deutschland finanzielle Probleme mit sich bringt.“ Daher sei auch noch unklar, welche Projekte als nächstes realisiert werden können. Das entscheidet die Familie immer gemeinsam.

Hoffmanns leisten Hilfe zur Selbsthilfe

Nepal ist dabei für die Hoffmanns längst zu einer zweiten Heimat geworden und die Menschen sind ihnen sehr ans Herz gewachsen. „Uns ist es ganz wichtig, dass das Geld dort nachhaltig eingesetzt wird, also eigentlich Hilfe zur Selbsthilfe ist“, sagt Jannik. Und die trifft dort auf fruchtbaren Boden, denn die Kinder der Schule sind es auch, die mit den Hoffmanns nach ihrem Abschluss Hilfsprojekte in Nepal umsetzen.

„Die ehemaligen Schüler wissen genau, was wo gebraucht wird und durch die langjährige Freundschaft zu den Leuten, haben wir sehr viel Vertrauen, dass die Projekte auch nach unseren Ideen umgesetzt werden“, sagt Jannik.

Familie unterstützt Aufbau einer Gesundheitsstation

Das beste Beispiel dafür ist Wangchuk. Auf seine Initiative hin unterstütze die Familie den Aufbau einer Gesundheitsstation in einem entlegenen Dorf an der tibetischen Grenze. Denn bei den schweren Erdbeben im Jahr 2015, das in Nepal knapp 8800 Menschen das Leben gekostet hat, ist in dem Dorf des ehemaligen Schülers Mingmar Sherpa eine Gesundheitsstation zerstört worden und in Wangchuks Heimatdorf gab es keine medizinische Versorgung.

In Folge der Ereignisse konnte die Familie einen höheren Spendenbetrag sammeln und dort zusammen mit Mingmar und Wangchuk die entsprechenden Räumlichkeiten bauen. „Wenn so eine Gesundheitsstation nämlich erstmal existiert, ist die Regierung in Nepal dazu verpflichtet, die Gesundheitsversorgung zu gewährleisten und setzt dort einen Arzt ein“, erklärt Jannik.

In Wangchuks Dorf richtet die Familie aktuell eine Geburtenstation ein, da die Kindersterblichkeit in Nepal sehr hoch ist. Auch hier sind die Räumlickeiten soweit vorbereitet, aber die Familie wartet noch, dass die Regierung darauf mit der Entsendung einer Hebamme oder eines Arztes reagiert. Im Winter oder Frühling des kommenden Jahres will die Familie über Veranstaltungen wieder Spenden sammeln, um die Arbeit an der Schule und den Gesundheitsstationen voranzutreiben.

Kontakt zu den Hoffmanns

Wer das Engagement der Familie unterstützen oder sich über ihre ehrenamtliche Arbeit in Nepal informieren möchte, kann sich unter Telefon 0 61 08/7 70 20 oder 01 76/ 21 57 23 20 bei Günther Hoffmann melden oder ihm eine E-Mail an baeckerei.hoffmann@t-online.de schreiben.

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