Kostenexplosion

Kosten verdoppeln sich: Politik in Bruchköbel diskutiert über Feuerwehrgerätehaus

Freiwillige Feuerwehren beginnen wieder Ausbildung
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Ist ein neues Feuerwehrgerätehaus in Butterstadt nötig? Darüber diskutiert die Politik angesichts der explodierenden Kosten.

Die Kosten für ein neues Feuerwehrgerätehaus in Bruchöbel (Main-Kinzig-Kreis) explodieren. Die Politik diskutiert über die Notwendigkeit der Baumaßnahme. Feuerwehrleute warnen vor "fatalem Signal".

  • Das neue Feuerwehrgerätehaus in Bruchköbel wird viel teurer als geplant
  • Grund ist eine dramatische Fehlkalkulation
  • Die Freiwillige Feuerwehr warnt 

Bruchköbel – Braucht in Bruchköbel jeder Stadtteil eine eigenständige Freiwillige Feuerwehr und vor allem: ein eigenes Gerätehaus? Diese Fragen tauchen in der städtischen Politik immer wieder auf, wenn wie jetzt beim Feuerwehrgerätehaus in Butterstadt eine hohe Investition ins Haus steht.

Bau von Feuerwehrgerätehaus doppelt so teuer wie geplant

Das bisherige Gebäude genügt nicht mehr den Anforderungen und muss an anderer Stelle ersetzt werden. Die Investition kommt die Kommune bekanntlich fast doppelt so teuer zu stehen wie ursprünglich geplant. Statt 800 000 Euro soll der Bau in Bruchköbels kleinstem Stadtteil rund 1,5 Millionen Euro kosten.

Diese Hiobsbotschaft verkündete Bürgermeisterin Sylvia Braun in der vergangenen Stadtverordnetensitzung. In der nächsten Sitzung des Parlaments soll es darum gehen, wie die Stadt die zusätzlichen Kosten stemmen wird. Braun schlug in der letzten Sitzung vor, den noch fehlenden Betrag von 700 000 Euro in den Haushalt für 2021 einzustellen.

Zudem könnten Gelder für eine verschiebbare Brückensanierung in der Innenstadt genommen werden. „Dafür stehen rund 500 000 Euro zur Verfügung“, so die Bürgermeisterin. Von den Stadtverordneten möchte sie ein politisches Signal für ihren Plan.

Fehlkalkulation führt zu Verdopplung der Kosten

Der Grund für die Verdopplung der Kosten ist eine schon weiter zurückliegende fehlerhafte Kalkulation des Bauamtes. Wie dessen Chef Holger Entzel jüngst berichtete, war man davon ausgegangen, dass die Kosten sich in einem ähnlichen Rahmen bewegen wie vor einigen Jahren beim Feuerwehrgerätehaus in Oberissigheim.

„Ein reiner Zweckbau“: Dennoch wird das Feuerwehrgerätehaus in Butterstadt fast doppelt so teuer wie ursprünglich veranschlagt.

Doch sei dabei nicht berücksichtigt worden, dass sich die Bauvorschriften geändert haben, unter anderem ein Schwarz-Weiß-Bereich geschaffen werden muss, eine Art Schleuse innerhalb des Gebäudes, die die Kosten in die Höhe schnellen lässt.

Steuereinnahmen sinken wegen Corona-Krise

Angesichts sinkender Steuereinnahmen aufgrund der Corona-Krise und der hohen Kosten durch den Stadtumbau denkt nun so manch einer darüber nach, ob eine Zusammenlegung der Butterstädter Feuerwehr mit einer anderen Stadtteilfeuerwehr nicht auch eine Lösung wäre.

Beispielsweise Uwe Ringel, Chef der Grünen-Fraktion, der diesen Lösungsansatz jetzt zur Sprache brachte. Für Bürgermeisterin Braun stellt dies keine Alternative dar: „Wir haben doch den Bedarfs- und Entwicklungsplan erstellen lassen, aus dem hervorgeht, dass wir ein Gerätehaus in Butterstadt brauchen. Da ist es doch nicht sinnvoll, den Empfehlungen des Fachplaners jetzt nicht mehr zu folgen“, so Braun.

Feuerwehrgerätehaus entspricht nur dem Nötigsten

Stadtbrandinspektor Klaus Lauterbach springt ihr zur Seite: „Der Plan wurde einstimmig verabschiedet.“ Jetzt wieder eine Debatte zu eröffnen sei nicht zielführend, so Lauterbach. Bei dem neuen Feuerwehrgerätehaus handele es sich um das Nötigste, „einen minimalistischen Zweckbau“, der jedoch die DIN Norm erfüllen müsse, damit die Stadt auch die bereits zugesagten Fördermittel in Höhe von rund 200 000 Euro vom Land Hessen abrufen könne, so der Stadtbrandinspektor.

Die Hilfsfrist von zehn Minuten könne ohne einen Standort in Butterstadt nicht eingehalten werden.

Freiwillige Feuerwehr mit verhältnismäßig vielen Einsatzkräften

Derzeit verfügt die Freiwillige Feuerwehr in Butterstadt nach Angaben von Braun und Lauterbach über zwölf aktive Einsatzkräfte. „Das sind sehr viele vor dem Hintergrund, dass es in Butterstadt nur rund 270 Einwohner gibt“, so Lauterbach.

Zu berücksichtigen gelte es auch, dass in dem Ort gleich zwei Baugebiete ausgewiesen seien und die Zahl der Einwohner sich in den kommenden Jahr verdoppeln könnte. „Wir müssen da auch an die Zukunft denken“, fügt Braun hinzu.

Grüne gegen Sparmaßnahmen bei Feuerwehren

Ringel präzisierte seine Aussagen aus dem Ausschuss im Gespräch mit unserer Zeitung. Im Feuerwehrbedarfsplan seien auch mögliche Sparmaßnahmen, unter anderem die Zusammenlegung von Stadtteilfeuerwehren, als Optionen aufgeführt, so der Grüne.

Allerdings macht er auch deutlich, dass eine solche Entscheidung nicht über die Köpfe der Feuerwehrleute hinweg getroffen werden könne. Er schlägt die Einberufung eines runden Tischs vor. Dort könnten auch die aktuellen Daten und Fakten noch einmal geklärt werden. Schließlich seien die Angaben, die seinerzeit für den Bedarfsplan erstellt worden seien, nun mehr als drei Jahre alt.

Schließung der Feuerwehr wäre "fatales Signal"

Keinen Zweifel an der Notwendigkeit eines Gerätehauses lassen die Aktiven selbst: „Die Schließung eines Standorts wäre auch ein fatales Signal an die Ehrenamtlichen“, meint beispielsweise Roßdorfs Wehrführer Mathias Möller. In Butterstadt habe die Feuerwehr über die Sicherheitsaspekte hinausgehend auch eine andere wichtige soziale Aufgabe. „Die Feuerwehr ist dort der einzige Verein“, so Möller.

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