Deutsche Unfall- und Katastrophenopferhilfe e.V. (DUK)

„Golf hat mir das Leben gerettet“: Im Rollstuhl kämpft Jens Maspfuhl für die Belange von Behinderten

Gründeten ein Golfleistungszentrum für Golfer mit Behinderungen: der Bruchköbeler Jens Maspfuhl (rechts) und Trainer Robert Schmalfuss.
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Gründeten ein Golfleistungszentrum für Golfer mit Behinderungen: der Bruchköbeler Jens Maspfuhl (rechts) und Trainer Robert Schmalfuss.

Über seinen Sport und die Deutsche Unfall- und Katastrophenopferhilfe e.V. (DUK) setzt sich Jens Maspfuhl für die Chancengleichheit von Menschen mit Behinderung ein. Beim Training spricht der neunfache deutsche Meister der Golfer mit Behinderung über seine Beweggründe und Ziele.

Bruchköbel –Jens Maspfuhl spielt seit fast 20 Jahren leidenschaftlich Golf. Als Amateur erreichte er mit einem Handicap von 8,9 professionelles Niveau, schlug den Ball 300 Meter weit. Bis 2003, als der damals 37-Jährige in Thailand von einem Auto angefahren und mit Genickbruch in eine Spezialklinik eingeliefert wurde.

Kaum zu ermessen, wie viel Lebensmut, Willensstärke und Optimismus ein Mensch mit der Diagnose „Querschnittsgelähmt ab dem siebten Halswirbel“ aufbringt, um noch im Unfallkrankenhaus zu sagen: „Ich will wieder zurück auf den Golfplatz und spielen. Alle meine Freunde sind Golfer.“

Tatsächlich kämpft sich Maspfuhl nach seinem Unfall zurück auf den Golfplatz und ist in der Öffentlichkeit medienwirksam präsent. Denn für den Rollstuhlfahrer Maspfuhl ist nicht nur seine Anerkennung als ein gleichwertiges Mitglied in der Gesellschaft wichtig, sondern er wünscht sich, dass Menschen mit Handicap in der Gesellschaft als leistungsfähig wahrgenommen, dass Chancengleichheit und auch Barrierefreiheit stärker in den Fokus genommen werden. Hierzu bietet der Golfsport eine ideale Basis.

Deutsche Unfall- und Katastrophenopferhilfe wurde 2005 gegründet

Im Jahr 2005 gründet er die Deutsche Unfall- und Katastrophenopferhilfe, die mit Unterstützung des Landes Hessen und des Hessischen Behinderten- und Rehabilitations Sportverbandes ein Golf-Leistungszentrum für Golfer mit Behinderung aufbaut. Trainer Robert Schmalfuss bildet hier Menschen mit und ohne Behinderung aus, Rollstuhlfahrer wie Jens Maspfuhl, aber auch in der Kategorie „Arm“, „Bein“ oder „mental“. „Wir bieten hier auch Schnupperkurse für Kinder mit und ohne Behinderung, arbeiten seit drei Jahren mit dem Golfclub Oberursel zusammen“, erläutert Maspfuhl.

Auf der Driving Range üben gerade der elfjährige Maxim und der ehemalige Ausdauersportler Markus, der nach einem Schlaganfall stark beeinträchtigt ist, ihren Abschlag. Die Stimmung ist heiter und gelassen, alle begrüßen sich herzlich. Jens Maspfuhl ist mit seinem Paragolfer vor Ort, einem E-Rollstuhl speziell für Golf hergestellt, mit dem er sich aufrichten kann. Er schlägt den Golfschläger nur aus der Schulter heraus. Ein super Schlag! Robert Schmalfuss hat den TrackMan aufgebaut, ein professionelles Hightech-Gerät, das die Golfer beim Abschlag aufzeichnet.

Das kurze Video schickt der Trainer an die Golfer, die sich dann selbst sehen und ihren Abschlag analysieren und verbessern können.

Golf als inklusiver Sport

„Golf ist ein inklusiver Sport. Wir üben mit demselben Equipment und spielen zu 99 Prozent dieselben Turniere“, erklärt Maspfuhl. Maxim zum Beispiel ist Autist. Beim Golfen findet er Ruhe und Konzentration und kann selbst über fünf Stunden und 18 Löcher eine konstante Leistung abrufen. Beim letzten Jens-Maspfuhl-Charity-Turnier hat der Nachwuchsgolfer in seiner Kategorie den zweiten Platz belegt. Nur die deutsche Meisterschaft wird nicht inklusiv gespielt, sondern unter Golfern mit Behinderung ausgetragen. Diese Turniere, insbesondere natürlich die Charity-Events der DUK, nutzt Jens Maspfuhl, um ins Gespräch zu kommen. Hier trifft der Mann in seinem Paragolfer Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Sport wie beispielsweise Innenminister und Golfer Peter Beuth oder auch Profifußballer wie Andy Möller.

Maspfuhl, Handicap 18, ruft als Golfer seine Leistung ab. Er nutzt seinen Sport als Türöffner, um Berührungsängste mit behinderten Menschen abzubauen. „Man hat Zeit, sich auszutauschen, kann fragen, was man schon immer mal wissen wollte.“ Dabei macht der Rollstuhlfahrer niemandem Vorwürfe.

Vor seinem Unfall hatte er sich in der Frankfurter Musikszene als Eventmanager, Inhaber eines Plattenlabels und eines Frankfurter Nachtclubs einen Namen gemacht. Damals waren für ihn barrierefreie Eingänge oder behindertengerechte Toiletten kein Thema. In seinem Freundeskreis gab es keine Menschen mit Handicap. Heute sagt er: „Es ist immer noch nicht einfach, eine barrierefreie Wohnung zu finden. Es gibt kein Gesetz, dass Ärzte barrierefrei erreichbar sein müssen. Und es ist einfach nicht würdevoll, wenn fünf Leute den Rollstuhl unfallträchtig irgendwie eine Treppe hochziehen müssen.“

Forderung nach mehr Chancengleichheit für Menschen mit Behinderung

Er wünscht sich für Menschen mit Behinderung mehr Aufmerksamkeit, vor allem aber Chancengleichheit insbesondere auf dem Arbeitsmarkt. „Deutschland ist kein Vorzeigeland, da sind andere Länder weiter“, sagt er. Darüber spricht Maspfuhl unter anderem mit Politikern wie Max Schad, dem behindertenpolitischen Sprecher der CDU-Fraktion im Landtag.

Zudem fliegt er trotz Rollstuhl regelmäßig nach Thailand. Dort fördert der gemeinnützige Verein DUK nicht nur behinderte Golfer, sondern unter anderem liegt Maspfuhl die Father-Ray-Foundation sehr am Herzen, eine der wenigen Berufsschulen im Thailändischen Pattaya. „In Thailand gibt es keine staatliche Unterstützung für behinderte Menschen. Sie brauchen eine Ausbildung, denn sie müssen Geld verdienen.“ Die Covid-19-Pandemie hat die Aktivitäten des Vereinsgründers, seit Juni kann er aber wieder über den Friedberger Golfplatz rollen. Denn für das kommende Jahr steht das 17. Jens Maspfuhl Charity Turnier fest im Terminkalender.

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