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Corona-Tragödie: Junger Vater verliert Partnerin nach der Geburt – Kollegen starten rührende Hilfsaktion

Über 160 Urlaubstage haben Kollegen diesem jungen Vater gespendet, der eine Corona-Tragödie erlebte.
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Über 160 Urlaubstage haben Kollegen diesem jungen Vater gespendet, der eine Corona-Tragödie erlebte.

In Bruchköbel nahe Hanau spielt sich eine Corona-Tragödie ab. Ein junger Vater und ein neugeborenes Baby verlieren kurz nach der Geburt die Mutter.

Bruchköbel – Manchmal ist das Schicksal unnachgiebig, schlägt derart zu, dass einem der Atem wegbleibt. Im Angesicht einer Tragödie, die trauriger nicht sein kann, erstarren viele Menschen. Nicht so die über 150 Mitarbeiter bei der Firma Odenwäller aus Butterstadt. Für einen jungen Kollegen, der vom Schicksal stark gebeutelt wurde, startete die Belegschaft eine ungewöhnliche Hilfsaktion.

Was geschehen ist: Der junge Mann aus dem Kosovo verliert vor wenigen Wochen seine Frau und bleibt mit einem neugeborenen Baby zurück. Da hat der 30-Jährige schon Wochen der Hoffnung und Verzweiflung hinter sich. Das Unglück nimmt Anfang des Jahres seinen Lauf, als beide Eltern am Coronavirus erkranken. Die junge werdende Mutter ist zu diesem Zeitpunkt im siebten Monat schwanger.

Corona-Tragödie bei Hanau: Anteilnahme bei Bruchköbeler Unternehmen ist groß

Leider ist der Verlauf der Viruserkrankung bei der jungen Mutter schwerwiegend. Darum muss das Baby Ende Januar per Notkaiserschnitt auf die Welt geholt werden. Der Junge wiegt bei der Geburt gerade mal 980 Gramm. Nach dem Not-Kaiserschnitt wird die junge Mutter ins künstliche Koma versetzt, um sie weiter beatmen zu können. Trotz guter medizinischer Versorgung in der Universitätsklinik Frankfurt verschlechtert sich ihr Zustand zusehends. Zwei Monate liegt sie im Koma und kämpft mit den unterschiedlichsten Komplikationen. Am Montag (15.03.2021) schließlich verliert die junge Frau den Kampf und stirbt, ohne ihren kleinen Sohn, der sich mittlerweile gut entwickelt, jemals gesehen zu haben.

Und obwohl der junge Witwer erst seit wenigen Jahren bei dem Garten- und Landschaftsgartenbetrieb Odenwäller arbeitet, ist die Anteilnahme unter seinen Kollegen groß. Ihm sei kein anderer so schlimmer Corona-Fall bekannt, meint denn auch Lukas Odenwäller. Er als Junior-Chef schließlich kommt auf die Idee, dem Kollegen Urlaubstage zu spenden. Er startet einen Aufruf unter der Belegschaft, dass jeder, der helfen möchte, dem jungen Vater Urlaubstage spenden kann. Der kann dann selbst entscheiden, ob er die freien Tage in Anspruch nimmt oder sich die Tage auszahlen lässt. „Wir sind ein Familienunternehmen, ich habe selbst drei kleine Kinder“, erzählt Lukas Odenwäller. Der Betrieb habe eine soziale Verantwortung für seine Mitarbeiter.

Corona bei Hanau: Junger Vater findet große Familie in Bruchköbel

Das Schicksal des Kollegen hätte niemand kalt gelassen. „Es gab viel Mitgefühl und eine große Anteilnahme“, berichtet der Junior-Chef. Schließlich seien unter den rund 150 Beschäftigten viele mit jungen Familien. „Als Garten- und Landschaftbau sind wir ein eher männergeprägtes Unternehmen, darum war die Identifikation mit dem jungen Vater stark.“ Die Hilfsbereitschaft war so riesig, dass mittlerweile über 160 Urlaubstage zusammen gekommen sind.

Die Firma Odenwäller hat sich bereit erklärt, diese Urlaubstage an den trauernden Vater weiterzuleiten. Entweder als freie Tage oder als finanzielle Unterstützung. „So werden wir jeden gespendeten Tag mit 200 Euro pro Mitarbeiter und mit 100 Euro pro Auszubildendem auszahlen“, schreibt Lukas Odenwäller in dem Spenden-Aufruf an die Belegschaft. Der Betrieb stockt diese Summen jeweils nochmals um die Hälfte auf.  Lukas Odenwäller freut sich nicht nur für den jungen Vater, dem diese große Unterstützung zuteil wird. Er ist auch stolz auf seine Belegschaft. „Das ist ein toller Zusammenhalt, als Geschäftsführer solche Mitarbeiter zu haben ist toll.“

Auch der Betroffene sei überwältigt von der Anteilnahme und von der Spendensumme. „Damit hatte er nicht gerechnet“, berichtet sein Chef. Der junge Vater war erst vor einigen Jahren aus dem Kosovo nach Deutschland gekommen und hat bei der Odenwäller GmbH nicht nur einen Arbeitgeber, sondern offensichtlich auch eine große Familie gefunden.

Und so zeigt diese Tragödie einmal mehr, dass großes Leid oftmals das Beste aus den Menschen herausholen kann und dass in schweren Zeiten Menschen zusammenrücken können. (Monica Bielesch)

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