Holger Entzel ist nun offiziell Pensionär

Bruchköbels Bauamtschef lässt den Hammer fallen

Selbst ist der Mann: Sein schmuckes Fachwerkhäuschen im Ortskern von Langendiebach hat Entzel vor 20 Jahren fast ganz allein saniert. Hilfe gab es nur aus der Familie.
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Selbst ist der Mann: Sein schmuckes Fachwerkhäuschen im Ortskern von Langendiebach hat Entzel vor 20 Jahren fast ganz allein saniert. Hilfe gab es nur aus der Familie.

Bruchköbel/Erlensee – Holger Entzel hat gestern seinen letzten Urlaubstag gehabt. Vier Wochen ist der Bauamtsleiter der Stadt Bruchköbel zuvor mit Lebensgefährtin Christiane Becker und dem noch recht neuen Wohnmobil quer durch Frankreich gereist. Entzel erlebt dieser Tage jedoch kein normales Urlaubende. Anders als in den Jahren zuvor ist heute Morgen der Wecker stumm geblieben.

Er kann es sich jetzt leisten, auszuschlafen. Denn seit heute ist der 63-Jährige offiziell Pensionär. Ein Ruhestand wird es angesichts der Fülle von Aufgaben, die den passionierten Geflügelzüchter und Handwerker auch weiterhin begleiten, sicherlich nicht werden.

1988 begann Entzel seine Laufbahn bei der Stadt Bruchköbel als Sachbearbeiter, zwei Jahre später war er bereits Leiter des Bauamts. Vier Bürgermeistern und einer Bürgermeisterin hat er seitdem gedient. Am Besten habe er mit Günter Maibach zusammengearbeitet, sagt Entzel, ohne lange zu überlegen. „Maibach (Elektrikermeister; Anm. der Red.) ist eben ein Handwerker. So wie ich einer bin. Wir haben eigentlich immer auf der gleichen Welle gefunkt.“

Entzels Weg war von Umwegen geprägt

Entzels Weg an die Amtsspitze war nicht klassisch, sondern von Umwegen geprägt, die er allerdings nicht missen möchte. Sein beruflicher Werdegang ließe sich in Kürze so zusammenfassen: Betonbauer, Bauzeichner, Maurer, Architekt, Bauamtsleiter. Erst auf dem zweiten Bildungsweg hat er das Abitur gemacht. Dennoch hatte er mit nur 23 Jahren bereits seinen Titel als Architekt. Dass er sich nicht selbstständig gemacht hat, lag vor allem daran, dass die Konjunktur damals lahmte. Die Aussichten seien Anfang der 80er Jahre nicht so vielversprechend gewesen.

Seine praktische Erfahrung habe ihm später im Amt immer wieder geholfen, glaubt er. Er hatte eben einen anderen Blick auf viele Dinge. Zum Beispiel auf das Bruchköbeler Hochhaus. Als einige Eigentümer im Zuge des Innenstadtumbaus die Befürchtung äußerten, die Standfestigkeit des Gebäudes könnte durch die Ausschachtungsarbeiten in Gefahr geraten, da konnte Entzel sie mit einem besonderen Hintergrundwissen beruhigen. Beim Bau des Hochhauses war er als junger Lehrling selbst dabei gewesen. „Da ist so viel und so dicker Stahl drin, das hält ewig“, sagt er. Und dabei formt er mit beiden Händen einen Kreis, um den Durchmesser des Metalls zu veranschaulichen. Während Entzels Schaffenszeit wurden in Bruchköbel eine Reihe von Gebäuden realisiert: die Feuerwehrgerätehäuser von Bruchköbel, Roßdorf und Oberissigheim, die Dreispitzhalle und natürlich auch das neue Stadthaus, das gerade im Entstehen ist und in das er nun nicht mehr einziehen wird. Bis zum ersten Spatenstich habe es acht Jahre gedauert, bedauert er. Erst dann habe sich die Politik einigen können. Er selbst ist mit dem neuen Stadthaus, so wie es jetzt gebaut wird, sehr zufrieden. Nur die Klinkerfassade, die hätte es nicht gegeben, wenn er in dieser Frage allein das Sagen gehabt hätte.

Seine Leidenschaft galt einem Fahrradweg

Stolz ist Entzel jedoch weniger auf die großen Bauten, die er als Verantwortlicher abgezeichnet hat. Seine Leidenschaft gilt vor allem einem kleinen, auf den ersten Blick für die Stadt eher unbedeutenden Projekt: dem Fahrradweg zwischen Fliegerhorst und Bruchköbeler Wald. Dafür hat er gekämpft und bei Bürgermeister Maibach immer wieder geworben. Bis der rund 500 Meter lange Asphalt letztlich gelegt wurde. „Es wäre ein Unding gewesen, hätten wir diese Chance nicht genutzt“, sagt er. Im Bruchköbeler Bauamt heißt der Abschnitt nicht umsonst scherzhaft der Holger-Entzel-Fahrradweg.

Seine Mitarbeiter hat er stets an der langen Leine geführt. Jeder im Amt sei ein Experte auf seinem Gebiet. Den Lob für die Arbeit anderer abzuschöpfen, sei nie sein Ding gewesen. Deshalb habe er auch nie infrage gestellt, dass Bürgermeisterin Sylvia Braun den Stadtumbau in die Hände von seinem Mitarbeiter Jörg Diemer gelegt hat. „Auf so ein Projekt muss man sich hundertprozentig konzentrieren, das kann man nicht mal nebenbei machen.“

Leidenschaftlicher Geflügelzüchter

Statt um Bauanträge und Verwaltungsdinge wird sich Entzel nun viel Zeit nehmen für seine „Modernen Englischen Zwergkämpfer“, seine japanischen Kampfhühner sowie die „Altholländischen Kaupuziner-Tauben“, die ihren Namen dem braun gefiederten Kragen verdanken. Seit seinem sechsten Lebensjahr ist Entzel ein leidenschaftlicher Geflügelzüchter. Mehr als 200 Tiere befinden sich in seiner Obhut. Viele im heimischen Taubenschlag, die meisten jedoch beim Rasse- und Geflügelzuchtverein Langendiebach, dessen Vorsitzender er mehr als zehn Jahre war.

Und er wird sein eigener Hausmeister sein – für das schmucke Fachwerkhaus, das er im Ortskern von Langendiebach vor 20 Jahren mit den eigenen Händen saniert hat und auch für sein Elternhaus, das er in Eigenleistung zu einem Zwei-Parteien-Haus umgebaut hat.

Einmal Handwerker, immer Handwerker.(Holger Weber)

Geflügel liebt er über alles: Holger Entzel in seinem heimischen Taubenschlag. Im Hintergrund beäugt ein „Brüner Kröpfer“ das Geschehen.

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