Von Tanja Bruske-Guth

Historischer Roman über die Antoniter in Roßdorf erschienen

So könnte das Kloster einmal ausgesehen haben: Es  steht im Mittelpunkt der Geschichte, die Tanja Bruske-Guth jetzt geschrieben hat.
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So könnte das Kloster einmal ausgesehen haben: Es  steht im Mittelpunkt der Geschichte, die Tanja Bruske-Guth jetzt geschrieben hat.

Das Schreiben liegt ihr im Blut: „Ich habe schon als Jugendliche kleine Geschichten, später für meine Theatergruppe Stücke geschrieben, die ich dann bei Verlagen veröffentlichen ließ“, erzählt Tanja Bruske-Guth, die sich im und über den Main-Kinzig-Kreis hinaus als Autorin einen Namen gemacht hat.

Bruchköbel/Hammersbach – Ihr neuster historischer Roman, der fünfte Teil ihrer historischen Serie, heißt „Antoniusfeuer“ und spielt in Roßdorf. Er handelt von der Bekämpfung einer Seuche, ist bereits als E-Book erschienen und wird Anfang 2021 auch als Taschenbuchsammelband aufgelegt.

Auf das Thema ist die Autorin zufällig gestoßen, über eine Freundin, die sich in Roßdorf einen Bauernhof gekauft hat und diesen derzeit renoviert. „Sie erzählte mir eines Tages, dass genau an der Stelle, wo sich heute ihr Bauernhof befindet, ein Kloster gestanden haben soll. Ich ging der Sache nach, sprach mit Nachbarn und dem Geschichtsverein – und es stimmte tatsächlich. Das Kloster war das erste Antoniterkloster in Deutschland“, erzählt sie.

Auch die Seuche Antoniusfeuer ist Fakt. Hierbei handelte es sich um eine damals noch unbekannte Vergiftungserscheinung, die durch Mutterkorn, einem Getreidepilz, hervorgerufen wurde. Wurde unreines Getreide zu Brot gebacken, erkrankten die Menschen. „Mutterkorn ist die Basis für die Droge LSD. Die Menschen bekamen Fieber, halluzinierten oder verloren sogar Körperteile. In der Regel verlief die Krankheit tödlich, selten harmlos“, weiß die Autorin. Die Antoniter, ein pflegender Orden, hatte es sich daher zur Aufgabe gemacht, das Antoniusfeuer zu bekämpfen.

Im Zentrum ihres Romans steht wie in den Bänden zuvor die Protagonistin Keira, eine Frau aus der Jetztzeit, die Zeitreisen macht und das in Ordnung bringt, was einst „schiefgelaufen“ war. So kommt sie auch nach Roßdorf und trifft dort auf einen Maler, der von der unbekannten Krankheit heimgesucht wurde. Keira muss herausfinden, wie die Verbindung zwischen Maler und Antoniusfeuer ist, weil dieser der Schlüssel dazu zu sein scheint.

„Meine Romane sind immer ein Mix zwischen recherchierten Fakten und Fantasie“, sagt Bruske-Guth, „aber ich nehme mir die künstlerische Freiheit und binde die Fakten schon so ein, dass sie in meine Geschichten passen. Richtig ist im Roßdorfer Roman zum Beispiel, dass es das Kloster und die Krankheit gab, und auch den Maler gab es tatsächlich, es war Matthias Grünewald. Aber als ich diesen zu Beginn des 16. Jahrhunderts ein Bild vom Kloster im Kloster malen ließ, war dies schon längst kein Stützpunkt des Ordens mehr. Dieser war bereits nach Höchst verlegt worden, sodass nur noch wenige Mönche in Roßdorf lebten. Und ob Grünewald je im Kloster gewesen war, ist auch nicht dokumentiert“, räumt sie ein.

Tanja Bruske-Guth

Ihre historischen Romane lassen sie im Nachhinein die Orte mit anderen Augen sehen. „Wenn ich die historischen Hintergründe kenne, finde ich die Orte schon beeindruckend“, bekennt sie. „Ich laufe zwar heute nicht von Ehrfurcht erfasst durch Roßdorf, aber die Tatsache, dass dort mal eine große Klosteranlage stand, von der heute überhaupt nichts mehr zu sehen ist, ist schon unglaublich. Die Barbarossaburg zum Beispiel wurde Jahrhunderte früher erbaut und es stehen noch Überreste“, bringt sie als Vergleich. Roßdorf sei schon ein Sonderfall. Das Kloster stand mitten im heutigen Ortskern. Und auch die dazu gehörige Kirche, die ebenfalls deutlich größer als die heutige gewesen sein muss, existiert nicht mehr. „Es gibt nur noch Hinweise, Straßennamen wie Falltorstraße oder gelegentliche Bodenfunde. Das Kloster lässt sich zwar verorten, aber es gibt leider keine Karte aus dieser Zeit.“

Worum es im nachfolgenden, sechsten Roman ihrer Serie gehen wird und wo dieser spielen wird, weiß sie auch schon: in Erlensee, genauer gesagt in Langendiebach, wo sich einst der Besuch von John F. Kennedy abgespielt hatte. „Manche Themen springen einem direkt ins Auge“, sagt Bruske-Guth zum Schluss.

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