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Keine Feste, keine Einnahmen: Sport- und Kulturvereine leiden unter den Absagen von Stadtfesten

Vor einem Jahr ohne Corona-Vorzeichen: Enges Gedränge und gute Stimmung beim Altstadtfest in Bruchköbel. 
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Vor einem Jahr ohne Corona-Vorzeichen: Enges Gedränge und gute Stimmung beim Altstadtfest in Bruchköbel. Archiv

Dass die großen Stadtfeste ausfallen, ist nicht nur für die Gäste schade; auch die ausrichtenden Sport- und Kulturvereine leiden darunter. Vor allem der finanzielle Aspekt schlägt hier besonders zu Buche.

Bruchköbel –Die großen Stadtfeste sind über die Grenzen Bruchköbels hinaus bekannt und haben jedes Jahr nicht nur die Einheimischen in die Gassen rund um den Freien Platz gelockt. An diesem Wochenende wäre eigentlich das Altstadtfest gewesen und Hunderte von Besucher hätten gemeinsam gefeiert, gegessen und getrunken. Aber auch das Altstadtfest musste schon frühzeitig wegen Corona abgesagt werden, genauso wie im Juni das Hof- und Gassenfest.

Für die Vereine, die diese Feste mit ihren Ständen zu dem machen, was sie sind, hat das weitreichende Konsequenzen. „Es ist nicht nur schade, dass generell die Feste ausfallen. Uns fallen dadurch auch viele Einnahmen weg“, sagt dazu Stefan Oßwald, Vorsitzender des Bruchköbeler Tennisclubs (TCB) auf Nachfrage. Der große TCB-Stand auf dem Altstadtfest vor der Bücherei ist einer der Besuchermagnete auf dem Fest. „Unser Verein steht finanziell auf drei Säulen. Die sind das Altstadtfest, das ITF-Turnier und Sponsoren“, sagt Oßwald und betont: „Nur von den Mitgliedsbeiträgen könnten wir den Verein nicht am Leben halten.“ Auch das internationale Tennis-Jugendturnier musste Corona-bedingt verschoben werden. Wahrscheinlich wird es Mitte September in abgespeckter Form stattfinden. Oßwald: „Aber nur mit weniger Teilnehmern, das mindert wieder unsere Einnahmen.“ Der TCB hat rund 400 Mitglieder, über die Hälfte davon sind Jugendliche. Insbesondere die Jugendarbeit werde mit den Einnahmen gefördert. Tennisvereine würden besonders hart getroffen, meint der TCB-Vorsitende. Denn anders als Fußball- oder Turnvereine müssten sie ihre Infrastruktur komplett selbst bezahlen. „Sporthallen und -plätze werden von der Stadt betrieben. Wir bezahlen unseren Platzwart selbst.“

Für die SG Bruchköbel fallen rund 60 Prozent der Einnahmen weg

Auch die Fußballabteilung der SG Bruchköbel hat traditionell einen großen Stand auf dem Altstadtfest. „Für uns sind durch die Absage aller Feste seit März rund 60 Prozent unserer Einnahmen weggefallen“, berichtet Abteilungs-Chef Oliver Gust. Denn abgesagt wurde auch das große Oktoberfest der SGB und das traditionelle Hallenturnier muss wahrscheinlich auch ausfallen. „Das ist ein Rieseneinschnitt“, sagt Gust.

Zum Glück sei der Verein schon vor Corona finanziell gut aufgestellt gewesen. Der SGB zählt mit seinen Abteilungen Fußball, Handball, Tischtennis und Turnen zu den größten Vereinen der Region. Allein die Fußballabteilung hat rund 530 Mitglieder, davon 300 Jugendliche. Aktuell sind mehr als ein Dutzend Jugend-Fußballmannschaften gemeldet.

Von den bei den großen Festen erwirtschafteten Einnahmen werden daher unter anderem auch die Ausbildungen der Jugendtrainer finanziert, so Gust. Wichtig sei, auch in der aktuellen Situation insbesondere Kindern und Jugendlichen weiterhin Vereinssport zu ermöglichen. „Das ist unser Hauptziel und das wollen wir aufrechterhalten.“

Corona habe bei der SG Bruchköbel für einen größeren Vereinszusammenhalt gesorgt

Trotz der finanziellen Einbußen betont der Abteilungsleiter: „Wir haben alles im Griff, weil im Verein alle an einem Strang ziehen.“ Und das sei zumindest ein positives Ergebnis der Corona-Krise: „Wir sind im Verein noch enger zusammengerückt.“

Bürgermeisterin Sylvia Braun (FDP) sieht die Not der Vereine. Die Stadt bemühe sich, Alternativen zu den Festen zu schaffen, sagt sie auf Nachfrage. Wie etwa das Open-Air-Kino im Krebsbachpark an diesem Wochenende oder die heutige Fahrradtour im Rahmen des Stadtradelns. Das bringe zwar kein Geld in die Vereinskassen, weiß auch Braun, aber stärke zumindest die Stadtgemeinschaft. Sie verweist auf die Hilfsprogramme des Landes, die die finanziellen Folgen der Corona-Pandemie bei den Vereinen abfedern will.

Nicht nur Sportvereine leiden unter der Corona-Situation: Auch der Kulturverein Wundertüte muss den Ausfall der Feste aushalten. „Uns fehlen dadurch viele Tausend Euro“, beziffert Vereinsvorsitzender Sven Kusnetzoff die Einbußen. Hof- und Gassenfest, ihr Bauernhof-Fest und vor allem die große Halloween-Party in Niederissigheim sowie der Auftritt der Rodgau Monotones haben nicht nur Spaß und Unterhaltung für die Gäste garantiert, sondern eben auch Geld in der Vereinskasse. Alleine eine Absage des dreitägigen Hof- und Gassenfestes bedeute einen Umsatzverlust von rund 10 000 Euro.

Bruchköbel: Kulturverein Wundertüte hat keine laufenden Kosten

„Zum Glück haben wir kein eigenes Vereinsheim, also auch keine laufenden Kosten“, meint Kusnetzoff. Allerdings sei die fehlende eigene Location aktuell gleichzeitig ein Nachteil. Denn um wenigstens kleinere Events auf die Beine zu stellen, muss der Verein nun immer auf andere Veranstaltungsorte zurückgreifen. So hat die Wundertüte kürzlich beim Hotel und Restaurant „Zum Schwanen“ in Roßdorf vor ausverkauften Plätzen ein kleines Hoffest veranstaltet, bei dem zwei Bands auftraten.

„Wir würden gerne mehr solche kleineren Feste anbieten, aber es mangelt uns an geeigneten Locations“, sagt der Wundertüten-Chef. Und auch bei dem rührigen Kulturverein zählt in diesen Zeiten der gute Vereinszusammenhalt doppelt. „Wir arbeiten im Vorstand bereits seit vier Jahren gut und harmonisch zusammen. Diese Krise überstehen wir gemeinsam. “

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