Künstler zeigen ihr Schaffen

„Kunst von draußen“ im Bruchköbeler „Artrium“

Vor einem der Ausstellungsfenster des „Artriums“: Marianne Walter (von links), Martina Roth und Orlando Schnabel vom Kunstnetz-B.
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Vor einem der Ausstellungsfenster des „Artriums“: Marianne Walter (von links), Martina Roth und Orlando Schnabel vom Kunstnetz-B.

Bruchköbel – Wo kann man schon „24/7“, täglich, rund um die Uhr, zu jeder Tages- und Nachtzeit – nicht virtuell – eine Kunstausstellung sehen? In Bruchköbel ist dies zurzeit möglich. Unweit der Baustelle des neuen Stadthauses, rund um das „Artrium“, können Besucher durch hell erleuchtete großzügige Fensterfronten die aktuelle Ausstellung „Kaleidoskop XVI“ der Bruchköbeler Künstlervereinigung „Kunstnetz-B“ mit Muße betrachten – zwar als „Kunst von draußen“ hinter Glasscheiben, dafür aber ohne G-Regeln und Mund-Nasen-Schutz.

Zum 16. Mal seit ihrer Gründung 2004 gibt die Gruppe, deren einzige Maßgabe neben künstlerischem Engagement darin besteht, dass die Teilnehmenden Bruchköbeler Bürger sind, Einblicke in ihr Schaffen. Das Spektrum reicht von Acrylmalerei und Collagen über Fotografien bis zu Skulpturen und animierten Objekten. „Doch bereits im vergangenen Jahr mussten wir zwangsläufig neue Wege gehen, um unsere Arbeiten der Öffentlichkeit live zu präsentieren“, erzählt Künstlerin Martina Roth. Wegen Corona gar nicht auszustellen, kam für die „Kunstnetzler“ nicht infrage. Da die disponierte Lage des Kunstraums „Artrium“ und die großen Fensterfronten förmlich dazu einladen, die Kunst von innen nach außen zu präsentieren, wurde die Kunstmeile kreiert. „Auch in diesem Jahr der sich häufig ändernden Regeln war für uns klar: Kunst ist ohne Ausnahmen für alle da. Deshalb bleibt es bei der ‘Kunst von außen‘, maskenfrei und ohne irgendwelche Auflagen“, ergänzt Fotografin und Malerin Marianne Walter. Und Künstlerkollege Orlando Schnabel sagt: „Da alle Künstler ihre Arbeiten mit ihren Kontaktdaten versehen haben, ist es ein Leichtes, bei Kaufinteresse oder sonstigen Fragen persönlich Kontakt zum jeweiligen Künstler aufzunehmen. So können interessierte Besucher zu jeder Zeit, bei ihrem Bummel durch die Kernstadt, einen entspannten Spaziergang entlang der Bruchköbeler Kunstmeile unternehmen.“ Man sei im Übrigen im Gespräch mit der Stadt, um perspektivisch auch im neuen Stadthaus Ausstellungen und Präsentationen zu organisieren.

„Einübungen von Sanftmut“

Im Rahmen der aktuellen Ausstellung zeigt Christoph Goy in einer Art bebilderten Paravent filigrane „Einübungen von Sanftmut“ mit Ein-Linien-Zeichnungen zum Thema „Kleiner Vogel – großes Herz“. Willi Palcei ist mit unterschiedlichen Objekten und Skulpturen aus Holz, Ton und Gips zu verschiedenen Themen dabei, die teils eine fast humoristische Ausstrahlung haben. Seine Frau Barbara Palcei stellt Fotografien zur Urgewalt des Feuers aus, und Autor Gerhard Roth präsentiert seine Bücher aus drei Jahrzehnten – von Gedichten über Romane und Theaterstücken bis zu Kinderbüchern. Die weit gereiste Marianne Walter nimmt den Betrachter mit und gibt mit ihren Fotografien spannende Einblicke in fremde Welten. Goldschmiedin Viola Moritz kombiniert Naturmaterialien, in diesem Fall Bambus, mit klassischen Schmuckbestandteilen wie Perlen, und Künstlerin Gertrud Prokop eröffnet Blickwinkel auf ihre Heimat Wetterau, wie sie diese in ihrer Kindheit erlebt hat.

Grafiker und Künstler Orlando Schnabel widmet sich mit „Hoch nach oben“, einer luftigen Wandinstallation als Druck auf Satinstoff, dem Thema Bewegung und erweitert den Kunstraum, indem der Betrachtende mit dem Einscannen eines QR-Codes den Kunstraum virtuell bis auf den Platz vor dem „Artrium“ erweitern und als realen Raum erleben kann. In ihren Collagen verbindet Eva-Maria Utsch Elemente von Zeichnungen, Papierschöpfungen und Holzschnittdrucken mit Zitaten von Kurt Tucholsky, Mascha Kaleko und Oscar Wilde – ihr Motto lautet hier „Weitblick“. Die für ihre „britisch-humorigen“ Keramik-skulpturen bekannte Janet Lorchheim beschäftigt das Thema: „Where are my glasses?“

Die künstlerische Umsetzung einer gewissen Doppeldeutigkeit von Redensarten beziehungsweise alltäglichen Wortschöpfungen ist immer wieder das Sujet von Martina Roth. In der Ausstellung zeigt sie unter dem Titel „Papier ist geduldig“ mit Acrylfarbe teils transparent übermalte Collagen. Traditionell begrüßt „Kunstnetz-B“ bei seinen jährlichen Ausstellungen auch immer einen Gastkünstler, in diesem Fall ist es Zahra Bahrami, von der unter anderem eine faszinierende „Nahaufnahme“ eines Elefantenkopfes in Acryl zu sehen ist. (Andrea Pauly)

Ausstellung

Noch bis 14. November, „Kunst von draußen“, Kunstraum „Artrium“, Bruchköbel, Innerer Ring 1. Weitere Infos zum Kunstnetz-Bruchköbel:

» kunstnetz-b.de

Zu sehen in Bruchköbel: Im Vordergrund die Plastik „Where are my glasses“ von Janet Lorchheim, im Hintergrund Bilder von Martina Roth.

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