Nur wenige Besucher im Bürgerhaus

Bruchköbel übertragt Bürgerversammlung im Netz

Viele Stühle blieben her: Die Bürger zogen die heimische Coach vor.
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Viele Stühle blieben her: Die Bürger zogen die heimische Coach vor.

Bruchköbel – Es war kaum jemand da. Und doch war der Zuspruch bei der Bürgerversammlung der Stadt Bruchköbel am Montagabend im Bürgerhaus groß. Erstmals wurde die Veranstaltung im Internet gestreamt beziehungsweise live übertragen. Knapp 200 Zuschauer haben die Veranstaltung über die Kanäle Facebook und Youtube verfolgt. Der Streaming-Dienst soll in Bruchköbel jetzt zu einer festen Einrichtung werden.

Aus dem künftigen Stadthaus werden dann auch die Parlamentssitzungen live im Internet übertragen, wie Bürgermeisterin Sylvia Braun (FDP) gestern am Rande der Bürgerversammlung berichtete. Ton und Bild waren von guter Qualität bei der Premiere, die angesichts der explodierenden Corona-Infektionszahlen auch aus Gründen der Sicherheit zur rechten Zeit kam. Damit geht Bruchköbel andere Wege als einige Kommunen in der der Nachbarschaft, die für ihr „Parlamentsfernsehen“ eine Firma beauftragt haben. Die Technik wurde bisher nur ausgeliehen, soll aber für die Zukunft erworben werden.

Müll war ein wichtiges Thema

Inhaltlich ging es bei der Versammlung um die Aspekte Müll, Digitalisierung und Stadtpolizei. Breiten Raum nahm vor allem das Thema Abfall ein.

Bruchköbel habe ein ernsthaftes Problem mit wilder Müllablagerung. Immer wieder werde der Bauhof von Bürgern alarmiert, die an Feldwegen oder Äckern Bauschutt, Reifen und Restmüll finden, berichtete Jens Brede, der Fachbereichsleiter Finanzen im Rathaus. Er äußerte gar die Vermutung, dass die Verursacher nicht nur unter den Bürgern, sondern möglicherweise auch unter Firmen zu finden seien. Er bat die Bürger um Mithilfe. Beobachtungen sollten der Verwaltung gemeldet werden, denn die illegale Müllbeseitigung ginge auf Kosten aller Bürger.

Die Stadt bietet laut Bredes jede Menge Alternativen, dazu gehören vier Sperrmülltermine für jeden Haushalt pro Jahr. Dabei würden jeweils drei Kubikmeter Sperrmüll mitgenommen. Termine könnten jederzeit gebucht werden. Auch der Wertstoffhof sei eine gute Anlaufstelle für Sperrmüll, Grünabfälle, Bauschutt, Glas, Metall, Papier, Elektrokleingeräte sowie Altbatterien. Mit Blick auf die gesonderte Abfuhr von Grünabfällen wies Brede daraufhin, dass dieser höchstens zwei Kubikmeter betragen dürfe und gebündelt sein müsse. Ein großes Problem sei nicht nur in Bruchköbel, sondern generell verunreinigter Biomüll, etwa durch Plastikfolien oder andere Materialien, die sich nicht zersetzen. Seine Mahnung: „Solche Tonnen werden wir in Zukunft einfach stehen lassen.“

Beschwerden über Weisgerber

Beschwerden gibt es in der Stadt immer wieder über die Firma Weisgerber, die für die Entsorgung des Abfalls zuständig ist. Ein Vorwurf aus der Bürgerschaft lautet, dass die Mülltonnen zuweilen einen Tag später als angekündigt abgeholt werden. Dies, so Brede liege mitunter an langen Wartezeiten an der Deponie, oftmals kämen die Wagen auch verspätet, weil es für die Fahrzeuge wegen falsch parkender Autos kaum ein Durchkommen gebe. Ein weiterer Grund sei, dass die Bezirke teilweise zu groß eingeteilt seien. Dies soll sich ab kommenden Jahr ändern, wenn ein sechster Bioabfuhrbezirk eingerichtet wird.

Immer wieder meldeten sich auch Bürger, deren Mülltonne nach der Abfuhr verschwunden oder kaputt sei. Auch dafür hatte Brede eine Erklärung: „Die Gefäße sind oftmals zu schwer befüllt und fallen ins Müllauto.“ Der Inhalt der Mülltonnen dürfe zudem nicht verdichtet werden. Der Zeitraum der wöchentlichen Leerung der Biotonne soll ab 2023 erweitert werden. Wird die braune Tonne bisher im Zeitraum von Mai bis September wöchentlich geleert, sollen künftig noch die Monate April und Oktober hinzukommen. Damit wolle man auch den klimabedingten Veränderungen Rechnung tragen. Zudem sollen die Bürger mit einer 120-Liter-Tonne auf eine doppelt so große umrüsten können, ohne dafür Mehrkosten zu haben.

Teurer wird hingegen der Restmüllsack. Der Preis soll von bisher 2,60 Euro auf 8,23 Euro steigen. Dem enormen Preissprung liege zugrunde, dass die wahren Kosten bisher nie wirklich kalkuliert worden seien, so Brede. All die Neuerungen sind jedoch noch unter Vorbehalt. Denn über die neue Abfallsatzung muss das Bruchköbeler Stadtparlament noch beschließen.

Weitere Inhalte

Zu den Themen Digitalisierung und Stadtpolizei berichten wir zu einem späteren Zeitpunkt. (Holger Weber)

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