Große Resonanz für Spendenaktion

Nach Flutkatastrophe: Bruchköbeler organisieren Hilfsaktion für Ahrweiler

Die Spendenbereitschaft auf die Hilfsaktion von Uwe Jost war enorm. An den zwei Sammeltagen konnten die Menschen ihre Spende in die Keltenstraße nach Bruchköbel bringen. Dort wurden sie sortiert und auf Paletten verladen.
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Die Spendenbereitschaft auf die Hilfsaktion von Uwe Jost war enorm. An den zwei Sammeltagen konnten die Menschen ihre Spende in die Keltenstraße nach Bruchköbel bringen. Dort wurden sie sortiert und auf Paletten verladen.

Wer war nicht geschockt von den Bildern der Hochwasserkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen? Auch Uwe Jost ist betroffen, als er vor rund zwei Wochen in den Medien das Ausmaß der Katastrophe sieht: Zerstörte Dörfer, hilflose Menschen, vernichtete Existenzen.

Bruchköbel – Er ist Fuhrparkleiter und Disponent bei der Speditionsfirma Bendel aus Bruchköbel und wird von Freunden nach dem Hochwasser angesprochen, ob mit dem Speditions-Fuhrpark nicht Hilfe für die betroffenen Menschen vor Ort möglich sei. Jost fackelt nicht lange und fängt an zu organisieren. Und mittlerweile hat er schon über acht LKW-Züge mit Hilfsgütern nicht nur gesammelt, sondern auch in die betroffenen Gebiete gefahren.

„Wir fahren direkt zur zentralen Entladestelle nach Bad Neuenahr-Ahrweiler, da ist auch die Einsatzzentrale des Technischen Hilfswerks“, erzählt Jost am Telefon. „Ich habe recherchiert und meine beruflichen Kontakte zur Bundeswehr genutzt, damit wir Kontakt zu dieser zentralen Entladestelle bekommen“, betont Jost. Damit die gesammelten Spenden auch wirklich sinnvoll genutzt werden und bei den Hilfsbedürftigen ankommen. „Es ist darum wichtig, dass es an die richtige Stelle gefahren wird.“

Spendenaufruf in den sozialen Medien

Per Facebook und Whatsapp ruft er schließlich zu Spenden auf. Und stößt auf eine breite Resonanz. Nicht nur Privatleute bringen an den zwei Sammeltagen, die bisher stattgefunden haben, Kisten und Tüten voller Spenden ins Bruchköbeler Gewerbegebiet. Auch von vielen örtlichen und regionalen Firmen wird die Aktion unterstützt. So spendet unter anderem die Altenstädter Firma Ille, deren Firmengründer in Bruchköbel wohnt, drei Sprinter mit Toilettenpapier.

Apfelwein Walther, die Metzergei Eidmann und der Kartoffelhof Vulpius spenden Lebensmittel. Chemetall aus Frankfurt stellte 66 Paletten Trinkwasser bereit. Auch das St. Vincenz Krankenhaus aus Hanau, der Karosseriebau Strohl und Denecke aus Bruchköbel leisten einen Beitrag.

Sechs Lkw mit Lebensmitteln, Schaufeln und Küchengeräten beladen

„Die Unterstützung war großartig“, ist Jost immer noch begeistert. So hätte zum Beispiel die Speditionsfirma Maintaler Express Logistic nicht nur mit Ausrüstung geholfen, sondern stellte auch noch am Firmensitz in der Keltenstraße Flächen zur Spendenabgabe zur Verfügung.

Beim Beladen halfen viele Freiwillige bis in die Abendstunden mit. Jeder Zentimeter der Lkws wurde ausgenutzt.

Aber nicht nur mit Spenden kamen die Menschen am Sammeltag, einige halfen auch tatkräftig beim sortieren der Spenden und Beladen der sechs Lkw mit. Sie schaffen Lebensmittel, Getränke, Babynahrung, Besen, Schaufeln, Küchengeräte und vieles mehr in die Laderäume. Fast alles wird in den vom Hochwasser betroffenen Gebieten gebraucht, außer Kleidung. Waren es beim ersten Sammeltag noch zwei Lkw, die gefüllt werden konnten, wurden beim zweiten Sammeltag schließlich sechs Lkw-Züge vollgeladen.

Über 100 Tonnen Hilfsgüter von Bruchköbel aus nach Ahrweiler gefahren

Als die Lkw am Abend des zweiten Sammeltags fertig beladen sind, fährt Uwe Jost mit weiteren Helfern los. „Wir sind dann beim zweiten Sammeltag in der Nacht von Freitag auf Samstag in Ahrweiler angekommen und haben entladen.“ Trotz der Dunkelheit schaffen Jost und weitere Helfer die Spenden in große dafür bereitgestellte Zelte an der zentralen Entladestelle. „Wir haben bei dieser Fahrt weit über 100 Tonnen Hilfsgüter gefahren.“ Er erinnert sich mit Grausen an die Fahrt durch die Überschwemmungsgebiete: „Es waren Bilder des Schreckens dort vor Ort. Es hat mir das Herz zerissen“

Eine zentrale Entladestelle für Hilfsgüter und Spenden ist in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Dort fährt Jost hin.

Darum fährt er einige Tage später wieder hoch. Dieses Mal mit zwei Lkws voller Brauchwasser. In 1000-Liter-Behältnissen transportieren die Helfer das wertvolle Nass. Die Behältnisse dafür hat er wieder über Kontakte organisiert. „Die Menschen brauchen das Wasser zum Duschen, Wäschewaschen, sauber machen.“ Denn in den Katastrophengebieten wird es noch Monate dauern, bis die Infrastruktur wie Strom und auch Wasserleitungen wieder aufgebaut sind und funktionieren.

Helfer-Team organisiert weitere Spendenaktionen

Mittlerweile hat sich ein Helferteam um Jost formiert. Mit dabei sind Sabrina Martens, Mario Kröll und Caro Bastian. Und die Gruppe plant nach Rücksprache mit Helfern in Neuenahr-Ahrweiler eine weitere Sammlung. Am Freitag, 6. August können zwischen 9 und 19 Uhr wieder Spenden vor dem Maintaler-Gelände in der Keltenstraße abgegeben werden. Direkt im Anschluss daran wollen Jost und seine Mitstreiter wieder Richtung Neuenahr-Ahrweiler losfahren. Auch der HANAUER ANZEIGER wird sich dieses Mal beteiligen und Getränke-Paletten spenden.

Jost ist die ganze Zeit im Kontakt mit den Helfern vor Ort, nicht nur um gezielt Spenden sammeln zu können, die wirklich helfen. Er meldet seine Lkws auch bei der Entladestelle an, damit die Verantwortlichen vor Ort die Entladung zeitlich einplanen können. Denn unangemeldete Hilfslieferungen können Chaos verursachen. Jost will weiter helfen und freut sich über weitere Helfer beim nächsten Sammeltag.

Von Monica Bielesch

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