Corona-Pandemie

Bruchköbel: Betreuungsverein Orkalanda kämpft in der Corona-Krise mit speziellen Problemen

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Im Altem Schulhaus an der Haingartenschule ist der Betreuungsverein Orkalanda untergebracht. 50 Kinder werden hier normalerweise im Hort betreut. Corona hat auch hier vieles verändert.

Die Betreuungssituation von Kita- und Grundschulkindern ist in der Corona-Krise besonders im Fokus. Der Verein Orkalanda in Bruchköbel hat besonders zu kämpfen.

Bruchköbel –  Meistens sind es städtische Einrichtungen, in denen die Kinder untergebracht sind.

Doch 50 Grundschulkinder der Haingartenschule in Bruchköbel werden vom Betreuungsverein Orkalanda betreut – und dort ist die Situation in vielen Aspekten eine andere.

Bruchköbel: Orkalanda als gemeinnütziger Verein finanziell angeschlagen

„Wir sind ein gemeinnütziger Verein, wir sind darum anders strukturiert, was die Finanzen angeht, als ein städtischer Hort“, erzählt Carolin Drechsel beim Gespräch am langen Tisch im Erdgeschoss des alten Schulhauses.

Das Backsteinhaus steht auf dem Gelände der Haingartenschule und wird dem Orkalanda vom Main-Kinzig-Kreis als Schulträger mietfrei zur Verfügung gestellt.

Mitglieder engagieren sich ehrenamtlich

Drechsel ist Vorsitzende des Vereins, ihre Tochter besucht die vierte Klasse und wie alle Vorstandsmitglieder engagiert sie sich ehrenamtlich im Verein. „Wir finanzieren uns von den Elternbeiträgen und den Zuschüssen der Stadt. Aber als gemeinnütziger Verein dürfen wir am Ende des Jahres keinen Gewinn aufweisen.“

Das heißt, es werden auch keine Rücklagen gebildet. „Und wir haben nur wenig andere Fixkosten als die Gehälter der Mitarbeiterinnen“, berichtet Drechsel.

Verein hat Kosten für 16 Mitarbeiterinnen

So entfallen 90 Prozent der Kosten auf die 16 Mitarbeiterinnen. Das Orka, wie es im Ort nur genannt wird, beschäftigt neben Erzieherinnen auch Küchen- und Reinigungskräfte, eine Bürokraft und eine pädagogische Leitung. Ergänzt wird das Team immer auch von Praktikanten und Bundesfreiwilligen.

„Das Orka hat etwas sehr Familiäres“, erzählt Drechsel, die auch ihren Sohn, der nach den Ferien in die erste Klasse kommt, ins Orka geben will. „Auch die Lage auf dem Schulgelände ist toll“, ergänzt Anja Geiss, Beisitzerin im elfköpfigen Vorstand.

Warteliste für Orkalanda in Bruchköbel ist lang

„Die Kinder gehen über den Schulhof in die Betreuung, das ist vor allem am Anfang ein großer Vorteil,“ so Geiss weiter. Ihre Tochter ist Viertklässlerin und verlässt nun wie zehn weitere Kinder Schule und Hort.

Schon seit Jahren sind die Plätze im Orka begehrt, auch in diesem Jahr ist die Warteliste lang. Im kommenden Jahr steht das 25-jährige Jubiläum an. Eigentlich sollten dafür schon Vorbereitungen laufen. Doch dann kam die Corona-Pandemie, am 16. März wurden alle Schulen geschlossen.

Hilfe für Orkalanda: Eltern zahlen Beiträge auch während Corona

„Die städtischen Kitas und Horte haben dann irgendwann die Elternbeiträge ausgesetzt. Die Stadt kann sich das finanziell leisten. Das war ein Dilemma für uns“, erzählt Drechsel. Denn das Orka konnte nicht auf die Beiträge verzichten.

„Zum Glück haben die Eltern das mitgetragen und haben die Beiträge auch während der Schließung weitergezahlt“, ist Drechsel heute noch erleichtert. Aber je länger der Lockdown dauerte, desto ungewisser wurde die Zukunft des Vereins. „Das hat uns schon sehr beschäftigt“, so Drechsel.

Gespräche mit Stadt Bruchköbel wegen finanzieller Entlastung

Für Vereinsmitglieder kostet der 14-Uhr-Platz 135 Euro im Monat und der 16.30-Uhr-Platz 175 Euro, jeweils plus Mittagessen. „Wir wollten unseren Eltern auch eine finanzielle Entlastung anbieten, darum haben wir Gespräche mit der Stadt Bruchköbel geführt und um einen weiteren Zuschuss gebeten“, berichtet die Vorsitzende.

Als die Stadt dem Orkalanda schließlich 15 000 Euro gewährte, konnte der Verein den Eltern sofort zwei Monatsbeiträge zurückzahlen.

Verein aus Bruchköbel bekommt keine finanzielle Unterstützung

Während der Zeit der kompletten Schließung hat der Orka-Vorstand sich um weitere finanzielle Unterstützungen aus Fördertöpfen und Hilfsprogrammen bemüht. „Aber wir sind kein Sportverein, wir haben immer eine Sonderstellung und darum fallen wir auch unter kein Hilfsprogramm“, erklärt Anja Geiss.

Besonders die Vorsitzenden Carolin Drechsel und Angela Kirchhoff sowie die pädagogische Leiterin Anne Rodewald haben in mühevoller Recherchearbeit viele Möglichkeiten abgefragt.

Hilfsprogramme helfen Orkalanda Bruchköbel nicht

Aber am Ende mussten sie immer wieder feststellen, dass die Programme nicht auf einen Betreuungsverein anzuwenden sind. So wie etwa ein Programm, das schulische Fördervereine unterstützt, indem es alle Fixkosten übernimmt. „Aber mit Ausnahme der Gehälter und die sind bei uns eben der große Fixkostenanteil“, so Drechsel. 

„Auch die Zuständigkeiten waren schwierig zu klären.“ Denn als Betreuungsverein seien sie trotzdem nicht den städtischen Kitas und Horten gleichgestellt. Das sei für die Eltern natürlich schwer nachvollziehbar.

Einrichtung in Bruchköbel durfte nicht öffnen

Als die vierten Klassen Anfang Mai wieder in die Schule durften, durfte das Orka nicht öffnen, im Gegensatz zu einem städtischen Hort. „Wir haben hier an der Haingartenschule auch keinen Pakt für den Ganztag, das hat es auch schwierig gemacht,“ so Drechsel und verweist auf die Roßdorfer Brückenschule wo es diesen Pakt schon lange gibt.

Auch aktuell darf das Orka nicht alle angemeldeten 50 Kinder betreuen, obwohl die Grundschulen seit dem 22. Juni wieder im Vollbetrieb sind. „Aber weil wir gemischte Gruppen im Orka haben und nicht homogene Gruppen wie in den Klassenverbänden, können wir nicht voll öffnen“, erklärt Drechsel.

Ferienspiele in Bruchköbel könnten stattfinden

Statt 25 Kinder sind aktuell nur jeweils zwölf in den zwei Orka-Gruppen. Am 6. Juli– wenn die hessischen Sommerferien beginnen – dürfen alle Kitas wieder ganz öffnen. Das Orka auch. „Aber dann haben wir unsere dreiwöchige Sommerpause“, sagt Drechsel und zuckt die Achseln. Dafür hofft der Vorstand auf die Orka-Ferienspiele, die traditionellerweise in den letzten drei Ferienwochen stattfinden.

Drechsel und ihre Vorstandskolleginnen blicken auf eine arbeitsreiche Zeit mit vielen Telefonaten und Videokonferenzen zurück. Sie wünscht sich von den Verantwortlichen in Politik und Verwaltung einiges: „Dass wir als kleiner Betreuungsverein nicht vergessen werden bei all den Corona-Maßnahmen, dass wir im Rahmen des Möglichen mehr Flexibilität erhalten und nicht so sehr an die Kitas gekoppelt werden.“ Eine Koordinationsstelle oder ein Ansprechpartner in der Verwaltung wären ebenso hilfreich.

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