Bruchköbel

Pfarrer Holger Siebert wird am Sonntag in sein Amt eingeführt

Holger Siebert an seiner neuen Wirkungsstätte: In der Jakobuskirche wird Bruchköbels neuer Pfarrer am Sonntag in sein Amt eingeführt. Foto: Holger Weber

Bruchköbel. Pfarrer Holger Siebert ist ein Bauchmensch. Als er vor 13 Jahren erstmals die Kirche in Somborn betrat, da habe er sich gleich wohlgefühlt und gewusst, dass er in diesem Gebäude einmal Gottesdienste feiern wolle.

Von Holger Weber

Ein ähnliches Gefühl habe er nun auch in Bruchköbel, erzählt er. Dort wird er am Sonntagmorgen in der Jakobuskirche als Nachfolger von Pfarrer Jürgen Mankel in sein Amt eingeführt. Siebert gehört mit 51 Jahren schon zu den erfahrenen Geistlichen, und dennoch wird die Situation in Bruchköbel für ihn ganz neu sein. Er steht dann nicht mehr allein an der Spitze einer evangelischen Gemeinde wie in seiner bisherigen beruflichen Laufbahn, sondern er teilt sich die Verantwortung und die Aufgaben mit Dr. Martin Abraham.

Die Aussicht, im Team arbeiten zu können, sei ein wichtiger Grund für seine Entscheidung gewesen, sagt Siebert. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Lösungen, die gut waren, zuvor mit mehreren Leuten besprochen worden sind“, sagt er. Besonders in schwierigen seelsorgerischen Momenten sei es eine große Hilfe, wenn man sich zu zweit besprechen und beraten könne. Siebert und Abraham kennen sich schon aus Marburger Studienzeiten und sind sich in den vergangenen Jahren immer mal wieder begegnet. „Ich habe das Gefühl, dass wir geistlich auf einer Wellenlänge sind“, sagt Siebert – trotz unterschiedlicher Lebensläufe.

„Warum studierst du nicht Theologie?“

Während Abraham, dem Sohn eines Missionars, der Beruf eigentlich in die Wiege gelegt wurde, steuerte Siebert nach dem Abitur zunächst einmal in eine ganz andere Richtung. Er ließ sich an der Verwaltungsfachhochschule in seiner Heimatstadt Rotenburg an der Fulda zum Diplom-Finanzwirt ausbilden. Dem damaligen Pfarrer seiner Gemeinde ist es dann geschuldet, dass er letztlich noch Pfarrer geworden ist.

Dem Seelsorger war es nicht entgangen, dass der begeisterte Posaunenbläser und engagierte Mitarbeiter im CVJM im Finanzwesen nicht glücklich war. „Warum studierst du nicht Theologie?“, habe er ihn gefragt. Siebert machte dann tatsächlich die „harte Tour“, wie er sagt. Er lernte, obwohl er nicht einmal des Lateinischen mächtig war, im Studium noch Hebräisch und Altgriechisch.

Eine Frau und vier Kinder

Nach dem Vikariat in Fronhausen an der Lahn führte ihn seine erste Pfarrstelle in die USA, wo er im Rahmen eines einjährigen Aufenthalts in Charlotte (North Carolina) unter anderem beim Aufbau einer deutschen Gemeinde half, die von Menschen mit verschiedenen kulturellem Hintergrund besucht wurde. Für den jungen Theologen war dies eine Erfahrung, von der er noch heute zehre, sagt er. Die Rückkehr nach Deutschland sei dann gar nicht so einfach gewesen. Aus dem multikulturellen Charlotte ging es nach Niederasphe, mitten in in die nordhessische Provinz.

Der Wechsel nach Bruchköbel steht jetzt freilich unter ganz anderen Vorzeichen. Vom Land geht es wieder ins Städtische. Das gefällt nicht nur dem Pfarrer selbst, sondern auch seiner Frau Maria und den vier Kindern Aaron (19), Hannah (18), Jadon (15) und Christoph (12). Seine Frau, eine Apothekerin, wird von Bruchköbel weiterhin morgens nach Linsengericht zur Arbeit fahren können.

„In 13 Jahren sind viele Bindungen entstanden.“

Die Sieberts ziehen im Übrigen nicht ins Pfarrhaus an die Martin-Luther-Straße. Wenngleich man dem Charme des Fachwerkhauses schnell erlegen gewesen sei, wie Siebert sagt. Doch für die sechsköpfige Familie ist es schlichtweg zu klein. Nun ziehen sie Anfang Dezember ins Pfarrhaus an der Brückenstraße.

Vergangenen Sonntag ist Siebert in Freigericht offiziell verabschiedet worden. Kein einfacher Moment, wie er gesteht. „In 13 Jahren sind viele Bindungen entstanden. Der Abschied war schon sehr emotional.“ Seine Familie und er haben sich dort wohl gefühlt. Es sei auch nicht so gewesen, dass er die Veränderung unbedingt gesucht habe. Das mit Bruchköbel, das habe sich einfach so ergeben. Und er habe das Gefühl gehabt, dass jetzt der Zeitpunkt für einen Wechsel sei, um an anderer Stelle noch etwas Neues langfristig gestalten zu können.

Gottesdienst am Sonntag

Siebert bringt eine Reihe von wertvollen Erfahrungen mit aus Freigericht – vor allem in der Jugendarbeit. In seiner Gemeinde wurde eine Struktur geschaffen, die vor allem durch private Spenden finanziert wird. Die Jugendarbeit ist auch in Bruchköbel ein großes Thema. Sein Vorgänger hat noch dafür gesorgt, dass der Jugendkeller im Gemeindehaus wieder belebt und nun gemeinsam mit der Stadt betrieben wird. Für Siebert und Abraham wird es bald auch darum gehen, wie sie die halbe Stelle einsetzen, die sie für die Jugendarbeit ausschreiben können.Derzeit arbeiten die beiden Pfarrer an ihrer Aufgabenteilung.

Da kommt es ihnen auch zupass, dass sich gerade der neue Kirchenvorstand konstituiert hat, den die beiden Pfarrer in die kirchliche Arbeit einbinden wollen. Denn obwohl die Gemeinde in Bruchköbel im Vergleich zu anderen im Umland personell noch relativ gut aufgestellt ist, wird es künftig wichtig sein, mehr Aufgaben in die Gemeinde zu delegieren, damit die Pfarrer sich um ihre ureigenen seelsorgerischen Themen kümmern können. Bei der Konzeption ihrer künftigen Arbeitsbereiche lassen sich Siebert und Abraham auch von einer landeskirchlichen Pfarrerin begleiten, die Supervision anbietet. „Wir wollen, dass unser Projekt von Anfang an auf stabilen Füßen steht“, sagt der Neue.

GottesdienstDer Einführungsgottesdienst mit Dekan Dr. Martin Lückhoff wird am Sonntag (10 Uhr) in der Jakobuskirche vom Posaunenchor und dem Singkreis musikalisch begleitet.

Quelle: Hanauer Anzeiger

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