Aus dem Gericht

Prozess um Raubüberfall in Bruchköbel: Mutmaßlicher Räuber auf der Flucht

Da fehlten noch zwei auf der Anklagebank: Der Hauptverdächtige eines Überfalls und ein weiterer Komplize sind unauffindbar. Nur einer der mutmaßlichen Räuber fand sich vor Gericht ein.
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Da fehlten noch zwei auf der Anklagebank: Der Hauptverdächtige eines Überfalls und ein weiterer Komplize sind unauffindbar. Nur einer der mutmaßlichen Räuber fand sich vor Gericht ein.

Verhandlungen im Gericht bergen häufig Überraschungen. So auch am Dienstagmorgen am Hanauer Landgericht. Aufgerufen war eine Strafsache gegen zwei junge Angeklagte wegen schweren Raubes. Erschienen war aber nur einer der beiden, ein 1985 geborener Bruchköbeler.

Hanau/Bruchköbel – Der andere, etwas älter und bereits ein beschriebenes Blatt im Strafregister, wie Dr. Peter Graßmück. Vorsitzender Richter der für den Fall zuständigen 7. Strafkammer andeutete, zog es vor, der Verhandlung fern zu bleiben. Weder das Gericht noch Staatsanwalt Mathias Pleuser, der die Anklagebehörde vertritt, zeigten sich sonderlich begeistert vom Ausbleiben des Angeklagten.

Auch sein Pflichtverteidiger, Rechtsanwalt Volker Augst, brachte keinerlei Verständnis für das Verhalten des mutmaßlichen Räubers, immerhin sein Mandant, auf.

Jetzt wird nach dem Angeklagten gefahndet

Eine Polizeistreife wurde aus dem Gerichtssaal heraus an die bekannte Wohnanschrift des Delinquenten geschickt. Klar, dass in einem solchen Fall die zwangsweise Vorführung angeordnet wird. Doch auch dort Fehlanzeige: Mutter und Bruder des Angeklagten, die ebenfalls in der Wohnung leben, erklärten den Beamten, der habe sich seit Wochen nicht zu Hause blicken lassen.

So beantragte Staatsanwalt Pleuser schließlich die Festnahme, der 1982 geborene Tarek S. wurde zur Fahndung ausgeschrieben. Währenddessen verfolgte der erschienene Angeklagte, Peter Paul P., das Geschehen ruhig und gelassen. Er machte den Eindruck, dass auch er lange nichts von seinem mutmaßlichen Komplizen gehört hat.

Verteidiger des Angeklagten gewechselt

Um aber den Prozessstart noch etwas unglücklicher wirken zu lassen, beantragte der Verteidiger von P., Rechtsanwalt Peter Oberländer, die Entbindung von seinen Verpflichtungen. Ersatz war allerdings bereits im Saal anwesend: Rechtsanwalt Stefan Kuhl übernimmt die Verteidigung P.s im Prozess.

Wann der nun stattfindet: Das steht in den Sternen, denn die Kammer will nicht mit nur einen der beiden Angeklagten verhandeln.

Der Vorwurf lautet schwerer Raub

Das Delikt, welches den beiden vorgeworfen wird, schwerer Raub, liegt schon etwas länger zurück. Ende Juni 2019 gegen Mitternacht sollen sie die Wohnungstür eines Geschädigten in der Bruchköbeler Hauptstraße eingetreten haben.

Während die beiden Angeklagten und ein weiterer Komplize dabei eine Machete, einen Schreckschussrevolver, einen Holzknüppel sowie Pfefferspray mit sich führten, soll einer der beiden dem Geschädigten mit jenem Knüppel auf den Kopf geschlagen und ihm Pfefferspray ins Gesicht gesprüht haben.

Beute machten die drei mutmaßlichen Räuber, von denen einer noch völlig unbekannt ist, relativ wenig. Einen goldenen Ring im Wert von rund 50 Euro und ein iPhone, das allerdings recht neu und gut 700 Euro wert war, ließen die Räuber mitgehen.

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