Regiomat

Regionale Produkte im Trend: Zu Besuch auf dem Milchhof Spors

Christan Spors füttert seine Kühe
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Die Kühe auf dem Hof bekommen selbst angebautes Futter. Der gesamte Betrieb kommt ohne Gentechnik aus.

Der Trend geht immer mehr zu regionalen Produkten. Das merkt auch Familie Spors, die den gleichnamigen Milchhof in Bruchköbel betreibt. Wir waren dort zu Besuch.

Bruchköbel – Gerade füttert Christian Spors ein Kälbchen, das in der Nacht zuvor geboren wurde. Es ist noch wackelig auf den Beinen. Für den Besuch der Reporterin machen er und sein Bruder Andreas eine kurze Pause, denn besonders im Sommer ist auf dem Bauerhof auf der Landwehr viel zu tun. Und seitdem die jungen Landwirte seit Herbst des vergangenen Jahres eine Verkaufshütte mit Direktvermarktung anbieten, sieht sich der Betrieb für die Zukunft gut aufgestellt. Besonders in der harten Corona-Zeit war der Regiomat des Milchhofs Spors auf der Landwehr zwischen Bruchköbel und Oberissigheim ein beliebter Anlaufpunkt für Spaziergänger und Radfahrer.

Geduldig warteten damals die Menschen in der Schlange, um mit Maske die kleine Hütte, die direkt vor dem großen Kuhstall liegt, zu betreten. Corona habe den Direktverkauf nochmals angekurbelt, erzählt Insa Spors beim Rundgang über den Hof. Ihr Mann Andreas betreibt gemeinsam mit seinem Bruder Christian den Bauernhof in vierter Generation. „Wir hatten schon immer Milchkühe“, erzählt der 35-jährige Andreas Spors. Aktuell halten sie 85 Milchkühe, 85 weibliche Rinder und 120 Mastbullen. Damit sei man ein mittelständischer landwirtschaftlicher Betrieb.

Wertschätzung regionaler Produkte mache sich bemerkbar

Das immer mehr Menschen Wert legen auf regionale Lebensmittel, mache sich auch bei ihnen bemerkbar. Im Milchautomaten in der Verkaufshütte können Kunden die selbsterzeugte Milch des Hofes in Flaschen abfüllen. In einem Warenautomat gibt es zusätzlich unter anderem Eier vom Hühnermobil vom benachbarten Birkenhof, Wurst von der Landmetzgerei Markus Steinicke aus Oberissigheim und Kartoffeln von Bauer Vulpius aus Roßdorf. Seit einigen Wochen gibt es sogar eine Eistruhe, in der es Eis von „Die Eisheiligen“ aus der Rhön gibt. Darunter sind auch exotische Sorten wie beispielsweise Heueis.

Die Eltern der Brüder, Rainer und Karola Spors, helfen bei der Bewirtschaftung mit. Auf rund 100 Hektar baut die Familie Weizen, Gerste, Silomais und Gras für Heu an. „Die ganze Fläche dient dazu, Futter für die Kühe anzubauen“, sagt Andreas Spors. Nur spezielles Eiweißfutter und Raps-Extrationen werden dazu gekauft.

Investition in neuen Kuhstall

Vor zwei Jahren haben sie an der Stelle des alten Kuhstalls einen neuen, modernen Stall gebaut. „Dafür haben wir rund eine Million Euro investiert.“ Dort kann ein automatischer Futterschieber auf im Boden eingebauten Magneten das Futter der Tiere zusammenschieben. Es gibt einen großen Laufhof und sogar eine große gelbe Massagebürste für die Kühe. Auch der Melkautomat funktioniert automatisch, ist auf jede Kuh programmiert, die durch einen implantierten Chip von der Maschine erkannt wird. Im Durchschnitt gibt jedes Tier 32 Liter Milch am Tag.

Im modernen Stall fehlt es den Tieren an nichts, sogar Massage ist möglich.

„Wir wollten konventionelle Produkte verkaufen, wir sind keine Biobetrieb und wollen denen keine Konkurrenz machen“, sagt Insa Spors im Hinblick auf den Biobauerhof Ackerlei in der direkten Nachbarschaft.

Milchhof Spors ist ein echter Familienbetrieb

Andreas Spors wollte immer schon den elterlichen Hof übernehmen. Er machte die Ausbildung zum Landwirt sowie die Weiterbildung zum landwirtschaftlichen Techniker. Er liebt die Vielseitigkeit seiner Arbeit. Kein Tag ist wie der andere, da fällt ihm auch die schwere körperliche Arbeit leicht. „Es macht Spaß und ist abwechslungsreich mit den Maschinen und Tieren.“ Bruder Christian ist gelernter Elektriker. Insa Spors hilft im Büro und kümmert sich um den Regiomaten. Und auch ihre Kinder, acht Monate und drei Jahre alt, werden mit Bauernhofluft groß. Gegründet wurde der Hof von den Großeltern Franz und Liselotte Viehmann, die vom alten Spielhaus in der Kernstadt in den 1960er Jahren auf den damaligen Aussiedlerhof gezogen sind.

Die zwei Brüder Christian (links) und Andreas Spors betreiben den gleichnamigen Milchhof in Oberissigheim. Insa Spors hilft ihrem Mann Andreas im Büro aus

Er erwartet in diesem Jahr insgesamt eine gute Ernte. „Wir hatten Glück und genügend Niederschlag.“ Aktuell ist die Heuernte abgeschlossen. „Jetzt wird die Gerste reif, die wird in den nächsten Tagen geerntet“, berichtet Andreas Spors. Und dann geht es schon wieder an die nächste Aussaat im Herbst und die Maisernte. Hier bestimmen die Natur und das Wetter die Arbeitsabläufe. Auch die Gülle und der Mist vom Hof werden regional verwertet und in die benachbarte Biogasanlage geliefert.

Regiomat wurde ausgeraubt

Dass der Regiomat so erfolgreich laufe, freut die jungen Landwirte. „Die Menschen schauen eben mehr darauf, was sie kaufen“, hat Insa Spors beobachtet. Sie hoffen, dass der Boom, den ihnen das Corana-Virus beschert hat, zumindest teilweise bleibt. Aber die Bekanntheit hat wohl auch seine Schattenseiten. Keinen Tag nach dem Besuch des HANAUER ANZEIGER auf dem Familienhof hat ein Unbekannter den Regiomaten ausgeraubt und die dortigen Automaten aufgebrochen (wir berichteten). Sogar die Spendenkasse für die Kita Spatzennest wurde geplündert. Denn die Spors wollen die Mehrwertsteuer gesammelt der Einrichtung in Oberissigheim spenden.

Der Regiomat wird täglich von Insa Spors befüllt.

Aber die Familie lässt sich nicht beeirren, nur wenige Tage nach dem Einbruch haben sie die Verkaufshütte wieder geöffnet. „Es ist alles wieder repariert, nur der Milchautomat nimmt jetzt erst mal nur Münzen“, erzählt Andreas Spors am Telefon. Die erfolgreichsten Produkte im Regiomaten sind die Eier vom Birkenhof und die Wurst sowie die Trinkmilch. Jetzt im Sommer läuft ihnen aber wahrscheinlich das Eis den Rang ab.

Regionale Vermarkter - eine Auswahl

Der Ziegenzüchter Tobias Groh in Linsengericht-Waldrod hat auch einen Regiomaten an seinem Ziegenhof, Birkenhainer Straße 21, stehen. Er wird von Betrieben beispielsweise aus Erlensee (Kartoffeln) und Getränken von der örtlichen Kelterei Trageser beliefert. In Nidderau hat der Hofladen Traudt im Bücherweg 16 auch eine breite Angebotspalette von Käse, über Kartoffeln bis hin zu Käsekuchen-Eis von Hof Sonnenberg.

Am Hof Buchwald in Nidderau-Windecken werden Bio-Eier direkt vom Hühnermobil verkauft. Die Buchwald-Eier können aber auch online abonniert werden und an vielen Bäckereien wohnortnah abgeholt werden. mcb

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