Schwangerschaft

Schwanger mit dem dritten Kind: So verändert Corona die Schwangerschaft

Mona Engler erwartet ihr drittes Kind. Doch die Corona-Krise bringt Herausforderungen für die Schwangerschaft mit sich.

  • Mona Engler erwartet ihr drittes Kind
  • Die Schwangerschaft während der Corona-Krise birgt Herausforderungen
  • Es herrschen besonders strenge Hygienevorschriften

Das Bild vermittelt größtmögliche Entspannung: die Labrador-Hündin Penny streckt sich im Schlaf gemütlich in ihrem Korb vor der Terrassentür aus, während Mona Engler am Esstisch mit dem werdenden Müttern oft eigenen Strahlen von ihrer Schwangerschaft berichtet. Unter ihrem schwarzen T-Shirt wölbt sich ein runder Bauch – noch eine Woche bis zum errechneten Geburtstermin. 

Alles wie immer also? Denn für Mona Engler ist die Schwangerschaft kein Neuland: Sie ist bereits Mutter zweier Jungs im Alter von fünf und fast drei Jahren. „Alles wie immer. Und doch ist alles ganz anders“, fasst die Bruchköbelerin die Situation zusammen. Die wichtigste Botschaft: Der 36-Jährigen geht es gut. Sie hat keine nennenswerten Beschwerden und kann sich auf den Nachwuchs freuen. Dennoch hat sich in den vergangenen Wochen in die Vorfreude immer auch ein Quentchen Ungewissheit gemischt. Denn alle Routine-Schritte – von den Vorsorgeuntersuchungen bis hin zur Besichtigung der Entbindungsklinik – sind anders verlaufen, als es Engler gewohnt war. 

Corona-Krise sorgt für besondere Schwangerschaft beim dritten Kind

„Als das mit der Corona-Krise losging, habe ich von Anfang an Maske getragen“, erklärt sie. Nicht, dass sie Angst gehabt hätte, an dem Virus sterben zu können. Aber was das Virus für Un- oder Neugeborene bedeutet, wie die Spätfolgen einer Erkrankung aussehen und wie diese sich auswirken, ist nach wie vor nicht wirklich klar. Zu den Ultraschall- und Vorsorgeterminen musste Mona Engler diesmal alleine gehen. 

Ihr Mann durfte sie nicht begleiten und wurde nicht so einbezogen wie früher, was Engler – wenngleich nachvollziehbar – sehr schade findet. „Für mich war das nicht ganz so schlimm“, sagt die Frau mit dem schulterlangen dunklen Haar. Doch ihre Schwester, die zeitgleich mit ihr die erste Schwangerschaft erlebt, habe unter den Einschränkungen stärker gelitten. Zunächst sah es auch so aus, als dürften die Ehemänner bei der Geburt nicht mit in den Kreißsaal. „Als das noch im Raum stand, habe ich eine Hausgeburt in Betracht gezogen“, sagt Engler. 

Corona-Krise: Hausgeburt beim dritten Kind war ein Thema

Mona Engler ist im neunten Monat schwanger. Von Corona lässt sie sich nicht aus der Ruhe bringen. Aber die Pandemie sorgte schon dafür, dass sich diese Schwangerschaft von ihren zwei vorangegangenen unterscheidet.

Bei der Geburt sei man als Frau schließlich phasenweise so stark mit sich und den Wehen beschäftigt, dass es wichtig sei, einen vertrauten Menschen als Sprachrohr an seiner Seite zu haben. Vom Projekt Hausgeburt sind die Englers wieder abgekommen. Mona Engler wird ihr Kind – es wird wieder ein Junge – im Hanauer St. Vinzenz-Krankenhaus bekommen. Dort also, wo die Söhne Linus und Finn auch schon geboren wurden. Und Mona Engler hat Glück. Zunächst besagten die Hygienevorschriften, ihr Mann sei erst im Kreißsaal zugelassen, wenn sich der Muttermund geöffnet habe. 

Da die Englers aber schon zum dritten Mal Eltern werden und die Geburt schnell über die Bühne gehen könnte, darf der werdende Vater seine Frau schon zur Untersuchung begleiten. Auch das anfängliche Besuchsverbot auf den Wochenbettstationen gilt nicht mehr. Jetzt darf Mona Engler eine Stunde pro Tag Besuch empfangen. Nur die Kinder dürfen den Papa nicht begleiten. Sie müssen zu Hause warten, bis die Mama wieder heimkommt. „Klar, dass ich versuche, so schnell wie möglich nach Hause zu gehen.“ 

Corona stellt das Leben von Eltern und Kindern auf den Kopf

Noch ist es aber nicht so weit und alle müssen sich noch gedulden. Und das fällt schwer. Zumal in den vergangenen Wochen Ablenkung rar war. Den Kontakt zu den Großeltern hatten die Englers zu deren Schutz komplett eingestellt. Damit erlebten die jungen und werdenden Eltern das Dilemma, in dem sich unzählige Paare und Alleinerziehende wiederfanden: Corona stellte das gesamte Familienleben auf den Kopf. 

Mona Engler, die als Lohnsteuer-Beraterin im Lohnsteuerhilfeverein Hanau arbeitet, war wochenlang zu Hause und beriet Ratsuchende telefonisch. Ihr Mann, der als Fachinformatiker tätig ist, sitzt ein Stockwerk höher am PC. Da die Kitas geschlossen hatten und anfangs auch die Spielplätze, waren auch beide Jungs daheim – und wollten beschäftigt werden. Da wäre auch so schon eine Herausforderung gewesen. Hochschwanger und ohne Unterstützung durch die Großeltern oder Freunde steigerte sich diese aber noch. „Mal hinsetzen und verschnaufen war nicht drin“, sagt Engler und freut sich, dass jetzt die Kitas wenigstens zeitweise wieder geöffnet sind. 

Test auf Corona bei Kindern direkt nach der Geburt

Alles in allem kann sie mit der Situation gut leben. Dass sie zum Fithalten nicht schwimmen gehen konnte, weil die Bäder geschlossen hatten, dass Geburtsvorbereitungskurse nur online stattfanden oder sie nur wenig Ruhephasen hatte, findet die 36-Jährige nicht tragisch. Ihr geht es schließlich auch besser als einer Freundin, die ihr Kind per Kaiserschnitt zur Welt bringt und die auf Corona getestet wurde. Bis Entwarnung kam, durchlebte sie bange Stunden, weil sie befürchten musste, schlimmstenfalls im OP auf die Begleitung durch den Partner verzichten zu müssen.

Quelle: Hanauer Anzeiger

Rubriklistenbild: © Reinhard Paul

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare