„Wir sind alle sehr aufgeregt“

Tamara Walter und Tochter Elea freuen sich trotz Einschränkungen auf die Einschulung

Ganz stolz hält die sechsjährige Elea Eddelbüttel ihre Schultüte in der Hand, die ihre Mutter Tamara Walter selbst genäht hat. Ab morgen wird sie ihren Schulranzen fast tagtäglich auf dem Rücken tragen.
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Ganz stolz hält die sechsjährige Elea Eddelbüttel ihre Schultüte in der Hand, die ihre Mutter Tamara Walter selbst genäht hat. Ab morgen wird sie ihren Schulranzen fast tagtäglich auf dem Rücken tragen.

Vor wenigen Wochen noch war Elea Eddelbüttel ein Kindergartenkind. Damit ist es nun vorbei. Ihre Einschulung steht morgen an und sie kann es kaum erwarten, endlich ein Schulkind zu werden. Damit steht sie nicht alleine. Mit ihr zusammen werden 75 Kinder ab morgen die erste Klasse der Haingartenschule besuchen.

Bruchköbel – „Ich war ein wenig traurig bei der Verabschiedung in der Kita, aber ich habe mich auch auf die Schule gefreut“, erzählt die aufgeweckte Sechsjährige. Mutter Tamara Walter geht ins Detail: „Zunächst war sie sehr traurig, weil alle Kinder aus ihrer Kitagruppe auf eine andere Schule gehen und sie nicht wusste, wer in ihre Klasse kommt. Sie hatte Sorge, dass alle zunächst fremd sein werden. Aber dann kannte sie doch zwei Kinder und dann war es okay.“

Zu Beginn der Ferien verschickte die Haingartenschule an die Erstklässler einen Brief, in dem der Schulstart unter Corona-Bedingungen erklärt wurde, zusammen mit einem persönlichen Brief der zukünftigen Klassenlehrerin und einer Materialliste. „Die Dinge auf der Liste haben wir auch gleich besorgt, dann war das erledigt“, gibt sich Walter pragmatisch. Dann wurden die Dinge, wie im Schreiben der Schule gewünscht, mit Eleas Namen beschriftet. Den Schulranzen, Eleas ganzer Stolz, durfte sie sich selbst aussuchen. „Die Ranzen sind ja wirklich wahnsinnig teuer“, bemerkt ihre Mutter am Rande.

Schulweg muss geübt werden

Ein wichtiger Teil der Vorbereitung auf die Schule stellte der Schulweg dar. „Wir haben den Weg die letzten Wochen oft geübt und Elea durfte immer ein Stückchen weiter alleine laufen“, erklärt Walter das Vorgehen. Obwohl das bisher ganz gut klappt, bereitet dieser Teil ihr dennoch Sorgen.

„Ich habe mir schon überlegt, ihr eine Notfalluhr zu besorgen, auf der meine Nummer gespeichert ist und sie mich mit nur einem Knopfdruck anrufen kann.“ Sie habe aber erfahren, dass diese Uhren an der Schule sehr wahrscheinlich nicht erlaubt seien, da manche eine Aufnahmefunktion hätten. Manchmal könne sie ihre Tochter nicht nach der Schule abholen, erklärt sie. Denn Tamara Walter ist Tagesmutter, die ihre Kindertagespflege „Zaubergarten“ vor ungefähr einem Jahr bei ihr zu Hause eröffnet hat. „Ich bin momentan voll belegt und die Kinder, die alle unter drei Jahre alt sind, kann ich nicht immer zum Abholen meiner Tochter mitnehmen. Da kommt es auf die Uhrzeit an. Manchmal schlafen welche oder es ist Essenszeit“, erklärt die 34-Jährige weiter.

Generell könne sie sich den Alltag mit einem Schulkind und ihrer Arbeit noch nicht genau vorstellen. „Ich habe mir erst mal Urlaub genommen, um grob alles zu organisieren. Dann werde ich mit den Tageskindern den Ablauf üben“, legt sie ihre Pläne dar, zumal auch die Kindergarteneingewöhnung ihres dreijährigen Sohnes ansteht.

Vorschulprojekte fehlten

Die gelernte Erzieherin, die viele Jahre in einer städtischen Kindertagesstätte tätig war, hat sich auch einige Gedanken zu den sonst üblichen Vorbereitungen auf die Schule in der Kita im Rahmen von Vorschulprojekten gemacht. „Es hat nicht viel an Vorschulvorbereitungen aufgrund der Pandemie stattgefunden. Die Kita hat sich zwar Mühe gegeben und Arbeitsblätter ausgeteilt, aber aufgrund der Gruppentrennungen konnte sich die Gruppe der Vorschulkinder nicht finden und in Eleas Gruppe waren auch nicht viele, die nun eingeschult werden“, beschreibt sie ihre Eindrücke.

Vorschulprojekte in der Kita täten den Kindern gut. „Sie sind vorbereiteter. Zum Beispiel lernen sie sitzen zu bleiben und Aufgaben zu Ende zu bringen. Die ersten Rahmenstrukturen werden bei den Vorschulprojekten gelegt.“ Diese würden den Einschulungskindern jetzt fehlen.

Vorbereitung auf die Corona-Maßnahmen in der Schule

Auch auf die bevorstehenden Corona-Maßnahmen habe sie ihre Tochter vorbereitet. „Zunächst habe ich sie verstärkt zu längeren Einkäufen mitgenommen, damit sie sich an das Tragen der Maske über längere Zeit gewöhnt“, erzählt Walter, die extra medizinische Kindermasken bestellt hat, durch die man gut Luft bekäme. „Den Tipp habe ich von einer Verwandten.“ Außerdem spreche sie regelmäßig mit Elea über die neuen Regeln. Auch die Durchführung von Corona-Selbsttest habe sie mit ihr zu Hause geübt. „Ich finde die Maßnahmen zum Schulbeginn richtig, aber wie das in der Praxis wird, kann ich mir noch nicht so ganz vorstellen.“

Ein mulmiges Gefühl mit Blick auf die Pandemie habe die Mutter schon, wenn sie an die Schule denkt. „Ich möchte natürlich nicht, dass Elea Corona bekommt. Ich kenne mittlerweile einige Kinder, die es hatten und die sind alle gut durchgekommen. Aber dennoch muss das nicht sein.“ Außerdem könnten Kinder sich auch nicht immer an die Abstandsregeln halten. „Da wird sich schon mal gedrückt, ganz verhindern kann man das eh nicht.“

Eine Maßnahme sieht die Mutter dennoch kritisch: „Ich halte Masken und Tests in der Schule für wichtig, aber eine Maske auch am Platz im Klassenraum tragen zu müssen, kann ich nicht ganz nachvollziehen. Im Flur oder in Situationen mit mehr Berührungspunkten ist es verständlich, aber am Platz könnte sie schon ausgezogen werden. Es ist schon eine Zumutung für die Kinder, die Masken so lange tragen zu müssen.“ Doch auch wenn die schärferen Maßnahmen über die geplanten zwei Wochen hinaus verlängert werden würden, dann wäre das eben so. „Es gehört aktuell zu unserem Alltag, es ist für keinen angenehm, aber man muss es halt machen.“

An eine mögliche Schulschließung mit Homeschooling möchte die Tagesmutter allerdings gar nicht denken. „Ich wüsste nicht, wie ich das mit meinen Tageskindern organisieren könnte. So einfach Kinderkrankentage wie in anderen Berufen kann ich nicht nehmen.“

Kleine private Einschulungsfeier geplant

Doch auch wenn die Einschulung nicht ganz so verlaufen wird, wie sonst üblich, versucht die Familie soviel Normalität wie möglich in den neuen Lebensabschnitt von Elea zu bringen. Die Schultüte hat Mutter Tamara selbst genäht und liebevoll gestaltet. „Danach kann man den darunterliegenden Rohling aus Pappe entfernen und den Bezug füllen und als Kissen benutzen“, sagt die kreative Bruchköbelerin. Auch ein T-Shirt hat sie für Elea und ihre Freundin gestaltet, versehen mit einem Bild, ihrem Namen und den Schriftzug „Schulkind“.

Außerdem werden die Großeltern und weitere Verwandte teilweise sogar aus Hamburg anreisen, um am Dienstag im Garten ein wenig zu feiern. „Zur Einschulungsfeier in der Schule dürfen ja nur die Eltern und Geschwisterkinder kommen. Doch die Familie möchte auch daran teilhaben, darf aber nicht. So holen wir es bei uns zu Hause nach. Wir sind alle sehr aufgeregt.“

Dann kann Elea auch ihre Schultüte auspacken, denn was sie darin finden wird, ist eine große Überraschung – und die wird erst morgen gelüftet. (Von Patricia Reich)

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