Nistkästen in Bruchköbel wiederholt angezündet

Vandalen am Werk: Jungvögel verbrennen

Ausgebrannte Nistkästen wie diesen, haben die Vogelschützer in den vergangenen Tagen mehrfach entdeckt.
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Ausgebrannte Nistkästen wie diesen, haben die Vogelschützer in den vergangenen Tagen mehrfach entdeckt.

Einer Frau, die mit ihrem Hund spazieren war, war ein qualmender Nistkasten auf einer Streuobstwiese aufgefallen. Drei männliche Jugendliche standen davor, die dann schnell auf ihre Fahrräder stiegen und Richtung Ostheim (Nidderau) fuhren. So beschrieb die Spaziergängerin es Rolf Gogné, Ehrenvorsitzendem des NABU Kreisverband Main Kinzig und Mitglied des Vogelschutzvereins Roßdorf.

Bruchköbel - Drei der Brutkästen auf dieser Streuobstwiese wurden an diesem Tag in Brand gesetzt, in einem von ihnen verbrannten mehrere Jungvögel, die keine Chance gegen die Flammen und den Rauch hatten.

„Das ist kein Jugendstreich, so etwas ist unentschuldbar. Wie kommt man bloß auf so eine Idee?“, fragt sich Gogné. Er und Reinhard Sommerfeld, 1. Vorsitzender des Roßdorfer Vogelschutzvereins, sind schockiert angesichts dieser Tat. „Ich frage mich, woher solch ein Verhalten kommt. Das ist doch nicht normal“, so Sommerfeld.

Es ist nicht das erste Mal, dass in Bruchköbel Nistkästen in Brand gesetzt werden. In den vergangenen vier Jahren fielen diesen gezielten Angriffen 30 bis 40 der Brutstätten zum Opfer. Wer das tut und aus welchem Grund, ist unklar.

Sind schockiert über das absichtliche Abfackeln von Nistkästen: Die engagierten Vogelschützer Rolf Gogné (links) und Reinhard Sommerfeld.

Der Vogelschutzverein Roßdorf möchte aus diesen Taten nun Konsequenzen ziehen. „Wir werden in den gefährdeten Gebieten Wildkameras aufhängen, die dabei helfen können, die Identität der Täter zu klären“ erklärt Rolf Gogné. „Außerdem appellieren wir an die Vernunft der Menschen und hoffen, dass jeder, der etwas Verdächtiges sieht, es an uns weitergibt“.

Es gibt allerdings nicht nur Negatives aus der Vogelwelt zu berichten. Wie Gogné und Sommerfeld erzählen, ist dieses Jahr ein gutes Brutjahr im Vergleich zu 2020. Zwar habe die erste Brut vieler Vögel durch den nasskalten Frühling große Verluste erfahren, auch da aufgrund des Wetters kaum Insekten verfügbar waren. Die zweite Brut profitiere jedoch von den nun vorherrschenden guten Wetterbedingungen und dem Insektenangebot. Da durch Corona mehr Menschen als sonst von zuhause aus arbeiten, sei es oft der Fall, dass vermeintlich hilfsbedürftige Jungvögel bei ihnen oder dem Roßdorfer Vogelschutzverein abgegeben werden.

Dazu informiert Gogné: „Viele junge Vögel sind nur teilflugfähig, sie hüpfen dann auf dem Rasen herum und werden noch von den Eltern gefüttert. Es passiert oft, dass sie dann von Menschen eingesammelt und ‚gerettet’ werden, obwohl sie eigentlich gar keine Hilfe brauchen.“

Pferdeställe als Nistplatz

Er betont, dass es in Ordnung ist, Jungvögel vorsichtig auf eine Erhöhung wie beispielsweise ein Garagendach oder einen Balkon zu setzen, um sie vor Katzen zu schützen. Dass sie in einen Schuhkarton gesetzt und weggebracht werden zum Vogelschutzverein oder zum Tierarzt, sei jedoch in den meisten Fällen absolut nicht nötig. Eine solche „Rettung“ sorgt bei den Tieren nur für Stress und führt dazu, dass Elterntiere und Jungtiere voneinander getrennt werden.

„Das ist zwar gut gemeint, aber es ist der falsche Weg“, so Gogné. „Verletzte Vögel können uns natürlich gerne gebracht werden, wir führen sie dann einer entsprechenden Behandlung zu.“

Zum Abschluss erzählen er und Reinhard Sommerfeld von einem weiteren positiven Ereignis: Die Bestände von mehreren seltenen Vogelarten haben sich in der jüngsten Zeit erholt. Pirol, Wendehals, Gartenrotschwanz und Feldlerche verzeichnen Bruterfolge und können so eine Zunahme der Populationen ermöglichen.

Auch die Rauchschwalbe brütet wieder vermehrt und wählt als Nistplatz immer häufiger Pferdeställe. In Bruchköbel laden viele Reiterhöfe mit ihren Ställen die zierlichen Schwalben ein und verhelfen der bedrohten Art somit zu einem Aufschwung.

Die Mehlschwalbe brütet im Gegensatz dazu bevorzugt unter Hausdächern. „Leider gibt es immer öfter Leute, die die Nester mit Stangen runterstoßen, weil sie keine Verschmutzungen haben wollen.“ Der Vogelschutzverein Roßdorf bietet betroffenen Bewohnern von Roßdorf daher sogenannte Kotbretter an, die diese Verschmutzungen verhindern und so der Mehlschwalbe eine Chance geben, in Ruhe zu nisten. Wer möchte, kann sich außerdem für die NABU-Auszeichnung „schwalbenfreundliches Haus“ bewerben und bekommt dann ein Schild an seinem Haus angebracht, das diese Auszeichnung und das Engagement für den Vogelschutz sichtbar macht. (Von Paula Schäfer)

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