Bruchköbel

Am Wahlstand: Sylvia Braun (FDP) füllt Gastraum des "Schwanen"

Wahlkampf-Heimspiel in Roßdorf: FDP-Bürgermeisterkandidatin Sylvia Braun will den Innenstadtumbau zur Chefsache machen. Foto: Holger Weber

Bruchköbel. Der Abend wird gut strukturiert sein. Daran lässt Sylvia Braun von Beginn an keinen Zweifel. Wer bin ich? Warum will ich Bürgermeisterin werden? Um diese Fragen soll es gehen im Restaurant und Hotel „Zum Schwanen“ in Roßdorf. Es ist der Auftakt ihrer Dialogtour.

Von Holger WeberIn Roßdorf hat sie ein Heimspiel und das merkt man auch am Zuspruch der Bürger. Der Saal ist voll, es müssen zusätzliche Stühle an die Tisch gestellt werden. Etwa 60 Interessierte hat ein Parteikollege Brauns am Ende gezählt. 

Braun hat man vor ihrer Kandidatur wenig auf Festen und Veranstaltungen gesehen. Für viele Bürger, die nicht regelmäßig die Tagespolitik in Bruchköbel verfolgen, ist sie noch relativ unbekannt. „Ich bin hier, weil ich mir ein Bild von der Frau machen möchte“, sagt eine Bürgerin, die es per se gut findet, dass sich eine Frau im Kandidatenpool für die Bürgermeisterwahl am 27. Oktober befindet.

Kriminalkommissarin mit 30-jähriger Berufserfahrung, Diplom-Verwaltungswirtin, verheiratet, zweifache Mutter. „Was machen, nicht nur meckern“, sei ihr Motto gewesen, als sie – relativ spät – in die Politik gegangen sei. Zunächst als Mutter in Gremien der Elternbeteiligung, später dann im Stadtparlament für die FDP.

Es geht um ihre Ziele

Das sind in die Eckdaten, mit denen sie sich dem Publikum in Kürze vorstellt. Es soll weniger um sie, sondern um ihre Ziele gehen. Braun hält gelbfarbene Moderationstäfelchen in der Hand. Sie wolle Bürgermeisterin von Bruchköbel werden, um an der Schaltstelle zwischen Politik und Verwaltung zu sitzen. Von dort aus wolle sie die Stadt zum Besseren verändern. 

Ihr erstes Schwerpunktthema ist der Innenstadtumbau, der zwar von ihrer Partei in dieser Form so nicht mit beschlossen worden, jetzt aber ein unumstößlicher Fakt sei. „Jetzt gilt es, das Beste rauszuholen“, sagt Braun, „und vor allem die Kosten unter Kontrolle zu halten.“

Den Innenstadtumbau wolle sie zur Chefsache machen, sagt sie und kritisiert Bürgermeister Günter Maibach (CDU), der, wenn es wichtig wurde, immer nur seine Planer habe sprechen lassen. Was die Stadt jetzt schnell brauche sei ein Konzept für die Tiefgarage, die zwar beschlossen sei, aber von der bisher niemand wirklich wisse, wer sie betreiben und wie sie bewirtschaftet werden soll. „Ich kann Ihnen nicht versprechen, dass Sie 60 Minuten frei parken können“, sagt sie. Doch zumindest wolle sie sich dafür einsetzen, dass die Kosten für die Nutzer so niedrig wie möglich blieben. 

Wachstum ist wichtig

Mit Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung macht die Liberale deutlich, dass Wachstum für sie wichtig ist. Man müsse sich alle Optionen offen halten. Dass so eine renommierte Firma wie Ille Bruchköbel in Richtung Altenstadt zieht, weil sie in der Stadt keine Perspektiven bekommt, dürfe nicht noch einmal passieren, meint Braun. Entwicklungsflächen brauche die Stadt auch für den Wohnungsbau, damit weiterhin Platz für junge Familien sei. Das Bruchköbeler Modell, wonach in der Stadt bisher die Bauplätze vergeben worden sind, müsse transparenter werden. 

Fragen gibt es aus dem Publikum nur wenige, rund 45 Minuten spricht Braun über die Jugendarbeit, die bunter, pfiffiger und moderner werden müsse, obwohl sich mit dem von Kirche und Stadt gemeinsam betriebenen Jugendcafé im Gemeindehaus schon einiges getan habe. Dem Erziehermangel will sie begegnen, in dem sie denBeschäftigten in Bruchköbel ein besseres Arbeitsumfeld schafft auch auf das Thema Wasser kommt Braun zu sprechen. 

Da habe sich die Stadt ohne Not 20 Jahre lang gebunden, dennoch wolle sie hartnäckig bleiben, die Kreiswerke weiter nerven, bis sie den Bruchköblern das erwünschte weichere Wasser zur Verfügung stellten. Beim Thema Betreutes Wohnen sollte man Einrichtung an bereits bestehende andocken. Darüber hat sich Braun eingehend bei der Vereinte Martin-Luther-Stiftung erkundigt. 

Mit Sicherheit kennt sie sich aus

Und als Polizeibeamtin spart Braun natürlich auch das Thema Sicherheit nicht aus. Da kennt sie sich aus. Sie möchte dunkle Ecken heller machen und einen Präventionsrat gründen, der negative Entwicklungen frühzeitig erkennt und gegensteuert. 

Ganz am Ende der kommt dann doch noch eine Frage aus dem Publikum: „Haben Sie eigentlich ein politisches Vorbild?“ will ein Roßdorfer wissen. Braun überlegt kurz: „Aus der Gegenwart leider nicht“, aber Helmut Schmidt, den habe sie bewundert, weil er auch bei schwierigen Entscheidungen einen kühlen Kopf bewahrt habe und in der Politik ein Pragmatiker gewesen sei. 

Bevor dann Zwiebelkuchen, Handkäs' und Gebäck gereicht wird gibt die Kandidatin ihrem Publikum noch eine Botschaft mit auf den Weg: „Meine Tür wird Ihnen immer offenstehen.“ 

Quelle: Hanauer Anzeiger

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