Jugendreferat

„Wichtig, Jugendliche ernst zu nehmen“: David Dieschburg bringt frischen Wind in die Bruchköbeler Jugendarbeit

David Dieschburg
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Er hat nicht nur ein Händchen für die neuen Medien, als gelernter Schreiner auch fürs Handwerk. Sozialpädagoge David Dieschburg hat es trotz Corona geschafft, die Jugendarbeit in Bruchköbel wiederzubeleben.

Er ist ein Glücksfall für die Jugendarbeit in Bruchköbel, die lange Jahre praktisch auf Eis gelegen hat: David Dieschburg, 36 Jahre jung, Sozialpädagoge. Er ist erst seit knapp sieben Monaten der neue Mitarbeiter im Jugendreferat und hat trotz der widrigen Corona-Umstände in dieser Zeit schon viel bewegt.

Bruchköbel - Zugute kommen Dieschburg nicht nur seine lockere Art, mit der er Jugendliche anspricht, sondern auch, dass er ursprünglich aus Bruchköbel kommt und schon vielfältige und langjährige Erfahrungen in der Jugendarbeit sammeln konnte.

Aufgewachsen in Niederissigheim, hat er seinen Realschulabschluss an der Heinrich-Böll-Schule gemacht, beim Pfadfinderstamm Shalom war er Gruppenleiter und im Stammesvorsitz. Eine Ausbildung zum Schreiner hat er trotz einiger „Höhen und Tiefen“ erfolgreich abgeschlossen, erzählt er beim Gespräch im großen Raum des JFS, dem Jugend-, Familien- und Sozialzentrum an der Hauptstraße 26a, direkt vor dem Bürgerhaus in den ehemaligen Räumen der Sozialen Dienste.

Es sei wichtig, dass dieser Anlaufpunkt klar benannt werde, erklärt Dieschburg, warum das Zentrum nicht mehr Infopoint heißt. Und er spricht aus Erfahrung.

Dieschburg hat Erfahrung in der Jugendarbeit

Denn nach seiner Schreinerlehre hat er bei einer Jugendleiter-Tätigkeit auf einem Pfadfinderzeltlager seinen Wunschberuf gefunden. Er holte das Fachabitur nach, um Sozialpädagogik an der damaligen Fachhochschule Darmstadt studieren zu können. Nach seinem Studium war Dieschburg lange Jahre in der Marburger Gemeinwesenarbeit und zuletzt in der Offenen Jugendarbeit beim Caritasverband Frankfurt tätig.

Bei diesen Stationen hat der passionierte Hobbyfotograf immer wieder auch besondere Projekte mit Jugendlichen realisiert. „Mein Lieblingsprojekt in Marburg war das kleine Restaurant“, erzählt er. Dabei hat eine Gruppe von Jugendlichen für einen Tag ein Restaurant auf die Beine gestellt, unterstützt von einem Profikoch. In Frankfurt hat er gemeinsam mit Jugendlichen ein großes Freigelände gestaltet. „Wir haben eine große Sonnenterrasse, eine Theke und eine Halfpipe gebaut.“

Jugendreferat Bruchköbel jetzt auf Instagram aktiv

In Bruchköbel kann er nun diese Erfahrungen sowie seine Technik-Affinität einbringen. Er führte beispielsweise einen Instagram-Account für das Jugendreferat ein und kommuniziert viel über die sozialen Medien. „Es hat einen besonderen Charme, in meiner Heimatstadt die Jugendarbeit neu gestalten zu können“, sagt er.

Dabei ist sein Start in Bruchköbel denkbar unglücklich gewesen. „Mein erster Arbeitstag war der 16. März.“ Der Tag des landesweiten Lockdowns, als das komplette öffentliche Leben stillgelegt wurde.

Während Lockdown in den Stadtteilen unterwegs

Dieschburg nutzte die Wochen und Monate des Lockdowns, um sich in der Stadt und ihren Ortsteilen umzuschauen. „Ich bin viel mit dem Fahrrad durch Bruchköbel gefahren und habe die Jugendlichen, die ich getroffen habe, angesprochen.“ Zu hören, was die jungen Heranwachsenden denken, wollen und sagen, ist ihm generell ein großes Anliegen.

„Es ist wichtig, Jugendliche ernst zu nehmen.“ Die Partizipation der Jugendlichen sei ein zentrales Merkmal der aktuellen Jugendarbeit, sagt Dieschburg und berichtet, dass alle bisherigen Aktionen aus Anregungen von Jugendlichen entstanden seien.

Jugendliche wünschen sich Kino, Party und Mountainbikes

„Sie haben sich das Kino gewünscht, die Beach-Party im Sommer oder den Mountainbike-Workshop in den Herbstferien.“ Bei den Aktionen selbst haben die Jugendlichen dann auch mitgeholfen. Alle bisherigen Aktivitäten waren sehr gut besucht oder ausgebucht, das zeige, dass ein hoher Bedarf an Gemeinschaft unter den Jugendlichen bestehe, meint der Sozialpädagoge.

Zielgruppe der Jugendarbeit sind alle Jugendlichen ab zwölf Jahren. „Sie sind die Verlierer der aktuellen Corona-Situation“, meint Dieschburg. Wegen der Pandemie würden viele öffentliche Räume für Jugendliche wegfallen. Auch da will die neue Jugendarbeit in Bruchköbel ansetzen. So wurde der große Raum im JFS so gestaltet, dass sich auch Jugendliche dort aufhalten können. Neben einer Theke steht ein Tischkicker, Sofas schaffen Aufenthaltsqualität. Allerdings wird der Raum von weiteren Gruppen wie etwa dem Reparatur-Café genutzt. „Er muss multifunktional gestaltet sein.“

Jugendarbeit: Stadt Bruchköbel sieht sich auf dem richtigen Weg

Ein eigenes Jugendzentrum wäre darum die optimale Lösung. Das wissen auch die Verantwortlichen wie etwa Bürgermeisterin Sylvia Braun (FDP). Mit der personellen Aufstockung der Jugendarbeit sei die Stadt nun auf „dem richtigen Weg“, so Braun. Sie selbst habe noch als Stadtverordnete vor drei Jahren diesen Prozess angestoßen, als sie die Arbeitsgemeinschaft Jugend initiierte.

„Wichtig ist, dass wir der Jugendarbeit nun wieder Aufmerksamkeit schenken, aber diese Entwicklung braucht Zeit“, so Braun. Gerne würde sie die Jugendarbeit weiter ausbauen, aber wegen Corona sei zurzeit nicht an weiteres Personal zu denken. An neue Räumlichkeiten muss die Stadt jedoch jetzt schon denken.

Abriss Mitte 2022

Denn spätestens Mitte 2022 wird das jetzige JFS samt Bürgerhaus abgerissen. „Wir haben Zeit, neue Räume zu suchen.“ Insbesondere Andreas Kalski, Fachbereichsleiter Jugend, Soziales und Kultur, sei um neue Räume bemüht, hätte schon Immobilien besichtigt. „Wir prüfen alle Optionen“, so Braun.

Bis dahin ist die Bürgermeisterin, die selbst zwei jugendliche Söhne hat, froh, dass es nun nach Jahren der brachliegenden Jugendarbeit wieder Angebote gibt. Und Dieschburg berichtet, dass viele Jugendliche froh seien und sagen würden: „Endlich wird mal was für uns gemacht.“

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