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Penis-Brunnen vor der Kirche erregt die Gemüter - Pfarrer überrascht

Vor allem aus der Vogelperspektive entfaltet der Brunnen seine volle Pracht.
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Vor allem aus der Vogelperspektive entfaltet der Brunnen seine volle Pracht.

Für den 1650 Einwohner starken Ort Jossgrund-Oberndorf (Main-Kinzig-Kreis) kommt die Aufmerksamkeit unerwartet. Doch mit der Enthüllung des Penis-Brunnen zieht der Ort viel Aufmerksamkeit auf sich.

Jossgrund –  In der Theorie klingt es schön: Ein öffentlicher Platz soll mit einem Wasserspiel verschönert werden, um dessen Attraktivität zu steigern. Das dachten sich auch die Verantwortlichen im Jossgrunder Stadtteil Oberndorf. 110 000 Euro sollen zur Verfügung gestanden haben, um den Franz-Korn-Platz gegenüber der katholischen Kirche von St. Martin mit einem Brunnen zu verschönern. Dass das Ergebnis nun für eine solche Aufmerksamkeit sorgt, kommt für die Initiatoren jedoch überraschend.

Der Brunnen selbst besteht aus zwei Halbkugeln und einem mit Wasser gefüllten länglichen Becken. Was in der Theorie unverfänglich klingen mag, weckt in der Realität jedoch ganz andere Assoziationen: Der Brunnen sieht von oben aus wie ein Phallus.

Main-Kinzig-Kreis: Pfarrer war von Penis-Brunnen überrascht

Die Form des Brunnens auf dem Franz-Korn-Platz in Jossgrund sorgt für Aufsehen.

„Also mein lieber Herr Gesangsverein... Liegt das jetzt daran, dass ich so lange im Zölibat lebe?“, war der erste Gedanke des Pfarrer Daniel Göller bei der Enthüllung des Wasserspiels gegenüber seiner Kirche, wie er der Hessenschau mitteilte. Mittlerweile sehe er die Form des Brunnens jedoch mit Humor: „Man muss das nicht dramatisieren“, so der Geistliche. Stattdessen fände er es schön, dass es gerade zu Corona-Zeiten etwas zu lachen gebe. 

Entstanden ist das Kunstwerk nicht aus einer Laune heraus. Er wurde mit Beteiligung der Bürger über einen längeren Zeitraum hinweg entwickelt. Beigeordneter Klaus Pfaff, der die Urlaubsvertretung von Bürgermeister Andreas Schreiber übernommen hat, und der Sprecher der zuständigen Arbeitsgruppe sind fassungslos. „Das hat wirklich keiner kommen sehen“, erklärte der Sprecher einer Lokalzeitung aus Gelnhausen, „Wir haben lange geplant, uns den Entwurf angesehen und ihn in einer Bürgerversammlung vorgestellt.“

Die Planungen um die Verschönerung des Platzes habe bereits 2015 begonnen. Zwei Jahre später seien dann laut Pfaff mehrere Projekte der Bürgerversammlung präsentiert worden. „In dem Entwurf ist nicht das zu sehen, was nun dabei herausgekommen ist“, erklärte der Beigeordnete der Zeitung. 

Main-Kinzig-Kreis: Penis-Brunnen soll den Spessart symbolisieren

In dem Entwurf seien die Rundungen unterschiedlich groß gewesen und der Wasserlauf sei geschlängelt verlaufen. „Die Halbkugeln des Brunnens sollten ursprünglich für die Hügel des Spessarts stehen, zwischen denen ein Bach durchfließt“, erklärt der Arbeitskreissprecher. 

Dass die Bürger jedoch die Möglichkeit zur Beteiligung bekommen hatten, scheint nicht allen klar zu sein. Eine Frau aus Jossgrund fragt sich daher, wer dieses Bauwerk zu verschulden habe. „Für das Geld hätte man den Platz mit ortstypischen Materialien wie Sandstein besser gestalten können,“ so die Mittvierzigerin. 

Penis-Brunnen sorgt bei manchen Einwohnern von Jossgrund (Main-Kinzig-Kreis) für Geschmunzel

Bei anderen Jossgründern sorgt der Brunnen hingegen für Geschmunzel. Ein Jugendlicher, der nicht namentlich genannt werden möchte, sagt: „Ich finde es einfach nur peinlich, dass wir jetzt Aufmerksamkeit bekommen, weil wir einen Penis im Dorf haben.“ Er könne nicht verstehen, wie man so etwas bauen könne. „Da muss man schon echt unter Drogen stehen“, so der Jossgründer. 

Wie es mit dem Brunnen genau weiter geht, ist noch unklar. Der Architekt des Brunnens erklärte jedoch auf Nachfrage der Hessenschau: „Um die Kuppeln werden noch Rundbänke montiert. Das verändert vielleicht auch das Erscheinungsbild noch ein bisschen.“ Pfarrer Göller freue sich jedoch schon auf die nächste Fassnacht, wie er der Hessenschau verriet. Traditionell herrsche in dieser Zeit eine gewisse Rivalität zwischen den Jossgrunder Ortsteilen. „Da wird das Thema weidlich ausgeschlachtet werden“, ist sich der katholische Pfarrer sicher. 

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