Corona erschwert Gedenken an Buchenwald-Befreiung

Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes blickt auf den 11. April – Pandemie öffne auch neue Perspektiven

74. Jahrestag der Befreiung KZ Buchenwald
+
Am 11. April 2020 jährt sich die Befreiung Buchenwalds zum 75. Mal.

Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) Main-Kinzig schließt sich der Erklärung des Internationalen Komitees Buchenwald-Dora (IKBD) an vor dem Hintergrund zum 75-jährigen Gedenken an den Todesmarsch der Gefangenen des KZ Katzbach durch den Kreis.

Von den 560 Gefangenen überlebten 54 den Todesmarsch, erinnert die VVN-BdA in einer Mitteilung. Am 11. April 2020 wird anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung des KZ Buchenwald die Glocke von Buchenwald auf dem Ettersberg läuten. 

„Wir, ehemalige KZ-Häftlinge, Nachkommen, Familien und Träger der Erinnerung, wollten gemeinsam mit unseren Freunden sowie den Bürgerinnen und Bürgern zu diesem denkwürdigen Ereignis auf dem Ettersberg zusammentreffen, um zu gedenken, nachzudenken und zu mahnen. Nordhausen und Orte der Außenlager wollten wir in unser Gedenken einbeziehen. Leider erlaubt es die tragische Coronavirus-Pandemie nicht, unsere Pläne zu verwirklichen. Die ehemaligen internierten und deportierten Häftlinge werden weder im Deutschen Nationaltheater von Weimar noch auf den Appellplätzen von Buchenwald und Dora, auch nicht vor Schülern und Jugendlichen zu treffen sein. Wir werden uns nicht freundschaftlich begegnen können. Ihre Stimmen werden nicht zu hören sein. Ihre Anwesenheit ist unersetzlich, stärkte sie doch erheblich den Umfang ihrer Botschaft. Ihr Wesen, ihre Präsenz machen stets jene Seiten der Geschichte lebendig, die schon so entfernt scheinen“, heißt es in der Mitteilung. 

Corona-Virus könnte neue Perspektiven öffnen

Die Treffen zum Gedenken böten immer wieder eine Gelegenheit zur erklärenden Erinnerung an die Vergangenheit. Sie seien gleichzeitig Momente der Wiedervereinigung, der Brüderlichkeit. „Das Covid-19-Virus hat diese Dynamik gebrochen. Es bringt aber auch unsere Stärken und Schwächen ans Licht. Es ermöglicht den Rückzug auf uns selber. Zugleich erweckt es in uns humanistische Regungen. Wir müssen uns beschränken, jedoch mit großer Energie Solidarität befördern“, erklärt der VVN-BdA. Die Situation rege an, grundsätzliche Fragen zu bedenken, und öffne neue Perspektiven. Wie man im Geist des Schwurs von Buchenwald das Mahnen und Gedenken an authentischen Orten gestalten werde, solle im Mittelpunkt der Überlegungen stehen. 

„Vor 75 Jahren verkündete der politische Häftling Hans Eiden in seiner Funktion als Lagerältester: 'Kameraden! Wir sind frei!' Der organisierte politische Widerstand hatte einen bedeutsamen Sieg errungen. In die Freude drang die Trauer um die Opfer. Aus dem Gedenken an sie entwickelte sich über nationale Unterschiede, Weltanschauungen, Kulturen, Lebenserwartungen und vielfältige Meinungsverschiedenheiten hinweg eine übereinstimmende Zuversicht, die sich im Schwur von Buchenwald artikulierte: 'Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.' Die unbedingte Verbindlichkeit wurde zum Vermächtnis“, heißt es in der Mitteilung. 

Man wolle das Erbe des Nazismus und des Faschismus vernichten

Das IKBD sei der Träger dieses Vermächtnisses und verpflichtet, es zu bewahren. Es ist Erbe des Willens, den Nazismus und den Faschismus zu vernichten. Diese Ideologien führten mit Nationalismus, Herrenmenschentum und Gewaltverherrlichung zu Ausgrenzung, Hass, Massen- und Völkermord und Vernichtungskrieg. 

„Im Sinne des Schwurs von Buchenwald haben wir starke Vorbehalte gegenüber der ahistorischen und die Wahrheit verfälschenden Gleichsetzung aller 'Opfer totalitärer und autoritärer Regime' durch das Europäische Parlament“, so der VVN-BdA Main-Kinzig. Mit großer Besorgnis müsse man zur Kenntnis nehmen, dass Einwände gegen die Kommerzialisierung authentischer Orte zur Bewahrung der historischen Stätten von Außenlagern der KZ Buchenwald, Dora durch kommunal Zuständige ignoriert würden. Das betreffe das Treiben rechtsextremistischer Kampfsportler auf dem ehemaligen Hasag-Gelände in Leipzig und die Einrichtung des Bratwurstmuseums in Mühlhausen. Die Erfahrungen aus den dunklen Jahren der NS-Zeit und die Worte der Internierten und Deportierten in den KZ haben laut Mitteilung „zu den wichtigsten Entscheidungen für den Frieden zwischen Nationen und für den Sozial- und Kulturfortschritt erheblich beigetragen. Es ist unser Stolz und unsere Pflicht, es nie in Vergessenheit geraten zu lassen“, heißt es weiter in der Mitteilung.  

Quelle: Hanauer Anzeiger

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare