Ton wird rauer

Corona-Krise im Main-Kinzig-Kreis: Anfeindungen gegen die Politik

Maskenpflicht Maske Schild
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Die Maßnahmen des Main-Kinzig-Kreises zur Eindämmung des Coronavirus stoßen nicht immer auf Verständnis.

Die Corona-Krise hat auch den Main-Kinzig-Kreis fest im Griff. Die kritischen Stimmen aus der Bevölkerung werden lauter, die handelnden Politiker werden teils heftig angefeindet.

Hanau – Am Tag nach der Bekanntgabe, dass der Weihnachtsmarkt in Hanau in diesem Jahr nicht stattfinden wird, brach er los, der Shitstorm. „Ich wurde auf das Übelste beschimpft“, berichtete Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) gestern im Rahmen der von Kreis und Stadtspitze anberaumten Pressekonferenz zum Corona-Geschehen in der Region.

Coronavirus stellt Bevölkerung auf die Probe

Und auch Landrat Thorsten Stolz (SPD) stellte fest: Der Ton werde mit zunehmender Dauer der Pandemie rauer. Stolz: „Der Coronavirus ist nicht nur zu einer Bewährungsprobe für die Medizin, sondern auch für unsere Gesellschaft geworden.“ Stolz appellierte eindringlich an die Bürger, „abzurüsten im Ton“.

Die Politik ergreife die Maßnahmen nicht, um die Menschen zu ärgern, sondern um sie gut durch die Krise zu bringen. Ein Blick in die europäischen Nachbarländer reiche, um sich klar zu machen, wie bedrohlich die Lage sei, so Stolz eindringlich.

Akzeptanz für politische Maßnahmen sinkt

Auch Erlensees Bürgermeister Stefan Erb, der als Vorsitzender der Bürgermeisterkreisversammlung die Verwaltungschefs der anderen 28 Kommunen im Kreis vertrat, berichtete, dass der Dialog mit den Bürgern immer schwieriger werde. „Ich spüre, dass die Akzeptanz unseres Verwaltungshandelns in immer größerem Maße schwindet“, sagte er.

Vielen Menschen sei nicht bewusst, dass es in der Corona-Krise nicht um politische Interessen gehe. Vielmehr sei statt Politik in den Kommunen jetzt ein gutes Krisenmanagement gefragt. „Das hat nichts mit Parteiinteressen zu tun“, unterstrich der Erlenseer.

Hanaus Oberbürgermeister fordert härtere Strafen

Wie aber erreicht man die Bürger am besten, und wie vermittelt man die Ernsthaftigkeit der Lage, ohne Panik zu schüren? Diese Fragen stellte sich Hanaus OB Kaminsky und versuchte zugleich Antworten zu geben. Er stelle immer wieder fest, dass ein relevanter Teil der Krisenkommunikation bei den Menschen nicht ankomme. Er merke bei sich selbst, wie sein Unverständnis für Verstöße gegen die geltenden Regeln immer größer werde.

Die Gefährdung des Allgemeinwohls sei kein Kavaliersdelikt. Bei Bußgeldern, derzeit 50 Euro etwa für den Verstoß gegen die Maskenpflicht, sei noch Luft nach oben. „Da wäre ich stark dafür, diese Strafen noch deutlich anzuheben“, so Kaminsky. „Wir sind auf solche schwierigen Situationen mental offensichtlich nur begrenzt vorbereitet“, analysierte er.

Heutige Generationen, „dazu zähle ich auch mich, kennen echte Krisen nur aus Erzählungen“. Kaminsky verglich die aktuelle Situation mit dem Hungerwinter 1946/47. Seitdem habe man nie wieder eine derart dramatische Situation erlebt, sagte er und warb bei der Suche nach Lösungen für Vertrauen in die politischen Institutionen auf allen Ebenen.

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