Corona-Krise

Supermärkte verschärfen Schutzmaßnahmen – Trotz Hamsterkäufen gibt es keine Engpässe

+
Zur Sicherheit der Mitarbeiter und Kunden: In diesem Supermarkt wurden Plexiglasscheiben als Spuckschutz an den Kassen angebracht, um die Ansteckung mit dem Coronavirus über Tröpfcheninfektion zu verhindern.

Wer seit Beginn der Woche in den Supermärkten der Region einkaufen will, muss teilweise bereits vor dem Einkauf in der Schlange stehen. Grund hierfür sind die teilweise angezogenen Sicherheitsmaßnahmen.

Vor dem Aldi in Erlensee stehen am Montagnachmittag einzelne Menschen mit etwas Abstand zueinander vor dem Eingang. Dort sitzt ein Mann mit mintgrünem Mundschutz, Gummihandschuhen und einem silbernen, mechanischen Zähler in der Hand auf einem weißen Klappstuhl. Er beobachtet, wie viele Kunden das Geschäft verlassen. So viele Personen winkt er dann aus der Schlange an sich vorbei, in den Markt. Und der ist erstaunlich leer. „Nicht mehr als 30 Menschen dürfen gleichzeitig drin sein“, sagt der Mann auf Nachfrage. 

Ansonsten versucht er, so wenig wie möglich mit den Kunden zu sprechen. Einlasskontrollen wie diese gehören zu den verstärkten Schutzmaßnahmen der Supermärkte in der Region. Die einzelnen Märkte richten derzeit flächendeckend Plexiglasscheiben an den Kassen, sowie Abstandsmarkierungen auf dem Boden der Kassenbereiche ein, um Kunden und Mitarbeiter vor der Ansteckung mit dem Coronavirus zu schützen. Zudem weisen Hinweisschilder an den Eingängen oder den Regalen auf erwünschte Verhaltensweisen der Kunden hin: „Halten Sie Abstand zueinander!“, ist darauf zu lesen oder „Nutzen Sie bitte den Kartenzahlungsservice“ sowie „Bitte kauft nur handelsübliche Mengen.“ Denn es sind vor allem die anhaltenden Hamsterkäufe, die für Lücken in den Regalen sorgen. 

Supermärkte setzen neue Sicherheitsmaßnahmen unterschiedlich um

Während die Stadt Hanau bereits seit Montag eine übermäßige Bevorratung durch Hamsterkäufe verbietet, gehen die Supermärkte in der Region unterschiedlich mit der erhöhten Nachfrage nach haltbaren Lebensmitteln und Hygieneartikeln um. So haben einige Märkte wie der Rewe in Langenselbold oder der Tegut in Bruchköbel die Anzahl der besonders nachgefragten Artikel wie Toilettenpapier, Mehl oder H-Milch vorerst auf ein bis zwei Packungen pro Person beschränkt. 

Die Markierungen auf dem Boden sollen den Abstand wahren. 

Andere, wie beispielsweise der Rewe in Erlensee oder der Lidl in Bruchköbel haben zusätzlich externes Sicherheitspersonal beauftragt, das an den Kassen oder Ausgängen für einen geordneten Ablauf sorgen soll. Auch, um Konflikte zwischen Kunden und Mitarbeitern zu vermeiden, die wegen der neuen Regelungen entstehen könnten. 

Aldi ist eine Personalpartnerschaft mit McDonald´s eingegangen

Am Montagnachmittag sind es vor allem die Toilettenpapierregale, die komplett leer gekauft sind. Im Aldi in Erlensee fragt eine Kundin einen Mitarbeiter, der gerade die Brot-Regale bestückt: „Schon wieder kein Klopapier?“ „Nein, tut mir Leid“, sagt er. „Wir haben heute erst aufgefüllt und es ist schon wieder ausverkauft. Vielleicht kommt morgen welches.“ „Puh, so langsam wird es knapp bei mir“, sagt die Kundin. Auch ein anderer Kunde berichtet am Montagnachmittag, dass er in sechs Supermärkten in Langenselbold und Erlensee erfolglos nach Toilettenpapier gesucht habe. Dabei haben die Supermarktketten der Region ihre Lieferfrequenzen seit Ende Februar erhöht. 

Die Discount-Einzelhandelskette Aldi ist vergangene Woche zur Verstärkung des Personals bundesweit eine Personalpartnerschaft mit der Schnellrestaurantkette McDonald’s eingegangen. Das Personal, das durch den eingeschränkten Restaurantbetrieb zurzeit beschäftigungslos werden würde, soll im Verkauf und in der Logistik eingesetzt werden. „Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geben jeden Tag alles, damit genügend Ware in die Regale kommt“, sagt Aldi-Sprecherin Annika Büschken auf Nachfrage des HA. „Für ‚Hamsterkäufe’ besteht kein Anlass“. 

Sicherheitspersonal müsste teilweise zwischen den Kunden schlichten

Sowohl die Sprecher von Aldi als auch die der Rewe-Group, von Lidl, Edeka, Tegut, Kaufland und Globus bestätigten auf HA-Anfrage, dass auf absehbare Zeit keine Versorgungsengpässe entstehen und die Warenversorgung sichergestellt ist. Etwaige Verspätungen von LKW, die Waren vom Logistikzentrum zu den Märkten gebracht werden, kommen derzeit bei Edeka zwar an einigen Stellen durch Grenzkontrollen zustande. Durch ein großes Lieferanten-Netwerk sowie geplante Ersatzprodukte könne man diese jedoch ausgleichen. 

Der Streit um Klopapier lässt sich dennoch nicht allerorts vermeiden. Security-Mitarbeiter müssen laut Frischetheke-Mitarbeiterin Martina Kiesling im Globus Maintal öfter an den Toilettenpapierregalen Auseinandersetzungen zwischen Kunden schlichten. „Da kommt es manchmal fast zu Schlägereien“, sagt sie. Für Kiesling ist die große Nachfrage nach Toilettenpapier völlig unverständlich. „Jeden Tag füllen wir morgens die Regale auf und jeden Tag sind die mittags leer. Ich weiß gar nicht, was die Leute mit so viel Klopapier anfangen wollen“, sagt sie kopfschüttelnd. 

Globus-Marktleiter sieht keine Notwendigkeit für Hamsterkäufe

Auch an der Frischetheke muss sie regelmäßig vermitteln. „Die Leute drängeln sich vor und halten den Abstand nicht ein. Manche Kunden finden das alles ein bisschen übertrieben“, sagt sie. „Die Kunden auf die neuen Regeln hinzuweisen ist anstrengender, als der Ansturm selbst. Den sind wir ja vom Wochenende gewöhnt.“ Die meisten halten sich jedoch an die Regelungen, gehen an den Kassen von Markierung zu Markierung. 

Absperrband vor Frischetheken und im Kassenbereich soll für den empfohlenen Mindestabstand von anderthalb Metern sorgen.

Von Einlasskontrollen wie beim Aldi in Erlensee will der Maintaler Globus-Marktleiter Steffen Stoldt vorerst absehen, um Schlangenbildungen vor dem Markt zu vermeiden: „Unsere Flächen sind ausreichend groß, dass sich unsere Kunden aktuell gut verteilen können. Wir haben unsere Kassenbesetzung erhöht, um weitere Schlangenbildungen zu vermeiden sowie eine zügige Abwicklung zu ermöglichen.“ Auch er sieht keine Notwendigkeit für eine über das alltägliche Maß hinausgehende Bevorratung: „Wenn nicht gehamstert wird, ist für jeden genug da“, sagt er. 

Märkte der Region lehnen Erweiterung der Öffnungszeiten ab

Wie die Betreiber anderer Supermärkte und Discounter, appelliert er daher an die Kunden, an deren Mitmenschen zu denken: „Wir versuchen, unsere Kunden anhand von Aushängen und Spots in unserem Markt dafür zu sensibilisieren und bitten sie um gegenseitige Rücksichtnahme und Respekt füreinander, aber besonders für unsere Mitarbeiter“, so Stoldt. „Zwar kann es kurzfristig bei stark nachgefragten Produkten zu Lücken in den Regalen kommen, unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten aktuell jedoch von früh bis spät mit Hochdruck daran, temporär leere Regale wieder aufzufüllen und die Warenversorgung sicherzustellen.“ 

Eine Mammutaufgabe für Verkäufer und Logistikmitarbeiter in der Corona-Krise, wie auch eine Sprecherin der Rewe-Group auf HA-Anfrage betont: „Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten seit Wochen hart an der Belastungsgrenze.“ Daher lehnen auch alle befragten Einzelhandelsketten in der Region derzeit den Vorschlag der Bundesregierung ab, die Öffnungszeiten um Sonn- und Feiertage zu erweitern. „Unsere Mitarbeiter brauchen Ruhephasen, um Kräfte zu sammeln und sich zu erholen“, sagt Aldi-Sprecherin Annika Büschken. Das sei momentan besonders wichtig, um auch die Gesundheit der Mitarbeiter zu gewährleisten.

Quelle: Hanauer Anzeiger

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare