Corona

Corona-Maßnahmen in Hanau und Kreis: Mehr Polizei, mehr Kontrollen, aber keine zusätzlichen Busse

Ernst, aber bestimmt: Landrat Thorsten Stolz, Oberbürgermeister Claus Kaminsky, Gesundheitsdezernentin Susanne Simmler und Erlensees Bürgermeister Stefan Erb.
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Ernst, aber bestimmt: Landrat Thorsten Stolz, Oberbürgermeister Claus Kaminsky, Gesundheitsdezernentin Susanne Simmler und Erlensees Bürgermeister Stefan Erb.

Der Main-Kinzig-Kreis hat neue Maßnahmen zur Bekämpfung des Corona-Virus bekanntgegeben. Der Kern des Problems soll in Hanau liegen. Das sind die Hintergründe

Hanau – Es herrscht eine angespannte Stimmung im Obergeschoss des Gefahrenabwehrzentrums in Hanau. Vorne in erster Reihe sitzen bei der Pressekonferenz die politischen Entscheidungsträger. Landrat Thorsten Stolz, Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky, Gesundheitsdezernentin Susanne Simmler und Stefan Erb als Vorsitzender der Bürgermeisterkreisversammlung haben einen schwierigen Balanceakt zu vollführen. Sie müssen auf den Ernst der Lage hinweisen, gleichzeitig aber ein Gefühl von Panik vermeiden.

Landrat Stolz versucht deshalb gleich, den Wagen auf die richtige Schiene zu setzen: „Wir haben eine dynamische Entwicklung, wir sind sehr besorgt, aber es gibt noch keinen Grund, in Panik zu verfallen“, sagt er.

Corona-Maßnahmen im Main-Kinzig-Kreis: Kern des Problems liege in Hanau

Die Zahlen, die der Landrat einleitend verliest, machen eines sehr schnell deutlich: Der Kern des Problems liegt in der Brüder-Grimm-Stadt. Während sich die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen im restlichen Main-Kinzig-Kreis (von 13,3 auf 25) im Vergleich zum Ferienende verdoppelt hat, hat sich der Wert in Hanau im gleichen Zeitraum sogar mehr als verdreifacht.

„Ohne Hanau“, wird Thorsten Stolz zu einem späteren Zeitpunkt sagen, „wäre das dynamische Infektionsgeschehen auch in anderen Kommunen wie Bruchköbel, Neuberg und Erlensee nicht zu erklären.“

Es trifft den Westkreis: Außer in Hanau (ab 75 / 100 000) ist auch das Infektionsgeschehen in Neuberg (ab 50 /100 000), Erlensee (ab 35 / 100 000), Bruchköbel, Nidderau und Maintal (alle ab 20 /100 000) besorgniserregend.

Woran liegt es, dass vor allem in Hanau die Infektionszahlen wie im Übrigen auch im benachbarten Offenbach so schnell wieder gewachsen sind, wo doch die Stadt zu Zeiten des Lockdowns sogar eine Vorreiterrolle eingenommen hatte und als eine der ersten Kommunen bundesweit das Tragen einer Maske in Geschäften und Restaurants angeordnet hatte? OB Kaminsky verweist zunächst auf die hohe Mobilität seiner Stadt, die täglichen Pendlerströme. Zu den knapp 100 000 Einwohnern müsse man bis zu 15 000 Menschen hinzurechnen, die jeden Tag zur Arbeit nach Hanau kämen, zur Schule gingen oder auch nur zum Einkaufen in die Stadt führen. Allein dies mache den Blick auf Hanau so notwendig. Doch je länger man den Ausführungen des OB folgt, desto mehr wird auch deutlich, dass er vor allem mit denen hart ins Gericht geht, die es in den vergangenen Wochen „deutlich an Disziplin hätten vermissen lassen“.

Aktuelle Zahlen in Hanau waren für Oberbürgermeister Kaminsky erschreckend

Man habe damit gerechnet, dass durch Reiserückkehrer die Zahlen noch einmal steigen würde, aber die Zahlen, die jetzt präsentiert würden, seien erschreckend. Das habe eben auch damit zu tun, dass an vielen Orten die „Verhaltensformen zu wünschen übrig ließen“, so der Oberbürgermeister.

Die Ziele der nun beschlossenen Maßnahmen seien klar, sagt Gesundheitsdezernentin Susanne Simmler: Die weitere Verbreitung der Virus müsse unter allen Umständen gebremst und ein regionaler Lockdown verhindert werden. Zudem gelte es, bei den Menschen ein stärkeres Bewusstsein für die Situation zu schaffen.

Dabei wollen es die Spitzen von Kreis und Stadt nicht bei Appellen an die Vernunft der Menschen bewenden lassen, sondern auch mehr Mittel bereitstellen, damit die Maßnahmen umgesetzt werden können.

Mehr Polizisten wollen sie auf die Straße bringen, mehr Kontrollen in den Städten und im öffentlichen Personen-Nahverkehr veranlassen. Um den Transport- und Nahverkehr vor allem in den Stoßzeiten zu entlasten, fehlen allerdings die Mittel, wie Stolz und auch Kaminsky einräumen mussten. „Wir haben derzeit weder genug Busse noch genug Busfahrer“, so der Landrat.

Die verschärften Maßnahmen im Überblick

Per Allgemeinverfügung wird der Main-Kinzig-Kreis die einzelnen Maßnahmen in den nächsten Tagen in Gesetzesform gießen. Darüber hinaus bittet der Kreis schon jetzt alle betreffenden Verwaltungen, Gemeinden, Schulen, Betriebe, Vereine bis hin zu Privatleuten um Beachtung und Umsetzung:

- Veranstaltungen unter freiem Himmel werden auf 100 Personen begrenzt

- Veranstaltungen in geschlossenen Räumen werden auf 50 Personen begrenzt

- Treffen von Gruppen in der Öffentlichkeit und in Restaurants werden auf fünf Personen oder zwei Haushalte beschränkt

- Treffen von Gruppen im privaten Umfeld und Vereinsveranstaltungen werden auf 20 Personen beschränkt

- Maskenpflicht gilt beim Betreten und Verlassen von Lokalitäten, Gaststätten und Übernachtungsbetrieben

- Sperrzeit für alle Bars, Kneipen und Restaurants von 24 bis 8 Uhr

- öffentliche Verhaltensweisen wie Grillen oder Picknicken sind untersagt

- präventive Maskenpflicht bei der Religionsausübung

- präventive Maskenpflicht für alle im Unterricht sowie zusätzlich auch bei Ganztagsangeboten an den weiterführenden Schulen in Kommunen mit einer Inzidenz von über 20

- Empfehlung zur freiwilligen Umsetzung der Maskenpflicht an allen weiterführenden Schulen in den anderen Kommunen des Altkreises Hanau, zusätzlich auch bei den jeweiligen Ganztagsangeboten

- kein praktischer Sportunterricht in allen Schulen

- bei außerschulischen Bildungsangeboten und der Ausbildung hat der Unterricht mit 1,5 Metern Abstand zu erfolgen – wenn dies nicht sichergestellt ist, herrscht Maskenpflicht

- Sportbetrieb im Trainings- und Wettkampfbetrieb ist eingeschränkt, kontaktfrei darf er mit mindestens 1,5 Metern Abstand – und mit bis zu höchstens zehn Personen – ausgeübt werden

- Empfehlung, Vereins- und Versammlungsräume zu schließen und Umkleide(n), Spinde und sanitäre Anlagen nur unter der Hygieneempfehlung des Robert-Koch-Instituts zu öffnen; der Zutritt zu Sportstätten soll unter Vermeidung von Warteschlangen erfolgen

- Spielbetrieb im Wettkampfsport wird ausgesetzt, was auch heißt, dass Vereine aus diesen Städten und Gemeinden nicht an Wettkämpfen teilnehmen

- Besucherzahl in Schwimmbädern muss durch den Betreiber weitergehend beschränkt werden

-Einschränkungen der Besuche in Alten- und Pflegeheimen sowie weiterer Einrichtungen dieser Art.

Für das Stadtgebiet von Hanau hat der städtische Krisenstab darüber hinaus konkretisiert:

- Für die Krankenhäuser gilt wie bisher, dass Patienten während der ersten sechs Tage ihres Aufenthaltes zwei Mal von maximal zwei Personen besucht werden dürfen, ab dem siebten Tag dürfen täglich bis zu zwei Besucher zu einem Patienten.

- Für die Schwimmbäder gilt eine Halbierung der bisher möglichen Besucherzahlen je Vor- und Nachmittagsphase auf 300 im Heinrich-Fischer-Bad und auf 150 im Lindenau-Bad, verbunden mit einem ausschließlichen Online-Ticketing zur Vermeidung von Warteschlangen. bac

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