Pressekonferenz

Coronazahlen im Main-Kinzig-Kreis steigen rasant - Politik appelliert an die Bürger

In großer Sorge: OB Claus Kaminsky (von links), Landrat Thorsten Stolz, Gesundheitsdezernentin Susanne Simmler und Erlensees Bürgermeister Stefan Erb.
+
In großer Sorge: OB Claus Kaminsky (von links), Landrat Thorsten Stolz, Gesundheitsdezernentin Susanne Simmler und Erlensees Bürgermeister Stefan Erb.

Die Coronazahlen im Main-Kinzig-Kreis steigen rasant, der Kreis hat dreimal innerhalb einer Woche die Maßnahmen verschärft. Im Rahmen einer Pressekonferenz hat die Kreisspitze an die Bürger appelliert.

Main-Kinzig-Kreis – Die Entwicklung der Zahlen macht die dramatische Lage nur allzu deutlich: Am 8. Oktober wurde im Main-Kinzig-Kreis erstmals der 20er-Wert überschritten. Am 16. Oktober lag die Inzidenz, also die Zahl der Neuinfektionen gerechnet auf 100 000 Einwohner in den zurückliegenden sieben Tagen, bereits bei 35. Drei Tage später bei 50. Am 22. Oktober wurde der 75er Wert überschritten. Am Dienstag, 28. Oktober, lag die Zahl schon bei 123.

Kein Wunder also, dass Landrat Thorsten Stolz bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Gesundheitsdezernentin Susanne Simmler, Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky und Stefan Erb als Sprecher der Bürgermeisterkreisversammlung, deutlich an jeden einzelnen Bürger appellierte mit den Worten: „Helfen Sie mit, diese Dynamik zu stoppen!“ Jeder zwischen Maintal und Sinntal könne einen kleinen, aber wichtigen Beitrag dazu leisten.

Zahl der Covid-Patienten in Krankenhäusern steigt

Zudem machte Stolz deutlich, dass nicht nur die Fallzahlen nach oben gehen, sondern auch die Zahlen der stationären Aufnahmen in den Krankenhäusern des Kreises. Gab es am 8. Oktober gerade sechs stationäre Aufnahmen von Corona-Patienten waren es am 27. Oktober bereits 27. Auch diese Zahlen sprächen für sich, so der Landrat.

Stolz machte, wie Kaminsky und Simmler später auch, keinen Hehl daraus, dass sich die Landkreise genauso wie die Städte eine Landesverordnung wünschen würden. Gespräche dazu liefen auf verschiedenen Ebenen, bislang jedoch ohne Ergebnis, dass das Land Hessen aktiv geworden wäre. „Eine Einheitlichkeit hier würde auch bei der Kommunikation helfen“, ist sich der OB sicher.

Viele Pendler: Enge Absprachen der Maßnahmen im Rhein-Main-Gebiet

Enge Abstimmungen gebe es indes mit Offenbach und Frankfurt, denn das Rhein-Main-Gebiet sei eine Pendlerregion. Diese Aussage untermauerte auch Kaminsky. Immerhin kommen täglich rund 30 000 Menschen zum Arbeiten nach Hanau, 15 000 verlassen die Stadt. Schüler oder Patienten in den Hanauer Kliniken seien hier noch gar nicht berücksichtigt.

Enorm sind die Pendlerzahlen auch mit Blick auf den Main-Kinzig-Kreis: Rund 100 000 fahren täglich nach Frankfurt hinein, 80 000 kommen zum Arbeiten in den Kreis. Eine solche Dynamik befördere die Ausbreitung des Virus‘. „Bei all diesen Verflechtungen ist es gut“, so der OB, „sich mit den Maßnahmen an Frankfurt und Offenbach zu orientieren.“

Hohe Zahlen wegen privaten Feiern und familiären Treffen

Der Landrat unterstrich erneut, dass die gestiegenen Zahlen ihre Ursache im privaten Bereich hätten, in Feiern, im familiären Zusammenkommen. „Das ist eine Feststellung, die wir ohne jeglichen Vorwurf oder mit erhobenem Zeigefinger formulieren“, ergänzte Stolz. Jetzt sei nicht die Zeit für Schuldzuweisungen, sondern für Solidarität, Achtsamkeit und gegenseitige Rücksichtnahme. „Es geht nur gemeinsam, jeder muss jetzt Eigenverantwortung übernehmen.“

Susanne Simmler sensibilisierte noch einmal für die Inhalte der Allgemeinverfügung. „Wir werden frühestens Ende der Woche sehen, ob die Maßnahmen einen Effekt haben“, so Simmler. Die jetzigen neuen Fälle seien mit dem Infektionsgeschehen vor rund zwei Wochen in Verbindung zu bringen.

Diese Maßnahmen gelten im Main-Kinzig-Kreis.

Das Gesundheitsamt wurde mit 75 zusätzlichen Kräften aus anderen Bereichen der Kreisverwaltung aufgestockt, um die Kontaktpersonen-Nachverfolgung in einem Mehrschicht-System von 7 bis 21 Uhr zu gewährleisten. Dennoch komme es zu einem zeitlichen Versatz, erklärte Simmler, wie groß der Arbeitsaufwand für ihre Mitarbeiter ist.

Hanau: Stadtpolizei wird von Security unterstützt

Einen Appell richtete auch Oberbürgermeister Claus Kaminsky an die Hanauer. Dabei will er es jedoch nicht belassen. Die Stadtpolizei hat Unterstützung durch 20 zusätzliche Security-Kräfte erhalten. Auch das Hygiene-Team der Stadt wurde aufgestockt. In Teams sind Stadtpolizei und Security unterwegs, um bis in die späten Abendstunden die Auflagen zu kontrollieren.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare