Gelder aus Nachlass veruntreut

Untreue-Prozess: Ehrenamtliche Kreisbeigeordnete Sonja Senzel (SPD) legt alle Mandate nieder

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Die ehrenamtliche Kreisbeigeordnete Sonja Senzel hat alle Mandate niedergelegt.

Ein Urteil des Amtsgerichts Gelnhausen und ein Gerichtsbericht des HANAUER ANZEIGER haben für erheblichen Wirbel im Landratsamt und einen Rücktritt gesorgt. Die ehrenamtliche Kreisbeigeordnete Sonja Senzel (SPD/Steinau) ist von allen ihren kommunalpolitischen Ämtern zurückgetreten.

Sie zieht damit die Konsequenzen aus einer Verurteilung wegen Untreue, die auf politischer Ebene erst jetzt bekannt geworden ist. „Ich werde mit sofortiger Wirkung meine ehrenamtlichen Mandate in der Steinauer Stadtverordnetenversammlung und im Kreisausschuss des Main-Kinzig-Kreises niederlegen“, schreibt Senzel in einer persönlichen Erklärung. Ihr sei „in den vergangenen Tagen noch klarer geworden, dass für diese Tätigkeiten ein besonders hoher Maßstab an Integrität und Glaubwürdigkeit unerlässlich sind. Diesen Maßstab habe ich in den vergangenen Jahren stets bei anderen angelegt, daher ist es im Umkehrschluss auch nur konsequent, das eigene Handeln daran zu messen“.

Ein Jahr auf Bewährung wegen "Untreue durch Unterlassen"

Über ihr „berufliches Fehlverhalten“ und den Entschluss, alle Ämter niederzulegen, habe sie am Mittwoch Landrat Thorsten Stolz und die Spitzen der Kreis-SPD informiert. Weil sie in ihrer Tätigkeit als Rechtsanwältin schwere Fehler begangen hat, ist die 51-Jährige bereits im Februar wegen „Untreue durch Unterlassen“ vom Schöffengericht Gelnhausen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung verurteilt worden.

Die Juristin, die amtlich mit zwei Erbschaftsangelegenheiten betraut war, hatte jeweils Gelder aus dem Nachlass veruntreut. Der Kardinalfehler: Statt auf ein separates Konto hat sie erhebliche Summen auf Privat- und Geschäftskonten transferiert. Dann hatte die Rechtsanwältin nach eigenen Angaben, „den Überblick“ verloren und die Gelder mit laufenden Kosten vermischt. Das blieb dem Nachlassgericht nicht verborgen. Die Unregelmäßigkeiten wurden angezeigt, die Staatsanwaltschaft nahm die Ermittlungen auf. Es ging um rund 35 000 Euro.

Senzel hat Erbberechtigten das Geld ausgezahlt

Dass die Juristin am Ende eine recht milde Strafe bekam, liegt vor allem daran, dass sie sofort ein Geständnis abgelegt und den kompletten Schaden bereits weit vor der Gerichtsverhandlung reguliert hatte – den Erbberechtigten also alles ausgezahlt hat, was ihnen zusteht. Zudem ist sie mit einem Berufsverbot als Nachlassverwalterin belegt worden. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten beantragt. Rechtskräftig ist der Prozess noch nicht, weil gegen das Urteil Berufung am Landgericht Hanau eingelegt worden ist, über die im August vor einer Strafkammer am Hanauer Landgericht verhandelt werden soll.

Senzel hat laut Gericht nicht gezielt kriminell gehandelt

Vom Ausgang dieses Verfahrens dürfte dann abhängen, welche Konsequenzen die Rechtsanwaltskammer zieht, die erst nach Abschluss des Strafverfahrens mit der Prüfung beginnen kann. Senzel selbst beteuert: „Ja, ich habe einen Fehler gemacht in einer Zeit, in der ich gesundheitlich stark beeinträchtigt war. Und ja, ich bin bereit, die Konsequenzen für diesen Fehler zu tragen.“ Allerdings, das hat auch das Gericht mit seinem Urteilsspruch als „Untreue durch Unterlassen“ deutlich gemacht, habe die 51-Jährige nicht gezielt kriminell gehandelt.

„Ich möchte betonen, dass ich zu keinem Zeitpunkt die Absicht hatte, mich zu bereichern oder irgendjemandem einen Schaden zuzufügen“, schreibt sie in ihrer Erklärung.

Kommunalpolitik wusste lange von nichts

Während der Fall in Hanauer Justizkreisen schnell die Runde machte, blieb der Kommunalpolitik das Geschehen offenbar über fast drei Monate verborgen. Nun sorgte der HA-Bericht für Wirbel, denn sowohl Stolz als auch der SPD-Unterbezirksvorsitzende Christoph Degen (Neuberg) sowie SPD-Fraktionsvorsitzender Klaus Schejna (Rodenbach) wurden von der Nachricht, dass gegen ein Mitglied des Kreisausschusses strafrechtliche Konsequenzen im Raum stehen, sichtlich überrascht.

„Konsequent“ nannte Degen die Entscheidung, die möglicherweise „Schaden von den kommunalpolitischen Ämtern“ abgewendet habe. Er dankt Senzel jedoch ausdrücklich für ihr jahrelanges Engagement. Pikant ist an dem Fall, dass Senzel auch in ihrer Heimatstadt Steinau als SPD-Fraktionsvorsitzende in der Stadtverordnetenversammlung vor allem Bürgermeister Malte Uffeln (parteilos) mehrfach „juristische Fehler“ vorgeworfen hatte.

Noch keine Entscheidung über Nachfolger im Kreisausschuss

Uffeln ist ebenfalls Rechtsanwalt. Während der Auseinandersetzung im Frühjahr 2017 um eine fragwürdige Buchwidmung hatte Senzel als erste „Konsequenzen“ gefordert und ihm den Rücktritt nahegelegt. Im anschließenden Abwahlverfahren triumphierte Uffeln, der von 66 Prozent der Wähler unterstützt worden war.

Wie es personell im Kreisausschuss weitergeht, ließ SPD-Fraktionsvorsitzender Klaus Schejna offen und wollte sich an Spekulationen nicht beteiligen. „Wer in den Kreisausschuss nachrückt, darüber wird zunächst der Fraktionsvorstand beraten.“ Doch es kursieren bereits die ersten Namen. Ganz oben mit dabei Uta Böckel (Hasselroth).

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