Kreistag

Kommentar zur CDU: Ein Knockout und eine echte neue Chance

Yvonne Backhaus-Arnold
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Yvonne Backhaus-Arnold, Redaktionsleiterin des Hanauer Anzeiger.

Heiko Kasseckert ist der neue Vorsitzende der CDU-Fraktion im Kreistag. Michale Reul, sein Fraktionskollege im Landtag, ist als Verlierer zurückgeblieben. Dass sich eine, wenn am Ende auch knappe Mehrheit, für Kasseckert ausgesprochen hat, zeigt, dass die Ära Reul vorbei ist. Zu offensichtlich hat der Bruchköbeler, der das Amt des Fraktionsvorsitzenden zehn Jahre inne hatte, gegen die Partei und die Kreisvorsitzende Katja Leikert gearbeitet.

Schon 2016 hatte Birgit Behr, Erlensees Erste Stadträtin und langjähriges Mitglied der Kreistagsfraktion, Reuls Personalpolitik und den Umgangston innerhalb der Fraktion öffentlich angeprangert und diese Kritik mehrfach erneuert. Damals war der Koalitionsvertrag mit der SPD unterschriftsreif, die Große Koalition zum Greifen nahe. Doch Michael Reul wollte den Frankfurter Ulf Homeyer, der sich der Basis zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal vorgestellt hatte, auf den Kreisbeigeordneten-Posten hieven. Die Kritik: überwältigend. Homeyer zieht sich zurück, die GroKo platzt, Reul ist angezählt.

Auch auf dem Parteitag im März 2018 gibt die CDU-Spitze kein gutes Bild ab: Die Sitzung ist dilettantisch vorbereitet, der Kreisvorsitzende Johannes Heger, über Jahre von Reul protegiert, wird abgestraft, erklärt kurz darauf seinen Verzicht auf den Posten des hauptamtlichen Kreisbeigeordneten. Reul versucht den Treffer wegzustecken.

Doch er hat die aufmerksamen Beobachter und Kritiker seiner Art, Politik zu machen, unterschätzt. Das Fass zum Überlaufen brachte schließlich der Umzug der Fraktion, die sich in der CDU-Geschäftsstelle in Gründau eingemietet hatte, und zum Jahreswechsel 2020/2021, mitten im Kommunalwahlkampf, auszog. Wohlgemerkt nur eine Etage tiefer. Keine handvoll Mitarbeiter auf 180 Quadratmetern. Die Mietkosten, die sich Fraktion und Partei geteilt hatten, musste Letztere von da an alleine schultern. Und am Ende blieb der Verdacht, dass es hier einmal mehr nur um persönliche Befindlichkeiten des Fraktionsvorsitzenden ging, der sich in die Ecke zurückzog.

Die Wahl von Heiko Kasseckert zum Fraktionsvorsitzenden ist eine Zäsur für die CDU Main-Kinzig. Für Reul könnte sie der K.o.-Schlag sein. Kasseckert hat stets Wert auf Sachpolitik gelegt und versucht, mit guten Argumenten zu überzeugen. Reul dagegen war zu oft Strippenzieher. Kasseckert könnte daher eine echte Chance für die CDU sein – vielleicht die letzte, um zwischen Maintal und Sinntal endlich wieder ernst genommen zu werden und mittelfristig vielleicht sogar einen Rathauschef zu stellen.

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