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Engelbert Strauss: Ein „Monopolist“ mit Fachkräftemangel

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Alles andere als auf Sand gebaut: Die Firma Engelbert Strauss, im Bild (von links) Steffen, Gerlinde, Norbert und Henning, mit ihrem prominenten Gast aus Berlin. Foto: Paffenbach
Alles andere als auf Sand gebaut: Die Firma Engelbert Strauss, im Bild (von links) Steffen, Gerlinde, Norbert und Henning, mit ihrem prominenten Gast aus Berlin. Foto: Paffenbach

Biebergemünd. Weil qualifizierte Fachkräfte in der IT-Branche und in der Bekleidungstechnik Mangelware sind, bildet das Unternehmen Engelbert Strauss seine IT-Kräfte mittlerweile selbst aus. Auch sonst ist man man beim Bekleidungsspezialisten bemüht, "die weichen Standortfaktoren zu verbessern“.

Von Holger Weber

Die Kanzlerin ist gerade durch den Hintereingang hinaus, da schieben zwei Damen Paletten mit weichen Sitzkisten an die Stelle, wo eben noch Angela Merkel in einem knapp dreiminütigen Statement von ihren Eindrücken bei Engelbert Strauss gesprochen hat. Jetzt sind die Hausherren dran: Norbert Strauss und seine beiden Söhne Steffen und Henning lassen sich auf den Kissen nieder.

Ob es aufregend war, die Bundeskanzlerin im Haus zu haben, will ein Reporter wissen. Norbert Strauss winkt lächelnd ab: „Wissen Sie, ich bin 50 Jahre im Geschäft, habe jede Menge Klinken geputzt. Da ist man solche Situationen gewöhnt“, sagt der Seniorchef und erzählt den Journalisten noch einmal, dass es eigentlich ein Wunsch der Kanzlerin gewesen sei, nach Biebergemünd zu kommen und sich einmal anzusehen, was denn nun genau hinter der Marke Engelbert Strauss steckt. Dessen Werbebanner habe sie schon so oft gesehen. Vielleicht bei einer Fußballübertragung oder in einem Stadion. Das können die Strauss' aber nur vermuten.

Werbung bei „Premium-Veranstaltungen“Seit geraumer Zeit platziert das Unternehmen seine Werbung bei „Premium-Veranstaltungen“ des Fußballs, wie Sohn Henning es ausdrückt. Und das obwohl Vater Norbert am Anfang nicht geglaubt hat, dass man damit viele Menschen erreichen könne. Mittlerweile ist er vom Gegenteil überzeugt. Und wer glaube, dass das Unternehmen dafür einen Großteil seines Werbeetats ausgebe, der irre, so der Seniorchef. Die Prozentzahl liege im einstelligen Bereich.Ob der Etat nun so gigantisch ist oder die Fernsehminuten so günstig – nun, diese Frage lässt der Firmenchef unbeantwortet. Die Familie Strauss ist für ihre Verschwiegenheit bekannt. Nicht alles auszuposaunen sei eben auch Teil der Erfolgsgeheimnisses, meint Norbert Strauss.

KundennäheEin anderer Aspekt sei die Kundennähe. Zwar lässt das Unternehmen seine Produkte weltweist, vornehmlich in Asien, produzieren. In kleiner Stückzahl werden hochwertige Materialien sogar aus der Schweiz eigens nach Asien exportiert und dort zum Endprodukt zusammengenäht. Dort baue man auf langjährige gewachsene Firmenbeziehungen, meint Henning Strauss.Doch der Kunde sei vor Ort und mit dem stehe man in ständigem Kontakt. „Wir wissen, was in den verschiedenen Branchen gebraucht wird“, ergänzt Norbert Strauss. 80 Prozent des Umsatzes wird derzeit noch in Deutschland erzielt. Doch Pläne, die Präsenz zunächst nur in Europa weiter auszubauen, die gebe es. Vor allem durch den Versand, aber auch in den sozialen Netzwerken bespielt Engelbert Strauss alle Kanäle.

Dem Fachkräftemangel entgegenwirkenMit der Kanzlerin hat man aber auch über Probleme gesprochen, die ein mittelständisches Unternehmen in einem eher ländlich geprägten Umfeld hat. Gravierend sei dabei der Fachkräftemangel, betont das Strauss-Trio. Besonders in der IT-Branche und in der Bekleidungstechnik gebe es nicht genügend Kräfte, die man brauche, um der rasanten Entwicklung des Unternehmens standzuhalten. Deshalb bilde man das Personal mittlerweile selbst aus.Auf dem Firmengelände werden die Mitarbeiter mit eigenem Fitness-Studio, exquisiter Kantine sowie Spa bei Laune gehalten. „Wir tun alles, um die weichen Standortfaktoren zu verbessern“, sagt Vater Norbert und hebt kurz die Schultern, was soviel heißen soll wie: Es reicht immer noch nicht. Und da konnte auch Kanzlerin Merkel dem „Monopolisten“, wie sie den Marktführer bei ihrer Visite laut Norbert Strauss nannte, nicht wirklich schnelle Abhilfe versprechen.

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